Was braucht ein Nutztier für ein gutes Leben?
Heute ist Welttag der Nutztiere. Ein guter Anlass für die Frage, woran wir eigentlich erkennen, ob es einem Nutztier gut geht.
Gesundheit und eine ausreichende Versorgung gehören natürlich dazu. In der Tierwohlforschung spielen inzwischen aber ebenso Sozialkontakte, natürliches Verhalten und die Haltungsumgebung eine wichtige Rolle. Dazu hatten wir hier neulich schon mal einen Beitrag.
Wie komplex das werden kann, zeigt die kuhgebundene Kälberaufzucht. Anders als in der üblichen Milchviehhaltung bleiben Kälber dabei zunächst bei ihrer Mutter oder einer Ammenkuh und können direkt am Euter trinken.
Kuh und Kalb können so ihr natürliches Verhalten ausleben. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen. Beispielsweise lässt sich schlechter kontrollieren, wie viel Milch ein Kalb tatsächlich aufnimmt, und auch die spätere Trennung kann für die Tiere belastend sein.
Forschende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (Anmerkung siehe unten) schauen deshalb genauer hin, was Kuh und Kalb tatsächlich brauchen.
Im Projekt KuKIndiTM beobachteten sie zum Beispiel, wie viel Kontakt die Tiere miteinander haben, wie aktiv die Kälber sind und wie sie sich entwickeln. Sensoren halfen dabei, Bewegungen und Aktivitäten über längere Zeit zu verfolgen.
Gleichzeitig geht es aber auch um die Menschen, die ein solches Haltungssystem im Alltag umsetzen müssen. In weiteren Projekten untersucht die Hochschule deshalb auch, wie sich mehr Tierwohl mit Vermarktung, regionalen Kreisläufen und einer wirtschaftlich tragfähigen Landwirtschaft verbinden lässt. Denn eine gute Idee für mehr Tierwohl muss am Ende auch auf dem Bauernhof funktionieren.
Wie wir Nutztiere halten, ist letztlich also nicht nur eine wissenschaftliche Frage. Welche Bedürfnisse wir ihnen zugestehen und welchen Aufwand wir für ihr Wohlergehen akzeptieren, ist auch eine gesellschaftliche Entscheidung, die wir letztlich auch durch unser eigenes Konsumverhalten mitsteuern.
Gleichzeitig müssen die Lösungen für die landwirtschaftlichen Betriebe tatsächlich umsetzbar und vor allen Dingen wirtschaftlich sein.
Quelle: Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Forschungsprojekte
Anmerkung: Die staatliche Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist trotz des gemeinsamen Namens nicht mit der Molkerei Weihenstephan verbunden, sie haben schlicht denselben lokalen Bezug. Die hier vorgestellten Forschungsprojekte werden öffentlich durch das Bayerische Landwirtschaftsministerium gefördert.