Posts by Tobias Kremkau
Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, ob und wie ein Karrierenetzwerk eigentlich etwas für Coworking Spaces und deren Mitglieder tun könnte. Schwierige Frage, dachte ich. 🤔
Mein erster Gedanke: Bitte kein weiteres Buchungssystem. Davon gibt es genug. ✋
Interessanter finde ich eine andere Frage: Berufliche Netzwerke wissen ziemlich viel darüber, mit wem und manchmal auch woran wir arbeiten – aber erstaunlich wenig darüber, von wo aus wir arbeiten. 🫤
Dabei ist genau das eine Stärke von Coworking: ortsunabhängig arbeiten zu können – und dafür Orte zu wählen, die zu den eigenen Bedürfnissen passen. Ein guter Coworking Space ist schließlich nicht einfach ein Ort, an dem ich einen Schreibtisch buche. Er ist ein sozialer Knotenpunkt, an dem Menschen, Kompetenzen und Ideen aufeinandertreffen. 🕸️
Was wäre also, wenn ich in einem beruflichen Netzwerk sichtbar machen könnte: Heute arbeite ich von hier. Und wenn ich vor einer Reise nicht nur sehen könnte, wo es einen Arbeitsplatz gibt, sondern auch, welche Menschen und Kompetenzen ich dort antreffen kann? 🗺️
Vermutlich würden sich so Menschen begegnen, die eine gewisse Haltung zum Arbeiten teilen, aber aus ganz unterschiedlichen Branchen und Professionen kommen. Das klingt für mich nach ziemlich viel Potenzial für jene Serendipitätsmomente, die Coworking so wertvoll machen können. 🎯
Dann wäre die Frage nicht mehr nur: Wo kann ich arbeiten? Sondern: Wo kann ich arbeiten – und wem könnte ich dort begegnen? 🙃
Vielleicht braucht die Coworking-Szene also gar nicht noch mehr digitale Verwaltung von Arbeitsplätzen, sondern eine bessere Verbindung von Menschen, Kompetenzen und Orten. 🔗
Was hilft Menschen, an einem neuen Ort anzukommen – und sich irgendwann zugehörig zu fühlen?
Diese Frage beschäftigt mich gerade in einem beruflichen Projekt, auch aus der eigenen Erfahrung unseres Ankommens in Stendal heraus. Dabei richtet sich mein Blick auf sogenannte Touchpoints: Anknüpfungspunkte, die Orientierung geben und Beziehungen ermöglichen. Das kann eine ansprechbare Person sein, ein gemeinsamer Arbeitsplatz, eine Einladung zum nächsten Treffen oder die Gelegenheit, eine eigene Idee einzubringen.
Entscheidend scheint mir, was aus einem ersten Kontakt entstehen kann: Wer stellt mich anderen vor? Wo werde ich wiedererkannt? Wo kann ich mitgestalten?
Für uns waren Andrea und ihr Stendaler Café Lavanderia ein solcher Anknüpfungspunkt. Dort lernte ich Carla kennen, deren Nachmieter wir Jahre später wurden. Carla brachte uns mit Peggy zusammen, die uns zu unserer ersten Silvesterparty in Stendal einlud. Peggy erzählte uns wiederum von einer Familie, die auf den benachbarten Hof gezogen war. So lernte ich Miriam kennen – und aus unseren beiden Familien wurden Freunde.
Ankommen besteht offenbar auch aus solchen Verkettungen: Aus einer Begegnung entsteht eine Einladung, daraus ein weiterer Kontakt und irgendwann eine vertraute Beziehung. Dafür braucht es Menschen, die Türen öffnen und andere miteinander verbinden. Diese oft unscheinbare Arbeit verdient mehr Aufmerksamkeit, wenn wir darüber sprechen, wie Orte einladend werden und Gemeinschaft wachsen kann.
