Post by Michael Schmidt
RSS-Feeds auf vutuv?
Ich überlege, ob vutuv RSS-Feeds einlesen soll. Du abonnierst einen Feed, und dessen Einträge tauchen in Deinem vutuv Feed auf. Ein Blog, dem du folgst. Ein Podcast. Die Release-Notes eines Projekts. Die Seite deines Vereins. Meinetwegen auch die Tagesschau. Gebaut ist noch nichts, ich will erst die Wassertemperatur testen.
Technisch ist das kein Hexenwerk: Ein RSS-Feed ist eine maschinenlesbare Liste der neuesten Einträge einer Seite, und fast jede Seite bietet einen an. Die holt vutuv regelmäßig ab. Nur ansehen zu können wäre allerdings wenig. Ich möchte, dass du einen Eintrag liken und teilen kannst wie jeden anderen Beitrag, und dass ein Klick genügt, um einen eigenen Beitrag dazu zu schreiben.
Wo es rechtlich schwierig wird
Feeds sind sehr unterschiedliche Dinge. Ein Blogger freut sich über jeden Leser, ein Presseverlag hat ein eigenes Schutzrecht. Ich baue für den strengsten Fall, dann ist der Rest automatisch mit abgedeckt.
Verlinken ist erlaubt. Dass man auf einen frei zugänglichen Artikel verlinken darf, hat der Europäische Gerichtshof geklärt. Auch Überschrift plus kurzer Anriss geht: Das Leistungsschutzrecht für Presseverleger nimmt „einzelne Wörter oder sehr kurze Auszüge” ausdrücklich aus.
Volltext nicht. Viele Feeds liefern den ganzen Text gleich mit. Den zu speichern wäre eine Urheberrechtsverletzung, egal wie man das Ganze nennt. vutuv liest diesen Teil gar nicht erst aus.
Bilder erst recht nicht. Fotos sind einzeln lizenziert, bei Presseseiten meist über Agenturen. Ein Foto ist kein „sehr kurzer Auszug”, sondern das ganze Werk. Deshalb wird das eine reine Textfunktion: keine Beitragsbilder, keine Logos, keine Vorschaugrafiken.
Der eigentliche Stolperstein ist ein anderer. Naheliegend wäre, für jeden Feed ein Konto anzulegen, das seine Einträge postet wie jedes Mitglied. Fühlt sich vertraut an und ist genau der Punkt, an dem es kippt. Ein Konto tagesschau, das kein Auftritt der tagesschau ist, führt in die Irre. Bei einem persönlichen Blog wäre es sogar heikler: Da sähe es aus, als wäre dieser Mensch vutuv beigetreten, ohne je davon gehört zu haben. Das ist dann Marken-, Wettbewerbs- und Persönlichkeitsrecht, und da hilft es nichts mehr, dass der Textauszug kurz war. Nebenbei: „Wir sind halt ein RSS-Reader” zu sagen löst nichts. Das Gesetz schaut darauf, was man tut, nicht darauf, wie man sich nennt.
Wie ich es lösen will
Ein Feed bekommt kein Mitgliedskonto, sondern erscheint sichtbar als Quelle. Keine runde Profilkachel, denn rund steht auf vutuv für einen Menschen, sondern eine eckige mit Anfangsbuchstaben. Kein Logo, dafür die Domain gut lesbar.
Gespeichert werden Überschrift, ein auf 300 Zeichen begrenzter Anriss und der Link. Die Überschrift ist der Link, ein Klick führt zum Original. vutuv fängt keinen Traffic ab, sondern schickt ihn hin, und die Einträge bleiben aus Suchmaschinen heraus.
Liken und Teilen bleiben möglich, weil beides nur diese kurze Vorschau weiterbewegt. Antworten wird es nicht geben, weil niemand da ist, der antworten könnte. Stattdessen öffnet „Dazu schreiben” das Schreibfeld mit dem Link darin. Dein Kommentar ist dann dein Beitrag, der Eintrag war der Anlass. Das ist auch rechtlich der sauberste Weg: eigener Gedanke, fremder Beleg.
Deine Daten
Was du liest, verrät viel über dich. Wer bestimmte politische oder religiöse Feeds abonniert, legt womöglich seine Haltung offen. Deshalb bleiben deine Abos privat: nicht auf deinem Profil, in keiner Liste, für niemanden einsehbar.
