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AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Ein Tor zur Zelle

Zellen sind von einer Membran umgeben, die das Zellinnere von der Umgebung trennt. Proteine können diese Barriere nicht einfach beliebig passieren. Für ihren Transport gibt es deshalb winzige molekulare Schleusen. Eine der wichtigsten ist das sogenannte Sec-Translokon.

Es hilft dabei, Proteine durch die Membran zu transportieren oder direkt in sie einzubauen und ist für Zellen lebensnotwendig.

Genau das macht die Erforschung aber schwierig. Verändern Forschende entscheidende Bestandteile dieser Schleuse zu stark, funktioniert sie möglicherweise nicht mehr und die Zelle stirbt.

Ein Team am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg hat deshalb einen ziemlich eleganten Ausweg gefunden. Die Forschenden bauen die molekulare Schleuse einfach außerhalb einer lebenden Zelle nach.

Ihre Plattform Prosecco stellt die benötigten Proteine im Reagenzglas her, wo sie sich selbst in künstliche Membranbläschen einbauen. Dort können die Forschenden Varianten ausprobieren, die für eine echte Zelle möglicherweise tödlich wären.

Auf diese Weise testeten sie in einem einzigen Experiment rund 300 unterschiedliche Varianten des zentralen Kanalproteins. Einige davon transportierten Proteine bis zu achtmal so effizient wie die ursprüngliche Form.

Aber mal im Ernst, warum ist so eine molekulare Schleuse überhaupt interessant?

Nun, einen großen Teil unserer Biotechnologie verdanken wir Zellen, die wir als winzige Fabriken nutzen. Bakterien und andere Mikroorganismen stellen beispielsweise Enzyme für Lebensmittel und Waschmittel, Bestandteile von Medikamenten oder Proteine für Diagnostik und Forschung her.

Häufig reicht es dabei nicht, dass ein Protein einfach nur produziert wird. Es muss auch an den richtigen Ort gelangen, in eine Membran eingebaut oder aus der Zelle herausgeschleust werden. Genau dabei spielen Transportsysteme wie Sec eine zentrale Rolle.

Je besser wir also verstehen und sogar gezielt beeinflussen können, wie diese molekularen Tore arbeiten, desto genauer lassen sie sich künftig biotechnologisch nutzen.

Quelle
Meier et al., 2026, Science Advances, 12, aej0987

science.org/doi/…

weitere Infos:
mpi-marburg.mpg.de/1616486/…

zelle biologie biotechnologie MPI wissenschaft
+3 Less wisskomm science anysci
Das Bild ist zweigeteilt. Links ist ein gezeichnetes Schema eines Membrannbläschens mit einer für tierische Zellen typischen Lipiddoppelschicht. Dabei zeigen die wasserliebenden Köpfchen der Moleküle nach außen und die wasserabweisenden Schwänzchen  ordnen sich innen an. Auf diese Weise entsteht in einer wässrigen Umgebung die Striktur eines Doppelrings. Außen ist die Außenwelt, ganz innen das Zellinnere und zwischen den Membranschichten eine weitestgehend undurchdringliche Fettschicht. In diese Membran eingelagert sind Transportproteine, die dafür sorgen, dass größere Moleküle durch die Membran hindurch geschleust werden können. Sie durchdringen die gesamte Membran punktuell und bilden steuerbare Kanäle, die aus mehreren Elementen bestehen und sich öffnen und schließen lassen. Erst sie ermöglichen einen Austausch. Ein solches Membranbläschen, das keine Zelle ist, sondern wirklich nur Bläschen mit Transportmolekül, konnte am MPI für terrestrische Mikrobiologie in Marburg hergestellt werden. Eine elektronenmikroskopische Aufnahme diese winzigen Struktur ist rechts im Bild zusehen. Insbesondere die Doppelringstruktur ist deutlich zu erkennen. Das Bild stammt von Tobias Erb und wurde vom MPI für den Bericht über diese Forschung zur Verfügung gestellt.
MIT Technology Review DE @techreview_de social.heise.de

Forscher des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung zeigen einen bislang unbeachteten Weg, wie Regen beschichtete Metalle angreifen kann. Dafür ließen sie tausende Tropfen fallen.

#Forschung #MPI #Regen #Autos

t3n.de/news/…

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Farbvielfalt beim Mäusebussard

Ich wohne ländlich genug, dass ich Bussarde regelmäßig selbst vom Garten aus beobachten kann, aber ehrlich gesagt habe ich dabei bisher kaum auf feine Unterschiede in der Färbung geachtet. Nach dieser Studie werde ich wohl genauer hinschauen.

Ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz hat mithilfe von fast 100.000 Beobachtungen von Menschen aus ganz Europa erstmals die Gefiederfärbung des Mäusebussards systematisch kartiert.

Die Daten reichen über zwei Jahrzehnte zurück und basieren auf einer standardisierten Einordnung von sehr hell bis sehr dunkel sowie auf der Auswertung tausender Fotos von online-Plattformen.