Unsere Geschichte zeigt mir allerdings auch: Selbst innerhalb einer Familie gelingt das Ankommen nicht allen gleichermaßen. Meine Frau und ich haben unterschiedlich gut Anschluss gefunden. Auch diesen Aspekt möchte ich in meiner Untersuchung genauer betrachten. Denn hier vermute ich einen blinden Fleck in der Debatte um die Gewinnung von Fachkräften: Wir richten viel Aufmerksamkeit auf die Person, die eine Stelle antritt. Welche Beziehungen, Perspektiven und Möglichkeiten zur Mitgestaltung ihre Partner*innen und Kinder brauchen, gerät dabei leicht aus dem Blick. Dabei kann gerade das mitentscheiden, ob aus einem beruflichen Wechsel ein gemeinsames Zuhause wird.
Welche Begegnung hat euch einmal das Gefühl gegeben, an einem neuen Ort angekommen zu sein?
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Kennst Du das Buch „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet.“ von Jana Hensel?
Falls ja: Was hält Du davon?
Selten so polarisierte Meinungen zu einem Buch gehört wie über das.
Das kann ich bestätigen: Auch ich höre dazu sehr gegensätzliche Einschätzungen. Das Buch selbst habe ich noch nicht gelesen, war aber im März aus Neugier bei einer Lesung von Jana Hensel. Sowohl die vorgelesenen Passagen als auch ihre Aussagen im Gespräch mit der Moderatorin und dem Publikum habe ich als differenziert und nachvollziehbar empfunden. Sobald ich das Buch gelesen habe, melde ich mich gerne noch einmal bei dir. Hast du es schon gelesen?
Nein. Die Ost-Berliner Oberbürgermeister wurden faktisch von der SED-Führung bestimmt und anschließend von der Stadtverordnetenversammlung lediglich formal ins Amt gewählt. Auch diese Stadtverordnetenversammlung ging nicht aus freien und konkurrierenden Wahlen hervor: Zur Wahl standen die Einheitslisten der sogenannten „Nationalen Front“, für oder gegen die die Bürgerinnen und Bürger stimmen konnten – eine echte politische Auswahl gab es nicht. Selbst diese ohnehin undemokratischen Wahlen wurden zudem systematisch manipuliert und ihre Ergebnisse gefälscht.
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Interessanter Ansatz.
Gab es im ehemaligen Ostberlin eine Art Bürgermeister?
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Ja, die gab es, aber anders als wir dieses Amt heute kennen. Ost-Berliner Oberbürgermeister waren weniger kommunale Stadtoberhäupter als Funktionäre innerhalb des zentralistischen DDR-Staatsapparats. Sie waren faktisch stärker der SED- und Staatsführung verpflichtet als dem gewählten Berliner Stadtparlament; seit 1976 gehörten sie sogar dem Ministerrat der DDR an.
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Sollte die Linkspartei 2026 tatsächlich wieder Regierungsverantwortung in Berlin übernehmen – womöglich erstmals mit einer Regierenden Bürgermeisterin –, hätte das für mich etwas von einem politischen Full-Circle-Moment.
Vielleicht zeigt sich darin auch, dass die lange Nach-Kalte-Krieg-Phase der deutschen Politik tatsächlich zu Ende geht. Natürlich gehört die SED über die PDS zur Geschichte der heutigen Linkspartei; diese Traditionslinie lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber wer die Linke des Jahres 2026 noch immer wesentlich aus der SED des Jahres 1989 erklären will, beschreibt eine politische Gegenwart mit den Kategorien einer untergegangenen Welt.
Gerade deshalb wirkt auf mich weniger der Wahlsieg der Linken anachronistisch als manche Empörung darüber – nicht zuletzt in jener kapitalstarken Bubble auf LinkedIn, die plötzlich wieder erstaunlich tief in den Schützengräben des Kalten Krieges sitzt.
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““So you had money to send me to one of the best schools, and you chose not to?” she said, hurling her words. “Because other kids are disadvantaged, you didn’t want to put me in a great school?”
