Post by Stefan Wintermeyer
Das Gravatar-Desaster
Heute Morgen hat @reinald_kirchner gefragt, wie vutuv an sein Avatar-Foto
gekommen ist. Berechtigte Frage, denn das war ein Komfortfeature, das ich
nirgendwo erklärt habe. gravatar.com ist eine Webseite, auf der man
ein Avatar-Foto von sich hochladen und E-Mail-Adressen damit verknüpfen kann.
Registriert man sich danach bei einer anderen Webseite, kann diese bei
Gravatar nachfragen, ob es zu dieser Adresse ein Foto gibt, und es von dort
holen. Übertragen wird dabei nicht die Adresse selbst, sondern eine Prüfsumme
(Hash) davon.
Ich persönlich finde das deutlich einfacher/praktischer, als selbst ein Bild hochzuladen, und hatte deshalb vor Jahren dieses Feature eingebaut. Niemand wird gezwungen, bei Gravatar ein Foto zu hinterlegen, und die Prüfsumme sorgt dafür, dass die Adresse nicht im Klartext über die Leitung geht. Es sollte ein Komfortfeature sein.
Ich dachte mir heute Morgen entsprechend: „OK, das muss man nur besser
kommunizieren, und alles ist gut.”
Vorhin ist mir dann aber etwas aufgefallen. Klar lädt jeder sein Foto freiwillig bei gravatar.com hoch. Aber wenn er das getan hat und vutuv holt sich dieses Foto, dann erfährt gravatar.com dadurch, dass diese Person sich gerade einen vutuv-Account erstellt hat. Und die Prüfsumme hilft dagegen nicht: Gravatar kennt die Adresse ja bereits, der Hash ist für sie nur der Schlüssel zum passenden Konto.
Kann man natürlich alles mit AGB und Datenschutzerklärung erschlagen, und das Ende der Welt ist es auch nicht. Aber es geht ums Prinzip. Ich sage immer lautstark: „vutuv gibt keine Daten an Dritte weiter. Keine 3rd Party Cookies!” Entsprechend muss ich dann auch hier handeln. Egal wie irrelevant die einzelne Information ist.
Die Gravatar-Funktionalität an sich finde ich weiterhin praktisch. Der Automatismus ist seit heute Nachmittag abgeschaltet: Bei der Registrierung fragt vutuv nirgendwo mehr nach. Wer möchte, holt sein Foto auf vutuv.de/settings/profile selbst per Knopfdruck von gravatar.com — oder lädt einfach eines hoch.
Bottom line: Gut gemeint ist nicht automatisch auch gut gemacht. War kein Weltuntergang, aber das Thema ist mir wichtig. Hätte gar nicht erst passieren dürfen.
Ich hätte persönlich ja kein Problem damit, dennoch ist das ein interessanter Blickwinkel. Danke für die offene Kommunikation!