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Stabile Erinnerungen

Es gibt Fragen, die mich als Neurobiologin nie losgelassen haben. Eine davon: Wie kann das Gehirn eigentlich stabile Erinnerungen speichern, obwohl sich seine kleinsten Bausteine stÀndig verÀndern? Stichwort: PlastizitÀt.

Synapsen, also die Verbindungen zwischen Nervenzellen, sind alles andere als statisch. Sie werden stÀrker oder schwÀcher, entstehen neu oder verschwinden wieder.

Was eine Studie der UniversitÀtsmedizin Mannheim jetzt so besonders macht, ist eine wirklich abgefahrene Methodik, um dies genauer zu untersuchen. Da bedauere ich es manchmal doch, dass ich selbst nicht mehr im Labor stehe.

Die Forschenden haben tatsĂ€chlich einzelne Synapsen im lebenden Gehirn ĂŒber zwei Wochen hinweg verfolgt. Und zwar strukturell und funktionell.

DafĂŒr kombinierten sie Optogenetik mit Zwei-Photonen-Kalzium-Imaging.

Eine definierte Gruppe von Neuronen im Hippocampus (dem Zentrum fĂŒr da GedĂ€chtnis) wurde gezielt aktiviert, wĂ€hrend in den verbundenen Neuronen die AktivitĂ€t bis auf die Ebene einzelner Synapsen gemessen wurde. Und das alles in wachen MĂ€usen.

Allein das ist schon bemerkenswert. Normalerweise sind solche Messungen extrem anfĂ€llig fĂŒr kleinste Bewegungen, weshalb sie idR unter Narkose stattfinden, die aber wiederum die Synapsen massiv beeinflusst.

In dieser neuen Studie wurden die Tiere so trainiert, dass sie wĂ€hrend der Messung ruhig bleiben, und ein Closed-Loop-System hielt die Bildgebung stabil genug, um dieselben Strukturen immer wiederzufinden. Man verfolgt also nicht irgendeine durchschnittliche AktivitĂ€t, sondern exakt dieselbe einzelne Synapse ĂŒber Tage hinweg.

Auf diese Weise konnte erstmals direkt im lebenden Gehirn und in einem konkreten System zur GedÀchtnisbildung gezeigt werden, was bisher nur eher indirekt aus zusammengesetzten Erkenntnissen angenommen wurde: stÀrkere Synapsen werden stabilisiert, schwÀchere verschwinden wieder.

Mindestens genauso interessant finde ich aber ein weiteres Ergebnis.

Obwohl einzelne Synapsen kommen und gehen, bleibt die AktivitĂ€t ganzer dendritischer Äste (quasi die Ärmchen von Nervenzellen) erstaunlich stabil. Das Gehirn scheint Informationen also nicht in einzelnen „festen“ Verbindungen zu speichern, sondern verteilt ĂŒber viele parallele Kontakte, die sich gegenseitig absichern.

Genau diese feine Balance aus PlastizitĂ€t und StabilitĂ€t ist es, die Lernen ĂŒberhaupt erst möglich macht.

Quelle:
Rais & Wiegert (2026), Nature Communication
doi.org/10.1038/


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+3 Less anysci synapse lernen
Das Bild zeigt einen verzweigten dendritischen Fortsatz. Das sind die Teile von Nervenzellen, die Eingangssignale von vorgeschalteten Neuronen bekommen und zum Zellsoma schicken. Dort werden sie gebĂŒndelt verrechnet und es entsteht gegebenenfalls nach dem alles-oder-nichts-Prinzip ein Ausgangssignal in Form einer elektrischen Welle (Aktionspotential). Die bunte Punkte auf den schwarzen Dendriten markieren Synspsen, also eben jene Stellen, an denen je ein Eingangssignal eintreffen kann. Hier wird schnell deutlich, wie enorm vernetzt Nervenzellen untereinander sind. Hierin liegt das Geheimnis ihrer StĂ€rke.
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Mehr Hirnaneurysmen

Ein Hirnaneurysma ist eine Aussackung in der Wand einer Hirnarterie. Die meisten verursachen keine Beschwerden und werden eher zufĂ€llig bei einer Untersuchung entdeckt. GefĂ€hrlich wird ein Aneurysma vor allem dann, wenn es reißt und eine Blutung zwischen den HirnhĂ€uten verursacht.

Wie hĂ€ufig solche Aneurysmen tatsĂ€chlich vorkommen, hat ein internationales Forschungsteam unter FederfĂŒhrung der UniversitĂ€tsmedizin Mannheim nun neu untersucht.

