Pflanzen aus dem All sehen
Pflanzen nehmen Sonnenlicht auf, um Photosynthese zu betreiben, das sollte jedem bekannt sein. Einen winzigen Teil der aufgenommenen Lichtenergie geben sie jedoch wieder ab.
Diese sogenannte Chlorophyllfluoreszenz ist fĂŒr uns unsichtbar, enthĂ€lt aber wertvolle Informationen darĂŒber, wie aktiv die Photosynthese gerade ablĂ€uft. GerĂ€t eine Pflanze beispielsweise durch Hitze oder Trockenheit unter Stress, kann sich dieses Lichtsignal verĂ€ndern.
Genau diese Fluoreszenz soll die neue Erdbeobachtungsmission FLEX der EuropĂ€ischen Weltraumorganisation ESA weltweit vermessen. Der Satellit soll am 15. September starten und trĂ€gt dafĂŒr das Spektrometer FLORIS an Bord.
FLORIS zerlegt das von der Erde eintreffende Licht in verschiedene WellenlÀngen und soll darin die sehr schwachen Fluoreszenzsignale der Vegetation erfassen. Auf diese Weise sollen globale Karten entstehen, die zeigen, wie aktiv Pflanzen Photosynthese betreiben und wo Vegetation unter Stress steht.
Damit das ĂŒberhaupt funktioniert, ist enorme technische PrĂ€zision nötig. Forschende des Fraunhofer-Instituts fĂŒr Angewandte Optik und Feinmechanik in Jena haben dafĂŒr unter anderem eine spezielle Doppelspalt-Baugruppe entwickelt.
Ihre beiden jeweils gut vier Zentimeter langen Schlitze sind nur 85 Mikrometer breit und dĂŒrfen davon höchstens um einen Mikrometer abweichen. Schon gröĂere Abweichungen wĂŒrden dazu fĂŒhren, dass zu viel oder zu wenig Licht auf den Detektor gelangt und die Messungen ungenauer werden.
Zwei ebenfalls in Jena gefertigte Spiegel besitzen eine OberflÀchenrauheit von lediglich 0,3 Nanometern, was ungefÀhr dem Abstand von ein bis zwei Atomen entspricht. Nur mit einer derart prÀzisen Optik lÀsst sich das schwache Signal zuverlÀssig analysieren.
Die Daten von FLEX könnten helfen, die flĂ€chige Reaktion von Vegetation auf Trockenheit, Hitze und weitere Belastungen groĂrĂ€umig zu verfolgen. FĂŒr die Klima- und Vegetationsforschung eröffnet das einen besonderen Blick auf die Erde als Ganzes.
Weitere Informationen:
iof.fraunhofer.de/de/âŠ