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Ein Wohnortwechsel verändert das Leben schon, bevor der Umzug stattfindet. 💡

Im Rahmen unseres Forschungsprojekts CoRegion waren @ulrich_baehr und ich gestern im mecklenburgischen Grabow. In einem Workshop haben wir gemeinsam mit den Teilnehmenden die Zeit zwischen der Entscheidung wegzuziehen und dem Ankommen am neuen Wohnort erkundet. Sie haben Erinnerungen zusammengetragen, von prägenden Begegnungen und wichtigen Entscheidungen erzählt und die emotionalen Höhen und Tiefen ihres Weges sichtbar gemacht. 📦

Dabei wurde deutlich: Zwischen der Entscheidung zu gehen und dem Einzug liegt eine Art „Zwischenleben“. 🙃

Die alte Lebenswelt ist noch da, doch die Beziehung zu ihr verändert sich bereits. Vertraute Orte, Routinen und Beziehungen stehen zunehmend im Zeichen eines möglichen Abschieds. Gleichzeitig nimmt eine mögliche neue Lebenswelt Gestalt an: bei der Wohnortsuche, in Kaufverhandlungen, in persönlichen Hoffnungen und ersten Begegnungen. Einzelne Schritte werden konkret, während der künftige Alltag noch offenbleibt. 🤯

Es entsteht eine Transitexistenz zwischen zwei Lebenswelten: Die alte bestimmt noch den Alltag, die mögliche neue prägt bereits Entscheidungen und Erwartungen. Mit der Vorbereitung des Umzugs stellen sich deshalb auch Fragen nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Zukunft. Vorfreude und Zweifel, Verlust und Aufbruch liegen eng beieinander. 😵‍💫

Wer Wohnortwechsel begleiten oder Menschen dazu ermutigen möchte, sollte diesem Zwischenleben Aufmerksamkeit schenken. Was lässt einen anderen Lebensort als reale Möglichkeit erscheinen? Welche Begegnungen geben Halt, wenn Vertrautes infrage steht und Neues noch ungewiss ist? Und was hilft Menschen, aus der Vorstellung eines anderen Lebens einen konkreten nächsten Schritt zu machen? 🤔

Tobias Kremkau @kremkau machteburch.social

Was bringt Menschen dazu, aus der Großstadt raus zu ziehen? Und wann wird daraus ein Zuhause? Darüber haben mein Kollege Uli und ich heute mit Zugezogenen in Grabow gesprochen. Mich faszinieren ihre ganz unterschiedlichen Geschichten, voller Zufälle, Herausforderungen und persönlicher Entscheidungen. Wieder einmal zeigt sich: Wer verstehen will, was einen Ort lebenswert macht und Menschen zum Bleiben bewegt, sollte zunächst den Menschen zuhören, die dort leben. ☺️

Vier Personen stehen vor einer großflächigen, an der Wand befestigten Papierbahn. Darauf sind zahlreiche bunte Haftnotizen in Gelb, Orange, Grün und Lila entlang einer handgezeichneten Zeitachse angeordnet. Eine Person zeigt auf einzelne Notizen, während die anderen aufmerksam zuhören und die Ergebnisse betrachten. Die Szene entstand während eines Workshops zu den Zuzugsgeschichten in Grabow.

Was hilft Menschen, an einem neuen Ort anzukommen – und sich irgendwann zugehörig zu fühlen?

Diese Frage beschäftigt mich gerade in einem beruflichen Projekt, auch aus der eigenen Erfahrung unseres Ankommens in Stendal heraus. Dabei richtet sich mein Blick auf sogenannte Touchpoints: Anknüpfungspunkte, die Orientierung geben und Beziehungen ermöglichen. Das kann eine ansprechbare Person sein, ein gemeinsamer Arbeitsplatz, eine Einladung zum nächsten Treffen oder die Gelegenheit, eine eigene Idee einzubringen.

Entscheidend scheint mir, was aus einem ersten Kontakt entstehen kann: Wer stellt mich anderen vor? Wo werde ich wiedererkannt? Wo kann ich mitgestalten?

Für uns waren Andrea und ihr Stendaler Café Lavanderia ein solcher Anknüpfungspunkt. Dort lernte ich Carla kennen, deren Nachmieter wir Jahre später wurden. Carla brachte uns mit Peggy zusammen, die uns zu unserer ersten Silvesterparty in Stendal einlud. Peggy erzählte uns wiederum von einer Familie, die auf den benachbarten Hof gezogen war. So lernte ich Miriam kennen – und aus unseren beiden Familien wurden Freunde.

Ankommen besteht offenbar auch aus solchen Verkettungen: Aus einer Begegnung entsteht eine Einladung, daraus ein weiterer Kontakt und irgendwann eine vertraute Beziehung. Dafür braucht es Menschen, die Türen öffnen und andere miteinander verbinden. Diese oft unscheinbare Arbeit verdient mehr Aufmerksamkeit, wenn wir darüber sprechen, wie Orte einladend werden und Gemeinschaft wachsen kann.

Unsere Geschichte zeigt mir allerdings auch: Selbst innerhalb einer Familie gelingt das Ankommen nicht allen gleichermaßen. Meine Frau und ich haben unterschiedlich gut Anschluss gefunden. Auch diesen Aspekt möchte ich in meiner Untersuchung genauer betrachten. Denn hier vermute ich einen blinden Fleck in der Debatte um die Gewinnung von Fachkräften: Wir richten viel Aufmerksamkeit auf die Person, die eine Stelle antritt. Welche Beziehungen, Perspektiven und Möglichkeiten zur Mitgestaltung ihre Partner*innen und Kinder brauchen, gerät dabei leicht aus dem Blick. Dabei kann gerade das mitentscheiden, ob aus einem beruflichen Wechsel ein gemeinsames Zuhause wird.

Welche Begegnung hat euch einmal das Gefühl gegeben, an einem neuen Ort angekommen zu sein?

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