Von singenden Primaten
Indris sind große Lemuren, die ausschließlich auf Madagaskar leben und für ihre weithin hörbaren Gesänge bekannt sind. Dabei produzieren sie komplexe Abfolgen unterschiedlich hoher Töne, die unter anderem der Kommunikation zwischen Familiengruppen und der Abgrenzung ihrer Reviere dienen.
Gesang kommt tatsächlich nur bei einem Teil der Primaten vor und hat sich im Laufe der Evolution offenbar mehrfach unabhängig entwickelt. Neben Indris gehören beispielsweise auch Gibbons zu den singenden Primaten.
Ein Forschungsteam der Universität Turin wollte nun genauer wissen, wie Indris ihre Töne eigentlich erzeugen und verstärken.Dafür analysierten die Forschenden Video- und Tonaufnahmen wild lebender Indris.
Mithilfe einer KI-basierten Bewegungsanalyse verfolgten sie in jedem einzelnen Videobild bestimmte Punkte im Gesicht und konnten so messen, wie weit die Tiere beim Singen ihr Maul öffneten. Diese Bewegungen wurden anschließend mit der jeweiligen Grundfrequenz des gleichzeitig erzeugten Tons abgeglichen.
Dabei zeigte sich, dass die Indris ihr Maul umso weiter öffneten, je höher der erzeugte Ton war.
Der Ton entsteht zunächst am Kehlkopf. Mund und Rachen bilden anschließend einen Resonanzraum, dessen Form beeinflusst, welche Frequenzen besonders verstärkt werden. Durch ein weiteres Öffnen des Mauls verändern die Indris diesen Resonanzraum.
Computermodelle ihres Vokaltrakts zeigen, dass sich dadurch dessen Resonanzfrequenzen verschieben und besser mit der Grundfrequenz des Gesangs oder ihren Obertönen zusammenfallen können.
Gerade im dichten Regenwald könnte eine bessere Schallübertragung entscheidend sein, damit ein Ruf auch über größere Entfernungen gehört wird.
Interessant finde ich außerdem die Parallele zu unserem eigenen Singen, denn ein ähnliches Prinzip nutzen offenbar auch menschliche Sängerinnen und Sänger, um aus einem hohen Ton möglichst viel herauszuholen.
Vielleicht kann hier ein musikaffinerer Mensch noch was zu sagen.
Quelle
Carugati et al., 2026, PLOS Computational Biology