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Wissenschaft als Weg

Heute gibt es einen kleinen Exkurs in die Welt der Mikroskopie.

Viele Strukturen im Inneren unserer Zellen sind so klein, dass sie mit gewöhnlichen Lichtmikroskopen nicht voneinander unterschieden werden können.

Eine Möglichkeit, sie dennoch sichtbar zu machen, ist die sogenannte Superauflösungsmikroskopie. Eine aktuelle Studie aus Göttingen zeigt, wie sich diese Technik weiter verbessern lässt.

Dafür markieren Forschende bestimmte Moleküle mit fluoreszierenden Farbstoffen. Diese können unter dem Mikroskop durch Anstrahlung mit Licht einer bestimmten Wellenlänge zum Leuchten gebracht werden. Allerdings liegen die Moleküle oft so dicht beieinander, dass ihre Lichtsignale verschwimmen. Das hilft dann auch nicht wirklich.

Ein internationales Forschungsteam hat nun untersucht, wie sich diese Methode mit einem Farbstoff namens JF635b weiter verbessern lässt. Das Besondere an ihm ist, dass er selbstständig blinkt. Seine Moleküle können spontan ihre Struktur verändern und wechseln dabei zwischen zwei Formen, von denen eine fluoresziert und die andere dunkel bleibt.

Dadurch leuchten nicht alle markierten Moleküle gleichzeitig, sondern immer nur einzelne nach einem zufälligen Muster auf. Ihre Lichtsignale überlagern sich deshalb kaum noch und lassen sich getrennt erfassen.

Aus jedem dieser Signale lässt sich die Position des jeweiligen Farbstoffmoleküls mit hoher Genauigkeit berechnen. Indem die Forschenden Tausende einzelne Aufnahmen machen und die ermittelten Positionen am Computer zusammenfügen, entsteht nach und nach ein hochaufgelöstes Bild der markierten Zellstrukturen.

Die Forschenden konnten damit unter anderem Mikrotubuli besonders präzise abbilden. Das sind feine, röhrenförmige Strukturen aus Proteinen, die einen Teil des Zellskeletts bilden und unter anderem für die Form der Zelle und den Transport von Stoffen innerhalb der Zelle wichtig sind.

Der Vorteil ist, dass dieser Farbstoff auch ohne spezielle chemische Zusätze zuverlässig blinkt. Das macht also nicht nur das Ergebnis besser, sondern vereinfacht auch die Laborarbeit. Außerdem bleiben die markierten Proben lange stabil und können auch nach Monaten erneut untersucht werden.

Die Studie zeigt damit auch eine andere Seite der Forschung. Nicht jede wissenschaftliche Arbeit entdeckt irgendwelche neuen Prinzipien der Natur. Manche verbessern zunächst die Werkzeuge, mit denen solche Entdeckungen überhaupt erst möglich werden.

Quelle Basak et al. (2026), Nano Letters
doi.org/10.1021/…

nano microskop biologie labor fluoreszenz
+4 Less wissenschaft wisskomm unigöttingen anysci
Das Bild zeigt zwei fluoreszenzmikroskopische Aufnahmen von Mikrotubuli im Inneren einer Zelle. Mikrotubuli sind winzige, röhrenförmige Strukturen aus Proteinen, die einen Teil des sogenannten Zellskeletts bilden. Sie tragen sowohl zur Form und Stabilität der Zelle bei, dienen aber auch als Transportwege, entlang derer beispielsweise Zellorganellen und kleine, von Membranen umschlossene Bläschen bewegt werden können.

Beide Aufnahmen zeigen solche Mikrotubuli als blau leuchtende Strukturen vor schwarzem Hintergrund. Links sind überwiegend einzelne, schwache Lichtpunkte zu erkennen. Die feinen Fäden lassen sich nur stellenweise erahnen. Rechts ist dagegen ein dichtes Netzwerk aus zahlreichen klar leuchtenden Linien sichtbar, die sich durch das Zellinnere ziehen und ein dichtes Netz bilden.

Der Unterschied entsteht durch die verwendeten Fluoreszenzfarbstoffe. Links wurde ein herkömmlicher Farbstoff verwendet, der unter den untersuchten Bedingungen nur wenige verwertbare Signale liefert. Rechts kam ein selbstblinkender Farbstoff zum Einsatz, mit dem sich die Positionen der markierten Moleküle zuverlässiger bestimmen lassen. Dadurch wird das Netzwerk der Mikrotubuli viel deutlicher und in guter Schärfe sichtbar. 

Die Abbildung stammt aus der Studie, die am Ende des Haupttextes verlinkt ist.

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