Auf Partnersuche durch den Norden
Der Mornellregenpfeifer ist ein Watvogel, der in kargen Bergregionen und Tundren von Nordeuropa bis nach Nordasien brütet.
Schon äußerlich fällt bei ihm eine Besonderheit auf. Anders als bei vielen anderen Vogelarten sind die Weibchen größer und auffälliger gefärbt als die Männchen. Das passt zu einer ungewöhnlichen Rollenverteilung bei der Fortpflanzung.
Die Weibchen balzen und konkurrieren um Partner, legen meist drei Eier und ziehen anschließend häufig weiter. Das Männchen bleibt zurück, brütet das Gelege aus und kümmert sich später allein um die Küken.
Wohin die Weibchen nach der Eiablage verschwinden, war allerdings lange unklar. Ornithologen vermuteten schon länger, dass sie weitere Männchen und damit die Möglichkeit für ein weiteres Gelege suchen.
Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz hat nun 21 Weibchen während der Brutzeit mit kleinen Satellitensendern verfolgt.
Innerhalb der etwa sieben Wochen, in denen die Weibchen gewöhnlich ihre Eier legen, hielten sie sich an bis zu fünf verschiedenen Orten auf.
Meist lagen aufeinanderfolgende Stationen weniger als 100 Kilometer auseinander. Einzelne Tiere legten jedoch erheblich größere Strecken zurück. Ein Weibchen flog zwischen zwei Aufenthaltsorten 973 Kilometer, die größte insgesamt zurückgelegte Distanz betrug sogar 1.343 Kilometer.
Zu Beginn der Saison bewegten sich die Weibchen vor allem nach Norden und könnten dabei der zurückweichenden Schneegrenze zu neu verfügbaren Brutgebieten gefolgt sein. Später wurden die Strecken kürzer.
Ob sie an den verschiedenen Orten tatsächlich weitere Partner finden und erneut Eier legen, können die Satellitendaten allerdings nicht zeigen. Dafür sind Beobachtungen vor Ort nötig.
Dennoch zeigen die Bewegungsdaten, dass vermeintlich getrennte Brutpopulationen über die Weibchen miteinander verbunden sein können, und ein genetischer Austausch über sehr große Gebiete stattfinden kann.
Quelle
Kempenaers et al., 2026, Proceedings of the Royal Society B