Was dabei auffällt, ist zunächst die große Variabilität. Innerhalb einer einzigen Art reicht das Spektrum von sehr hellen bis zu fast einheitlich dunklen Individuen.

Solche Farbpolymorphismen sind biologisch nicht ungewöhnlich und können unterschiedliche Funktionen erfüllen, etwa im Zusammenhang mit Tarnung, Thermoregulation oder Verhalten.

Beim Mäusebussard lassen sich die beobachteten Muster jedoch nur sehr begrenzt durch Umweltfaktoren wie Klima oder Vegetation erklären. Die Verteilung wirkt eher wie ein historisch gewachsenes Mosaik, möglicherweise geprägt durch Ausbreitungsprozesse nach der letzten Eiszeit.

Deutlich klarer ist der Trend über die Zeit. Die mittlere Färbungsform nimmt nämlich zu, während sowohl sehr helle als auch sehr dunkle Tiere immer seltener werden. Innerhalb von gut 20 Jahren ist der Anteil dunkler Individuen um etwa 22 Prozent zurückgegangen, der der hellen um rund 14 Prozent. Das spricht für eine Verschiebung innerhalb der Population, aber auch für einen Verlust an Variabilität.

Genau hier wird es biologisch interessant. Farbpolymorphismen sind oft genetisch verankert und können mit Unterschieden in Physiologie oder Verhalten einhegehen. Das hat mit der Farbe natürlich nicht direkt zu tun, sie diesnt vielmehr als Indikator.

Wenn sich nun diese Bandbreite verengt, betrifft das nicht nur das äußere Erscheinungsbild, sondern potenziell auch das Spektrum an Reaktionsmöglichkeiten gegenüber sich verändernden Umweltbedingungen.

Quelle:
Delhey et al. (2026), IBIS - International journal of avian science
doi.org/10.1111/…

bussard biologie MPI wissenschaft wissenschaftskommunikation anysci
Das Foto zeigt einen Mäusebussard, der in der Spitze einer Birke sitzt. Sein Bristgefieder istsehr hell, fast weiß, mit nur sehr wenigen braunen Flecken. Kopf und Flügel erscheinen hellbraun, insgesamt für einen Bussard eine recht helle Variante. Das Foto wurde von Kaspar Delhey aufgenommen und vom MPI für Biologische Inelligenz zur Verfügung gestellt.
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🤘 Härtet Metal ab?

Musik kann die Wahrnehmung von Schmerzen beeinflussen. Untersucht wurde das bisher vor allem mit angenehmer oder entspannender Musik. Gleichzeitig weiß man, dass auch der Umgang mit unangenehmen Gefühlen eine Rolle spielt. Unterdrückter Ärger kann etwa bei chronischen Schmerzen problematisch sein.

Wenn wir uns in der Musik umschauen, dann gibt Heavy Metal gibt Ärger und anderen schwierigen Emotionen ziemlich viel Raum. Forschende des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften wollten deshalb wissen, ob ein intensives Metal-Erlebnis auch sie Schmerzempfindun beeinflusst. Wo könnte man das besser untersuchen als in Wacken?

122 Metalheads machten mit. Ein Teil wurde vor Beginn der Konzerte getestet, der andere am dritten und vierten Festivaltag. Neben Fragebögen und einer Messung der Herzaktivität absolvierten sie einen Kältetest: Hand und Unterarm kamen in zwei Grad kaltes Wasser. Erfasst wurde, wann der Schmerz einsetzte, wie unangenehm er empfunden wurde und wie lange die Teilnehmenden ihn aushielten.

Da Alkohol die Schmerzwahrnehmung beeinflussen kann, wurden Teilnehmende mit starkem Alkoholkonsum bei der Auswertung ausgeschlossen. Dabei zeigte sich, dass wer am dritten oder vierten Festivaltag getestet wurde, den Schmerz länger aushielt als die Teilnehmenden vor Beginn der Konzerte. Der Schmerz setzte jedoch nicht später ein und wurde auch nicht als weniger unangenehm empfunden. Die Metalheads hielten schlicht länger durch.

Quelle:
Schneider & Fritz et al., 2026, Scientific Reports
nature.com/articles/…

wacken metal schmerz MPI neuroscience
+4 Less wissenschaft funfact wisskomm anysci
Im Bild zu sehen ist Lydia Schneider, eine der beiden Autoren der Studie. Sie steht in einem Zelt an einem experimentellen Aufbau zur Schmerzwahrnehmung. Dort steht auserdem ein großer Banner des max-planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften.
Bei ihr ist ein Studienteilnehmer, der gleich seinen Unterarm in eine Kühlbox mit Eiswasser hält. Durch die offene Zelttür sieht man das Wacken Festival: eine große matschige Fläche, Banner, weiter weg einige Gäste. Das Bild wurde von MPI CBS zur Verfügung gestellt.

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