Najya was asking what I’d accomplished by not choosing the “best” school for her. And the honest answer is, I don’t know. When it comes to the choices my husband and I have made about public education, these days I feel that I failed both my values and my child.”
““So you had money to send me to one of the best schools, and you chose not to?” she said, hurling her words. “Because other kids are disadvantaged, you didn’t want to put me in a great school?”
Najya was asking what I’d accomplished by not choosing the “best” school for her. And the honest answer is, I don’t know. When it comes to the choices my husband and I have made about public education, these days I feel that I failed both my values and my child.”
Diese Passage trifft einen Konflikt, der mich gerade selbst beschäftigt. Ich denke darüber nach, Sachsen-Anhalt aufgrund der Landtagswahl zu verlassen, weil ich meinen Kindern möglichst gute Bedingungen für ihr Aufwachsen und ihren Bildungsweg ermöglichen möchte. Gleichzeitig liegt mir dieses Bundesland am Herzen. Ich möchte mich hier einbringen und dazu beitragen, dass sich etwas verändert.
Aber wie viel von dieser Hoffnung darf ich meinen Kindern zumuten? Sie haben sich weder unseren Wohnort noch meine gesellschaftlichen Überzeugungen ausgesucht. Ich kann von ihnen nicht selbstverständlich erwarten, die möglichen Nachteile einer Entscheidung mitzutragen, die ich aus diesen Überzeugungen heraus treffe.
Wegzuziehen würde sich für mich auch wie ein Rückzug anfühlen. Zu bleiben müsste ich aber ebenso verantworten können. Ich weiß noch nicht, wie ich diesen Widerspruch auflöse. Die Frage, ob ich eines Tages erklären müsste, warum ich trotz anderer Möglichkeiten geblieben bin, lässt mich jedenfalls nicht los.
Und wenn wir bleiben, stellt sich gleich die nächste Frage: öffentliche Schule oder Privatschule? Die öffentliche Schule entspricht meinem Verständnis von Bildung und gesellschaftlicher Verantwortung. Die private scheint mir unter den konkreten Bedingungen womöglich das bessere Umfeld für meine Kinder zu bieten.
Es überrascht mich immer wieder, wie sehr die Verantwortung für die eigenen Kinder Überzeugungen ins Wanken bringen kann, die zuvor selbstverständlich schienen. Meine Prinzipien sind mir weiterhin wichtig. Aber ich frage mich, welchen Preis ich bereit wäre, meine Kinder dafür zahlen zu lassen.
Ich kenne @doschu nicht, aber sie hat gerade ein neues Profil angelegt und sich darin als “Mentorin für Digitale Leichtigkeit” beschrieben. Finde ich spannend. Sonst hat das Digitale ja oft etwas Schweres und Problematisches.
Jetzt hoffe ich Mal, dass das nicht eine Sekte oder so was ist. 😉
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Ich kenne @doschu seit über zehn Jahren als sehr engagiertes Mitglied der Coworking-Szene. Besonders schätze ich ihre herzliche Leichtigkeit im Umgang mit Menschen, mit der sie Begegnungen angenehm und unkompliziert macht. Für mich zeigt sich darin ihre rheinische Seele, die sie sich bei aller Weltläufigkeit bewahrt hat. ❤️
Mensch, du startest die Woche aber mit einem tiefgründigen Thema.
Gedanken dazu: Die kleinste Gemeinschaft ist eine Familie. Es gibt (leider) genügend Familien, die keinen festen Wohnort haben, weil sie z.B. auf der Flucht sind. Trotzdem bilden sie eine feste Gemeinschaft. Ein spannender Aspekt bei der Familie ist dabei, dass die Gemeinschaft dort quasi genetisch fest verdrahtet ist. Im Gegensatz zu Freunden sucht man sich die Familie ja nicht aus.
