Exkurs Geschichte:
“Das bekannteste Beispiel für ein deutsches Ghetto ist die Frankfurter Judengasse, die von 1462 bis 1796 bestand.”
Nachts und sonntags Ausgehverbot. Bis 1796!!!
#Ghetto #jüdischleben #Diskriminierung #kollektivesGedächtnis
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Exkurs Geschichte:
“Das bekannteste Beispiel für ein deutsches Ghetto ist die Frankfurter Judengasse, die von 1462 bis 1796 bestand.”
Nachts und sonntags Ausgehverbot. Bis 1796!!!
#Ghetto #jüdischleben #Diskriminierung #kollektivesGedächtnis
2018 die rechtsextreme AfD-Fraktion im Bundestag fragt nach Schwerbehinderten in Deutschland. Sie will wissen, wie viele Behinderungen durch „Heiraten innerhalb der Familie“ entstehen und wie viele Betroffene einen Migrationshintergrund haben.
Menschen werden gezählt und nach Ursache und Herkunft sortiert.
18 Sozialverbände schalten eine Anzeige. Sie sagen, das erinnere an die dunkelsten Zeiten.
Eine Mutter liest die Nachricht und fragt sich, in welche Spalte ihr Sohn wohl gehört.
Auf der Dienstbesprechung geht ein Zettel rum: Termine, Listen, Kuchenplan. Kleine Schrift, hellgrau auf weiß.
Alle tragen sich ein. Ich kann es nicht lesen.
Ich frage, ob man es mir digital schicken kann. Die Antwort: „Ach, ist doch nur ein Zettel.“
Beim nächsten Fest heißt es: „Der bringt ja nie was mit.“
Ich hätte gerne. Ich wusste nur nicht, wann und was.
Ein Zettel ist kein Problem, außer für die, die ihn nicht sehen.
„Boah, ist das behindert.“
Du sagst es über dein Handy, das hängt. Über die Bahn, die Verspätung hat. Über ein Gesetz, das du nicht verstehst.
Du meinst es ja nicht so.
Am Nebentisch sitzt eine Mutter. Ihr Sohn ist behindert.
Für dich ist das Wort ein Synonym für „kaputt“, „dumm“ und „nervig“.
Für sie ist es ihr Kind.
Du hast es nicht so gemeint. Aber du hast es gesagt, und zwar laut.
Markus parkt auf dem Behindertenparkplatz, „nur kurz, zum Bäcker“. Niemand sagt etwas.
Svenja parkt dort mit Ausweis. Sie hat MS, und man sieht es ihr heute nicht an. Ein Mann schreit sie an: „Schämen Sie sich! Sie sehen doch gesund aus!“ Er fotografiert ihr Kennzeichen.
Svenja zittert beim Aussteigen. Diesmal liegt es nicht an der MS.
Markus hat sich seine Brötchen gekauft.
Nicht jede Behinderung sieht man. Jede Beleidigung spürt man.
1940: Paula ist 9 und hat Epilepsie. Ein grauer Bus holt sie aus der Anstalt ab. Ihre Eltern bekommen einen Brief: „Lungenentzündung. Leider verstorben.“
Über 70.000 Menschen wurden allein in der „Aktion T4“ vergast, insgesamt waren es Hunderttausende. Für die Nazis waren sie nur „lebensunwert“.
Die Nachbarskinder wurden erwachsen.
Wer glaubt, dieses Denken sei verschwunden, sollte Kommentarspalten lesen.