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title: "Stefan Wintermeyer · 2026-09-21"
description: "Mensch, du startest die Woche aber mit einem tiefgründigen Thema."
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# Post by [Stefan Wintermeyer](https://vutuv.de/wintermeyer) · 2026-09-21

> In reply to a post by [Tobias Kremkau](https://vutuv.de/tobias_kremkau/posts/01a0c2e2-2f2f-725e-a714-0aec3b4b8bf3).

Mensch, du startest die Woche aber mit einem tiefgründigen Thema.

Gedanken dazu: Die kleinste Gemeinschaft ist eine Familie. Es gibt (leider) genügend Familien, die keinen festen Wohnort haben, weil sie z.B. auf der Flucht sind. Trotzdem bilden sie eine feste Gemeinschaft. Ein spannender Aspekt bei der Familie ist dabei, dass die Gemeinschaft dort quasi genetisch fest verdrahtet ist. Im Gegensatz zu Freunden sucht man sich die Familie ja nicht aus.

PS: Ich frage mich ja, wem die Domain https://gemeinschaft.de gehört. 😉

Tags: #Gemeinschaft

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## Conversation (3)

### [Tobias Kremkau](https://vutuv.de/tobias_kremkau/posts/01a0c2e2-2f2f-725e-a714-0aec3b4b8bf3) · 2026-09-21

Letzte Woche hörte ich die Folge des Podcasts [„Die sogenannte Gegenwart“](https://www.zeit.de/feuilleton/2026-09/postliberalismus-debatte-liberalismus-umbruch-politik) über Postliberalismus und wurde dabei auf die Arbeiten von Stefan Borg und Jon Elster aufmerksam. Aus der Debatte nahm ich eine Frage für meine tägliche Arbeit mit: **Lässt sich Gemeinschaft gezielt herstellen, oder entsteht sie vor allem dadurch, dass Menschen gemeinsam etwas tun?** Anschließend las ich Stefan Borgs Essay [*In search of the common good: The postliberal project Left and Right*](https://journals.sagepub.com/doi/epub/10.1177/13684310231163126), in dem er unterschiedliche Vorstellungen von Gemeinschaft und Gemeinwohl untersucht. 

Für meine Arbeit leite ich daraus ab: **MehrWertOrte** sollten Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Vorstellungen die Möglichkeit geben, gemeinsam tätig zu werden, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Eine gefestigte Gemeinschaft muss dafür nicht schon vor Beginn der Ortsentwicklung bestehen. Bereits der gemeinsame Aufbau kann Menschen verbinden. Entscheidend ist, dass ihre Bedürfnisse und ihre Möglichkeiten zur Mitgestaltung den Prozess von Anfang an prägen.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht: Braucht es zuerst eine Gemeinschaft, um einen Ort zu entwickeln – oder wächst sie gerade dadurch, dass Menschen gemeinsam anfangen?

##### [Tobias Kremkau](https://vutuv.de/tobias_kremkau/posts/01a0c2fb-373c-7039-aa3a-cd7667db4d02) · 2026-09-21

> In reply to a post by Stefan Wintermeyer.

Da sprichst du einen Punkt an, den ich bei meiner Frage nach den Prozessen bisher zu wenig berücksichtigt habe. Denn an Familien denke ich selbstverständlich nicht. 

[Der Soziologe Ferdinand Tönnies unterscheidet](https://germanhistory-intersections.org/de/wissen-und-bildung/ghis:document-163) zwischen **Gemeinschaft** ("community"), die auf persönlicher Verbundenheit, Verwandtschaft oder geteilten Überzeugungen beruht, und **Gesellschaft** ("society"), in der Menschen vor allem über Interessen und den gegenseitigen Nutzen miteinander verbunden sind.

Ich frage mich deshalb häufig, ob das, was wir in Coworking-Spaces oder Projekten als „Gemeinschaft“ bezeichnen, zunächst stärker durch gemeinsame Interessen und den Nutzen der Zusammenarbeit geprägt ist. Mit Tönnies ließe sich daher fragen, welche gemeinschaftlichen und welche gesellschaftlichen Beziehungen einen solchen Ort prägen – und wie sie sich im gemeinsamen Tun entwickeln.