PS: Ich frage mich ja, wem die Domain gemeinschaft.de gehört. 😉
Da sprichst du einen Punkt an, den ich bei meiner Frage nach den Prozessen bisher zu wenig berücksichtigt habe. Denn an Familien denke ich selbstverständlich nicht.
Der Soziologe Ferdinand Tönnies unterscheidet zwischen Gemeinschaft (“community”), die auf persönlicher Verbundenheit, Verwandtschaft oder geteilten Überzeugungen beruht, und Gesellschaft (“society”), in der Menschen vor allem über Interessen und den gegenseitigen Nutzen miteinander verbunden sind.
Ich frage mich deshalb häufig, ob das, was wir in Coworking-Spaces oder Projekten als „Gemeinschaft“ bezeichnen, zunächst stärker durch gemeinsame Interessen und den Nutzen der Zusammenarbeit geprägt ist. Mit Tönnies ließe sich daher fragen, welche gemeinschaftlichen und welche gesellschaftlichen Beziehungen einen solchen Ort prägen – und wie sie sich im gemeinsamen Tun entwickeln.
Letzte Woche hörte ich die Folge des Podcasts „Die sogenannte Gegenwart“ über Postliberalismus und wurde dabei auf die Arbeiten von Stefan Borg und Jon Elster aufmerksam. Aus der Debatte nahm ich eine Frage für meine tägliche Arbeit mit: Lässt sich Gemeinschaft gezielt herstellen, oder entsteht sie vor allem dadurch, dass Menschen gemeinsam etwas tun? Anschließend las ich Stefan Borgs Essay In search of the common good: The postliberal project Left and Right, in dem er unterschiedliche Vorstellungen von Gemeinschaft und Gemeinwohl untersucht.
Für meine Arbeit leite ich daraus ab: MehrWertOrte sollten Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Vorstellungen die Möglichkeit geben, gemeinsam tätig zu werden, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen. Eine gefestigte Gemeinschaft muss dafür nicht schon vor Beginn der Ortsentwicklung bestehen. Bereits der gemeinsame Aufbau kann Menschen verbinden. Entscheidend ist, dass ihre Bedürfnisse und ihre Möglichkeiten zur Mitgestaltung den Prozess von Anfang an prägen.
Welche Erfahrungen habt ihr gemacht: Braucht es zuerst eine Gemeinschaft, um einen Ort zu entwickeln – oder wächst sie gerade dadurch, dass Menschen gemeinsam anfangen?
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Das ist ja eine spannende Idee! Also CoWork Land. Und Wahnsinn, wie viele Standorte ihr schon habt.
PS: Du kannst dafür eine eigene Organisation in vutuv anlegen.
Danke! Ja, ich habe bereits gesehen, dass sich auch Organisationen anlegen lassen. Gestern Abend war es dafür dann doch etwas zu spät, aber ich hole das noch nach.
Hallo Vutuv! 👋
Ich bin Tobias Kremkau, arbeite für die CoWorkLand eG und beschäftige mich vor allem mit der Frage, wie wir gutes Arbeiten und gutes Leben in ländlichen Räumen miteinander verbinden können.
Mich interessieren Coworking und neue Arbeitsorte, Regionalentwicklung, soziale Innovation und lebendige Gemeinschaften – und ganz grundsätzlich die Frage, wie wir MehrWertOrte schaffen, an denen Menschen gerne leben, arbeiten und Verantwortung übernehmen.
Berufliche Netzwerke finde ich besonders dann spannend, wenn sie tatsächlich Netzwerke sind: Orte für Austausch, neue Gedanken, Widerspruch, gegenseitige Unterstützung und unerwartete Verbindungen – und nicht nur Bühnen für Selbstvermarktung und Reichweitenoptimierung.
Deshalb bin ich neugierig auf Vutuv.
Mal sehen, welche Menschen und Ideen mir hier begegnen. Und weil ein Netzwerk vom Vernetzen lebt: Sagt gerne Hallo. 👋
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