DafĂŒr werteten die Forschenden 162 Studien mit insgesamt mehr als 316.000 untersuchten Personen aus.

In Studien an gesunden Erwachsenen mit moderner GefĂ€ĂŸbildgebung stieg der Anteil der Menschen mit einem nicht geplatzten Hirnaneurysma von 2,9 Prozent in den Jahren 2002 bis 2015 auf 6,6 Prozent zwischen 2016 und 2022. Das entspricht etwa einem von 15 Erwachsenen.

Frauen waren mit 5,5 Prozent hÀufiger betroffen als MÀnner mit 3,0 Prozent.

(Edit: Diese Zahlen sind so korrekt und beruhen innerhalb der Metastudie auf einem etwas anderen Datensatz, z.B. jĂŒngere Studien, die nicht in das Zeitfenster 2016-2022 passen. Weitere ErklĂ€rung hierzu in den Kommentaren. Danke fĂŒr den Hinweis, Johannes).

Deutlich erhöht war die HĂ€ufigkeit außerdem bei bestimmten erblichen Erkrankungen und bei Menschen, in deren Familie bereits Aneurysmen oder entsprechende Hirnblutungen aufgetreten waren. Auch Bluthochdruck und Rauchen gingen mit einem erhöhten Risiko einher.

Warum heute deutlich mehr Aneurysmen gefunden werden, ist noch nicht vollstĂ€ndig geklĂ€rt. HĂ€ufigere und bessere Bildgebung sowie eine alternde Bevölkerung erklĂ€ren den Anstieg laut Analyse nicht vollstĂ€ndig. Welche weiteren EinflĂŒsse dahinterstecken, bleibt deshalb eine offene Forschungsfrage.

FĂŒr Betroffene bringt diese Studie dennoch eine wichtige Einordnung. Ein Aneurysma im Gehirn ist zwar ernst zu nehmen, bedeutet aber keineswegs automatisch, dass es irgendwann reißen wird.

Im Gegenteil erlÀutert die Forschungsgruppe, dass heute zwar mehr ungerissene Aneurysmen gefunden werden, gleichzeitig aber weniger Menschen eine dadurch verursachte Hirnblutung erleiden.

Umso wichtiger wird es, das persönliche Risiko möglichst genau einzuschĂ€tzen und beispielsweise GrĂ¶ĂŸe und Entwicklung des Aneurysmas ebenso zu berĂŒcksichtigen wie individuelle Gesundheitsfaktoren und Gewohnheiten.

Die Ergebnisse sind damit auch ein gutes Beispiel dafĂŒr, warum individualisierte Medizin wichtig ist. Nicht allein die Diagnose entscheidet ĂŒber die weitere Behandlung, sondern das persönliche Verlaufsrisiko des einzelnen Menschen.

Quelle:
Dremel et al., 2026, The Lancet Neurology

sciencedirect.com/science/


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+4 Less wissenschaft wisskomm unimannheim anysci
Das Bild zeigt die Illustration eines menschlichen Gehirns von vorn. Das Gehirngewebe ist halbtransparent dargestellt, sodass das verzweigte Netz der Hirnarterien in rot sichtbar wird. Im Zentrum fĂ€llt an einer grĂ¶ĂŸeren Arterie eine kugelförmige Aussackung der GefĂ€ĂŸwand auf. Sie stellt ein Hirnaneurysma dar. In dieser Darstellung ist es ziemlich riesig dargestellt, vermutlich, um es richtig deutlich zu machen. In echt, sind solche Aussackungen eher wenige Millimeter groß und können auch in ihrer Form stark variieren. Aneurysmen entstehen meist an Verzweigungsstellen von Arterien und können lange unbemerkt bleiben. Da sie meist keine Beschwerden verursachen, werden sie oft zufĂ€llig bei bildgebenden Untersuchungen des Kopfes entdeckt. Reißt jedoch die GefĂ€ĂŸwand an dieser aufgeblĂ€hten Stelle, kann Blut in den Raum zwischen den HirnhĂ€uten gelangen und eine sogenannte Subarachnoidalblutung verursachen. EIn solches Ereignis kann zu schweren neurologischen SchĂ€den oder sogar zum Tod fĂŒhren. Das Bild stammt ursprĂŒnglich von Adobe Stock und wurde von der UniversitĂ€tsmedizin Mannheim ausgewĂ€hlt und dem Bericht ĂŒber ihre Forschung zur weiteren Verwendung beigefĂŒgt.

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