Good news am Wochenende:
Weniger Lichtstress am Bahnsteig
Künstliches Licht in der Nacht ist für die Natur ein nicht zu unterschätzendes Problem. Ich weiß, das Thema ist groß und wird sicher auch das ein oder andere mal hier kommen, aber betrachten wir hier einmal nur die Insekten.
Viele nachtaktive Insekten nutzen natürliche Lichtquellen wie den Himmel zur Orientierung. Künstliches Licht kann diese Orientierung stören und die Tiere regelrecht an einer Lampe festhalten. Statt Nahrung oder Partner zu suchen, verbringen sie dort mitunter Stunden, werden leichter zur Beute oder sterben vor Erschöpfung.
Ganz auf Beleuchtung verzichten lässt es sich zum Beispiel an Orten wie Bahnhöfen natürlich nicht. Aber offenbar macht es einen erheblichen Unterschied, welches Licht dort eingesetzt wird.
Forschende des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) testeten deshalb an sechs ländlichen Bahnhöfen im Westhavelland verschiedene Leuchtmittel unter realen Bedingungen.
Besonders gut schnitten amberfarbene LEDs mit einer Farbtemperatur von 1800 Kelvin ab. Im Vergleich zu den heute üblichen kaltweißen 4000-Kelvin-LEDs wurden dort rund 40 bis 50 Prozent weniger Insekten und bis zu 75 Prozent weniger Insektenbiomasse erfasst. Auch die Zahl der angelockten Arten war um etwa zehn bis 20 Prozent geringer.
Interessant ist dabei, dass es nicht einfach nur auf die wahrgenommene Lichtfarbe ankommt. Alte Natriumdampflampen erscheinen mit 2000 Kelvin ebenfalls sehr warm, lockten aber ähnlich viele Insekten an wie kaltweiße LEDs. Entscheidend ist vielmehr, welche Wellenlängen eine Lampe tatsächlich aussendet. Das Spektrum der neuen LEDs ist so gewählt, dass für Insekten besonders attraktive Lichtanteile reduziert werden.
Völlig insektenfreundlich wird künstliches Licht dadurch allerdings nicht. Auch die optimierten LEDs zogen noch mehr Tiere an als unbeleuchtete Kontrollorte.
Wo Licht nicht benötigt wird, bleibt Ausschalten daher die bessere Lösung. Wo Beleuchtung aus Sicherheitsgründen notwendig ist, können Spektrum, Abschirmung und Dimmen ihre Auswirkungen auf die Natur aber deutlich verringern.
Und in diesem Fall (kommen wir zu den good news) bleibt es nicht bei einem Forschungsergebnis. Die Deutsche Bahn hat die untersuchten Bahnsteige bereits dauerhaft auf die neuen LEDs umgerüstet und das Leuchtmittel in ihre offizielle Auswahlliste aufgenommen. Ein schönes Beispiel dafür, wie ökologische Forschung unmittelbar in die Praxis einfließen kann.
Quelle:
Ludreschl et al., 2026, Biological Conservation
sciencedirect.com/science/…