Ein Like ist etwas anderes. Das ist eine bewusste Geste nach außen, und deshalb zählt und zeigt vutuv sie wie bei jedem anderen Beitrag auch. Die Trennlinie: Was du liest, ist deine Sache. Was du gut findest, sagst du selbst.
vutuv holt jeden Feed einmal für alle Leser gemeinsam. Der Betreiber der Seite erfährt weder deine IP-Adresse noch, wie viele mitlesen. Und weil es keine Bilder gibt, lädt dein Browser nichts von dessen Servern nach.
Was meint ihr dazu?
Gedanken, Vorschläge, Kritik oder ein Like. Wenn das Echo dünn ausfällt, spare ich mir die Arbeit, und das ist auch ein Ergebnis.
Hi,
Ich persönlich bin 96er Jahrgang und an mir sind RSS Feeds vorbei gegangen und ich hatte nur über Podcasts Kontakt dazu. Ich würde es ganz praktisch finden, wenn ich hier Podcast Releases sehen und mit denen interagieren könnte, aber leider mehr auch nicht. Ich habe meine Podcast App die mich immer auf neue Folgen hinweist und das reicht mir eigentlich.
Danke für den Aufschlag, wäre von meiner Seite aus nicht wichtig.
Ich möchte es aber auch für andere nicht verbauen.
Das ist doch eine prima Idee, es heißt ja nicht umsonst auch Content-Syndication. Ich stelle meine News als RSS-Feed zur Verfügung und lese auch Feeds ein, die andere produzieren, etwa T3N oder Computerwoche. Natürlich nicht die ganzen Texte, sondern einen Teaser, versehen mit einem “Weiterlesen”-Link. So hat jeder was davon. Allerdings kann es nicht schaden, wenn man mit den Leuten vorher mal redet… ;-)
Mit jedem Menschen oder mit jeder Firma hinter jedem RSS-Feed zu sprechen skaliert nicht wirklich. Das kann ich nicht leisten. Ich muss eine Lösung generieren, die ein Win-Win-Situation darstellt und jedem etwas bringt.
Puh, das wäre mir zu viel des Guten. Es gibt viele, sogar sehr viele spezialisierte Programme, die Feeds einlesen und verwalten (ich nutze FreshRSS).
Einen Feedreader mit vutuv nachzubauen, halte ich daher für falsch, weil Du vermutlich fast immer funktionale Kompromisse eingehen musst.
Mir wäre der umgekehrte Weg wichtiger: Mein Profil bzw. meine Postings als Feed abonnieren zu können oder einen Eintrag aus dem Feedreader via vutuv zu teilen.
Mir wäre der umgekehrte Weg wichtiger: Mein Profil bzw. meine Postings als Feed abonnieren zu können oder einen Eintrag aus dem Feedreader via vutuv zu teilen.
Es gibt ja in vutuv schon Exporte für Markdown, Text, JSON, XML und vCard. RSS wäre überhaupt kein Problem. Ich wollte es auch schon einbauen. Aber dann wäre der Inhalt deines Feeds öffentlich für alle abrufbar. IMO gibt es kaum RSS Reader, die eine Authentifikation beim Server ermöglichen. Für das Problem habe ich noch keine Lösung gefunden.
Nicht böse gemeint, aber manchmal frage ich mich, wo du mit vutuv überhaupt hinwillst. Ich habe ein bisschen das Gefühl, es soll eine eierlegende Wollmilchsau (“the everything app”) daraus werden. Also Inhalte von vutuv per RSS abrufen, okay, aber Proxy für andere Seiten für irgendwelche Inhalte spielen, das ist doch schon ein bisschen sehr random und wäre wahrscheinlich in einer separaten App besser aufgehoben.
Für mich ist das funktional von der Logik ähnlich dem Anschluss ans Fediverse. Nur halt ein anderes Protokoll und man kann nicht antworten.
Und, ganz wichtig: Es muss nicht jeder benutzen. Wie beim Fediverse-Anschluss. Wer mag benutzt es und wer es nicht mag, der lässt es. Keine Seite hat einen Nachteil.
Perfekt wäre natürlich, wenn eine Tagesschau und ein Heise direkt eigene vutuv Accounts hätten. Damit wäre RSS unnötig.
Aktuell teste ich die Wassertemperatur. Wenn es hoch auf meiner Prioliste wäre, dann hätte ich es schon fertig gemacht.