Post by Werner Musterer
Sollte die Linkspartei 2026 tatsächlich wieder Regierungsverantwortung in Berlin übernehmen – womöglich erstmals mit einer Regierenden Bürgermeisterin –, hätte das für mich etwas von einem politischen Full-Circle-Moment.
Vielleicht zeigt sich darin auch, dass die lange Nach-Kalte-Krieg-Phase der deutschen Politik tatsächlich zu Ende geht. Natürlich gehört die SED über die PDS zur Geschichte der heutigen Linkspartei; diese Traditionslinie lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber wer die Linke des Jahres 2026 noch immer wesentlich aus der SED des Jahres 1989 erklären will, beschreibt eine politische Gegenwart mit den Kategorien einer untergegangenen Welt.
Gerade deshalb wirkt auf mich weniger der Wahlsieg der Linken anachronistisch als manche Empörung darüber – nicht zuletzt in jener kapitalstarken Bubble auf LinkedIn, die plötzlich wieder erstaunlich tief in den Schützengräben des Kalten Krieges sitzt.
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Kennst Du das Buch „Es war einmal ein Land. Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet.“ von Jana Hensel?
Falls ja: Was hält Du davon?
Selten so polarisierte Meinungen zu einem Buch gehört wie über das.
Das kann ich bestätigen: Auch ich höre dazu sehr gegensätzliche Einschätzungen. Das Buch selbst habe ich noch nicht gelesen, war aber im März aus Neugier bei einer Lesung von Jana Hensel. Sowohl die vorgelesenen Passagen als auch ihre Aussagen im Gespräch mit der Moderatorin und dem Publikum habe ich als differenziert und nachvollziehbar empfunden. Sobald ich das Buch gelesen habe, melde ich mich gerne noch einmal bei dir. Hast du es schon gelesen?
Ja, ich habe “Es war einmal ein Land: Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet” und “Zonenkinder” von Jana Hensel gelesen.
Gut schreiben kann sie. Bezüglich des Inhalts fehlt es mir an Know-how und Einblick, um das letzte Buch wirklich bewerten zu können.
Habe »Zonenkinder« auch gelesen und finde es sehr gut. Ich bin als Wessi im niedersächsischen Zonenrandgebiet aufgewachsen. DDR-Fernsehen gehörte bei uns ganz normal zu den 5 vorhandenen TV-Programmen, meine Eltern schauten Unterhaltung (»Kessel Buntes«), ich »Mach mit, mach‘s nach, mach‘s besser« und »Die Olsenbande«. 1986 habe ich zweimal eine Jugendgruppenreise in die DDR mitgemacht (nein, nicht von der DKP organisiert, sondern offiziell von der Jugendpflege unseres Landkreises). Will damit nur sagen, dass ich dadurch eine andere Sichtweise auf die DDR hatte als bei Wessis sonst verbreitet und das »Zonenkinder«-Buch deshalb für ein besseres Verständnis nur empfehlen kann.
Ebenfalls sehr empfehlenswert in dem Zusammenhang, aber deutlich sachlicher aufgesetzt, ist »Lütten Klein« von Steffen Mau. Lütten Klein ist ein Stadtteil von Rostock, in dem Mau aufwächst und Umbruch und Transformation erlebt.
Ich bin in Rheinland-Pfalz aufgewachsen. Wir haben Verwandtschaft auf Rügen. Gefühlt bin ich jedes Jahr einmal mit meiner Mutter dorthin gefahren. Ende 70er und 80er Jahre. Kurz vor Mauerfall zusätzlich eine Woche Klassenfahrt in die Ecke von Erfurt.