Eine Amöbe, die 63 Grad aushÀlt
Hitze ist fĂŒr Zellen eine enorme Herausforderung. Proteine verlieren ihre Struktur, Membranen verĂ€ndern sich und auch die DNA kann Schaden nehmen.
WĂ€hrend einige Bakterien und Archaeen extreme Temperaturen aushalten, lag die bekannte Obergrenze fĂŒr Wachstum und Vermehrung bei Eukaryoten, also Lebewesen mit Zellkern, bislang bei etwa 60 °C.
Ein Forschungsteam hat nun eine bislang unbekannte Amöbe aus einem heiĂen geothermischen Bach im Lassen Volcanic National Park in Kalifornien isoliert.
Incendiamoeba cascadensis wĂ€chst am besten bei 55 bis 57 °C und vermehrt sich selbst bei 63 °C noch. Die Forschenden konnten die Zellteilung bei dieser Temperatur direkt beobachten. Erst bei 64 °C war kein Wachstum mehr nachweisbar. Damit liegt die nachgewiesene Obergrenze fĂŒr die Vermehrung eines Eukaryoten nun bei 63 °C.
Bei hohen Temperaturen aktiviert die Amöbe verstÀrkt Systeme, die Proteine stabil halten, DNA-SchÀden reparieren und den Transport innerhalb der Zelle organisieren. Auch ihre Proteine selbst scheinen besonders hitzestabil zu sein.
Einige ihrer Eigenschaften Àhneln denen hitzeangepasster Bakterien und Archaeen. Unterschiedliche Organismengruppen könnten also Àhnliche Lösungen entwickelt haben, um ihre Zellen bei extremer Hitze funktionsfÀhig zu halten.
Besonders interessant ist diese Amöbe aber auch fĂŒr die Biotechnologie. Enzyme, die auch bei hohen Temperaturen zuverlĂ€ssig funktionieren, können beispielsweise fĂŒr industrielle Produktionsprozesse interessant sein. Da können ein paar Grad schon was ausmachen.
Solche hitzestabilen Enzyme werden etwa bei der Herstellung von Lebensmitteln oder Biokraftstoffen eingesetzt, wenn Ausgangsstoffe bei hohen Temperaturen aufgeschlossen und umgewandelt werden.
Quelle
Rappaport et al., 2026, Cell
doi.org/10.1016/âŠ