Mehr Hirnaneurysmen
Ein Hirnaneurysma ist eine Aussackung in der Wand einer Hirnarterie. Die meisten verursachen keine Beschwerden und werden eher zufĂ€llig bei einer Untersuchung entdeckt. GefĂ€hrlich wird ein Aneurysma vor allem dann, wenn es reiĂt und eine Blutung zwischen den HirnhĂ€uten verursacht.
Wie hĂ€ufig solche Aneurysmen tatsĂ€chlich vorkommen, hat ein internationales Forschungsteam unter FederfĂŒhrung der UniversitĂ€tsmedizin Mannheim nun neu untersucht.
DafĂŒr werteten die Forschenden 162 Studien mit insgesamt mehr als 316.000 untersuchten Personen aus.
In Studien an gesunden Erwachsenen mit moderner GefĂ€Ăbildgebung stieg der Anteil der Menschen mit einem nicht geplatzten Hirnaneurysma von 2,9 Prozent in den Jahren 2002 bis 2015 auf 6,6 Prozent zwischen 2016 und 2022. Das entspricht etwa einem von 15 Erwachsenen.
Frauen waren mit 5,5 Prozent hĂ€ufiger betroffen als MĂ€nner mit 3,0 Prozent. Deutlich erhöht war die HĂ€ufigkeit auĂerdem bei bestimmten erblichen Erkrankungen und bei Menschen, in deren Familie bereits Aneurysmen oder entsprechende Hirnblutungen aufgetreten waren. Auch Bluthochdruck und Rauchen gingen mit einem erhöhten Risiko einher.
Warum heute deutlich mehr Aneurysmen gefunden werden, ist noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. HĂ€ufigere und bessere Bildgebung sowie eine alternde Bevölkerung erklĂ€ren den Anstieg laut Analyse nicht vollstĂ€ndig. Welche weiteren EinflĂŒsse dahinterstecken, bleibt deshalb eine offene Forschungsfrage.
FĂŒr Betroffene bringt diese Studie dennoch eine wichtige Einordnung. Ein Aneurysma im Gehirn ist zwar ernst zu nehmen, bedeutet aber keineswegs automatisch, dass es irgendwann reiĂen wird.
Im Gegenteil erlÀutert die Forschungsgruppe, dass heute zwar mehr ungerissene Aneurysmen gefunden werden, gleichzeitig aber weniger Menschen eine dadurch verursachte Hirnblutung erleiden.
Umso wichtiger wird es, das persönliche Risiko möglichst genau einzuschĂ€tzen und beispielsweise GröĂe und Entwicklung des Aneurysmas ebenso zu berĂŒcksichtigen wie individuelle Gesundheitsfaktoren und Gewohnheiten.
Die Ergebnisse sind damit auch ein gutes Beispiel dafĂŒr, warum individualisierte Medizin wichtig ist. Nicht allein die Diagnose entscheidet ĂŒber die weitere Behandlung, sondern das persönliche Verlaufsrisiko des einzelnen Menschen.
Quelle:
Dremel et al., 2026, The Lancet Neurology