Ein Enzym mit doppeltem Talent
Plastik in der Umwelt wird schnell von Bakterien und anderen Mikroorganismen besiedelt. Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass sie das Material auch abbauen können. DafĂŒr mĂŒssen die langen Polymerketten zunĂ€chst enzymatisch in kleinere Bausteine zerlegt werden.
Forschende der UniversitÀt Konstanz haben nun in Waldboden ein Enzym entdeckt, das genau das bei bestimmten Polyestern kann und noch eine zweite, ziemlich interessante FÀhigkeit besitzt.
Ausgangspunkt waren neuartige langkettige Polyester, sogenannte LCAPs. Die Forschenden gaben sie zu Waldboden und untersuchten ĂŒber Monate, welche Mikroorganismen sich dabei anreicherten und welche Gene bei ihnen besonders hĂ€ufig auftraten.
Unter mehr als 2.600 möglichen Genen fĂŒr plastikabbauende Enzyme stieĂen sie auf einen auffĂ€lligen Kandidaten. Das daraus gebildete Enzym LCPH1 besitzt ein ungewöhnlich weit geöffnetes aktives Zentrum, das im Strukturmodell ein wenig an Pac-Man erinnert.
Im Labor bestĂ€tigte sich seine Funktion. LCPH1 spaltete die untersuchten Polyester tatsĂ€chlich in ihre kleineren Bausteine. Gleichzeitig konnte es aber auch ÎČ-Lactam-Antibiotika wie Penicillin und Ampicillin zerlegen und damit unwirksam machen.
Besonders interessant ist auĂerdem, dass das Enzym vermutlich an der Ă€uĂeren Membran des Bakteriums verankert ist. Dadurch könnte der Kunststoff direkt an der ZelloberflĂ€che zerlegt werden, sodass die entstehenden Bausteine anschlieĂend schnell aufgenommen werden können.
Die Entdeckung zeigt damit nicht nur einen möglichen Weg, wie sich Bakterien an synthetische Polyester als neue Nahrungsquelle anpassen könnten. Die Doppelfunktion verbindet zugleich zwei Forschungsfelder miteinander.
Denn ein Enzym, das sowohl Polyester als auch Antibiotika spaltet, könnte langfristig auch helfen zu verstehen, warum Gene fĂŒr Antibiotikaresistenzen auf plastikbesiedelten OberflĂ€chen besonders hĂ€ufig vorkommen.
Das wÀre ein wirklich spannender evolutionÀrer Zusammenhang. Ob er tatsÀchlich besteht, ist allerdings noch offen und muss weiter untersucht werden.
Quelle
Lerner et al., 2026, The ISME Journal