Tobias Kremkau
Landeskoordinator der CoWorkLand eG für Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Sachsen. Ich berate zu Coworking und MehrWertOrte in ländlichen Räumen.
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Ein Wohnortwechsel verändert das Leben schon, bevor der Umzug stattfindet. 💡
Im Rahmen unseres Forschungsprojekts CoRegion waren @ulrich_baehr und ich gestern im mecklenburgischen Grabow. In einem Workshop haben wir gemeinsam mit den Teilnehmenden die Zeit zwischen der Entscheidung wegzuziehen und dem Ankommen am neuen Wohnort erkundet. Sie haben Erinnerungen zusammengetragen, von prägenden Begegnungen und wichtigen Entscheidungen erzählt und die emotionalen Höhen und Tiefen ihres Weges sichtbar gemacht. 📦
Dabei wurde deutlich: Zwischen der Entscheidung zu gehen und dem Einzug liegt eine Art „Zwischenleben“. 🙃
Die alte Lebenswelt ist noch da, doch die Beziehung zu ihr verändert sich bereits. Vertraute Orte, Routinen und Beziehungen stehen zunehmend im Zeichen eines möglichen Abschieds. Gleichzeitig nimmt eine mögliche neue Lebenswelt Gestalt an: bei der Wohnortsuche, in Kaufverhandlungen, in persönlichen Hoffnungen und ersten Begegnungen. Einzelne Schritte werden konkret, während der künftige Alltag noch offenbleibt. 🤯
Es entsteht eine Transitexistenz zwischen zwei Lebenswelten: Die alte bestimmt noch den Alltag, die mögliche neue prägt bereits Entscheidungen und Erwartungen. Mit der Vorbereitung des Umzugs stellen sich deshalb auch Fragen nach Zugehörigkeit, Sicherheit und Zukunft. Vorfreude und Zweifel, Verlust und Aufbruch liegen eng beieinander. 😵💫
Wer Wohnortwechsel begleiten oder Menschen dazu ermutigen möchte, sollte diesem Zwischenleben Aufmerksamkeit schenken. Was lässt einen anderen Lebensort als reale Möglichkeit erscheinen? Welche Begegnungen geben Halt, wenn Vertrautes infrage steht und Neues noch ungewiss ist? Und was hilft Menschen, aus der Vorstellung eines anderen Lebens einen konkreten nächsten Schritt zu machen? 🤔
Mit La Mouette Rieuse habe ich vor ein paar Tagen im Pariser Marais einen dieser Orte entdeckt, die mich auf Anhieb begeistern. Auf mehreren Etagen verbindet das Haus eine Buchhandlung mit einem Café, Kunst, Design und Möglichkeiten zum Coworking. Besonders beeindruckt hat mich die Atmosphäre: offen, einladend und voller kleiner Details, die zum Verweilen und Entdecken einladen. ☺️
Das Foto zeigt die Gartenseite des Gebäudes, die einen ganz eigenen Charme besitzt. Für mich ist La Mouette Rieuse ein wunderbares Beispiel dafür, wie aus einer klassischen Buchhandlung ein lebendiger MehrWertOrt werden kann. Einer, an dem es nicht allein darum geht, Bücher zu verkaufen, sondern Menschen zusammenzubringen und ihnen Raum zu geben. 🤔
Solche Orte braucht jede Stadt. Und ich würde mir wünschen, dass wir auch in Deutschland häufiger den Mut hätten, sie zu schaffen. 🙃
Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, ob und wie ein Karrierenetzwerk eigentlich etwas für Coworking Spaces und deren Mitglieder tun könnte. Schwierige Frage, dachte ich. 🤔
Mein erster Gedanke: Bitte kein weiteres Buchungssystem. Davon gibt es genug. ✋
Interessanter finde ich eine andere Frage: Berufliche Netzwerke wissen ziemlich viel darüber, mit wem und manchmal auch woran wir arbeiten – aber erstaunlich wenig darüber, von wo aus wir arbeiten. 🫤
Dabei ist genau das eine Stärke von Coworking: ortsunabhängig arbeiten zu können – und dafür Orte zu wählen, die zu den eigenen Bedürfnissen passen. Ein guter Coworking Space ist schließlich nicht einfach ein Ort, an dem ich einen Schreibtisch buche. Er ist ein sozialer Knotenpunkt, an dem Menschen, Kompetenzen und Ideen aufeinandertreffen. 🕸️
Was wäre also, wenn ich in einem beruflichen Netzwerk sichtbar machen könnte: Heute arbeite ich von hier. Und wenn ich vor einer Reise nicht nur sehen könnte, wo es einen Arbeitsplatz gibt, sondern auch, welche Menschen und Kompetenzen ich dort antreffen kann? 🗺️
Vermutlich würden sich so Menschen begegnen, die eine gewisse Haltung zum Arbeiten teilen, aber aus ganz unterschiedlichen Branchen und Professionen kommen. Das klingt für mich nach ziemlich viel Potenzial für jene Serendipitätsmomente, die Coworking so wertvoll machen können. 🎯
Dann wäre die Frage nicht mehr nur: Wo kann ich arbeiten? Sondern: Wo kann ich arbeiten – und wem könnte ich dort begegnen? 🙃
Vielleicht braucht die Coworking-Szene also gar nicht noch mehr digitale Verwaltung von Arbeitsplätzen, sondern eine bessere Verbindung von Menschen, Kompetenzen und Orten. 🔗
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