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1947 hielt Dorothy L. Sayers einen Vortrag, der später unter dem Titel The Lost Tools of Learning bekannt wurde.

Ihre Diagnose bleibt aktuell: Bildung vermittle zwar zahlreiche Inhalte, vernachlässige aber die Kunst des Lernens selbst.

Sayers dachte dabei an grundlegende geistige Werkzeuge: Sprache präzise verstehen, Argumente prüfen, Schlüsse ziehen und Gedanken überzeugend formulieren.

Mit generativer KI bekommt dieses alte Problem eine neue Dimension.

Ein Sprachmodell liefert uns nicht nur Informationen. Es kann Texte strukturieren, Argumente formulieren, Schlussfolgerungen ziehen und Positionen entwickeln. Es übernimmt damit Tätigkeiten, die bislang zumindest sichtbar mit eigener geistiger Arbeit verbunden waren.

Deshalb greift die Frage «Dürfen Lernende KI benutzen?» meines Erachtens zu kurz.

Wichtiger ist:

Können sie beurteilen, was die KI produziert?

Wer Argumente prüfen, Quellen einordnen und Widersprüche erkennen kann, erhält mit KI ein leistungsfähiges Werkzeug.

Wer diese Fähigkeiten nie entwickelt hat, erhält dagegen möglicherweise vor allem die Illusion von Kompetenz.

AI Literacy beginnt deshalb für mich nicht beim Prompting. Sie beginnt bei Lesen, Schreiben, Argumentieren und Urteilen.

Oder mit Sayers gesprochen: bei den Werkzeugen des Lernens.

epicmind.ch/die-verlorenen-werkzeuge-de…

bildung KI AI Literacy KritischesDenken Lernen
bildung KI AI Literacy KritischesDenken Lernen
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AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Stabile Erinnerungen

Es gibt Fragen, die mich als Neurobiologin nie losgelassen haben. Eine davon: Wie kann das Gehirn eigentlich stabile Erinnerungen speichern, obwohl sich seine kleinsten Bausteine ständig verändern? Stichwort: Plastizität.

Synapsen, also die Verbindungen zwischen Nervenzellen, sind alles andere als statisch. Sie werden stärker oder schwächer, entstehen neu oder verschwinden wieder.

Was eine Studie der Universitätsmedizin Mannheim jetzt so besonders macht, ist eine wirklich abgefahrene Methodik, um dies genauer zu untersuchen. Da bedauere ich es manchmal doch, dass ich selbst nicht mehr im Labor stehe.

Die Forschenden haben tatsächlich einzelne Synapsen im lebenden Gehirn über zwei Wochen hinweg verfolgt. Und zwar strukturell und funktionell.

Dafür kombinierten sie Optogenetik mit Zwei-Photonen-Kalzium-Imaging.

Eine definierte Gruppe von Neuronen im Hippocampus (dem Zentrum für da Gedächtnis) wurde gezielt aktiviert, während in den verbundenen Neuronen die Aktivität bis auf die Ebene einzelner Synapsen gemessen wurde. Und das alles in wachen Mäusen.

Allein das ist schon bemerkenswert. Normalerweise sind solche Messungen extrem anfällig für kleinste Bewegungen, weshalb sie idR unter Narkose stattfinden, die aber wiederum die Synapsen massiv beeinflusst.

In dieser neuen Studie wurden die Tiere so trainiert, dass sie während der Messung ruhig bleiben, und ein Closed-Loop-System hielt die Bildgebung stabil genug, um dieselben Strukturen immer wiederzufinden. Man verfolgt also nicht irgendeine durchschnittliche Aktivität, sondern exakt dieselbe einzelne Synapse über Tage hinweg.

Auf diese Weise konnte erstmals direkt im lebenden Gehirn und in einem konkreten System zur Gedächtnisbildung gezeigt werden, was bisher nur eher indirekt aus zusammengesetzten Erkenntnissen angenommen wurde: stärkere Synapsen werden stabilisiert, schwächere verschwinden wieder.

Mindestens genauso interessant finde ich aber ein weiteres Ergebnis.

Obwohl einzelne Synapsen kommen und gehen, bleibt die Aktivität ganzer dendritischer Äste (quasi die Ärmchen von Nervenzellen) erstaunlich stabil. Das Gehirn scheint Informationen also nicht in einzelnen „festen“ Verbindungen zu speichern, sondern verteilt über viele parallele Kontakte, die sich gegenseitig absichern.

Genau diese feine Balance aus Plastizität und Stabilität ist es, die Lernen überhaupt erst möglich macht.

Quelle:
Rais & Wiegert (2026), Nature Communication
doi.org/10.1038/…

unimannheim gehirn plasticity wissenschaft wissenschaftskommunikation
+3 Less anysci synapse lernen
Das Bild zeigt einen verzweigten dendritischen Fortsatz. Das sind die Teile von Nervenzellen, die Eingangssignale von vorgeschalteten Neuronen bekommen und zum Zellsoma schicken. Dort werden sie gebündelt verrechnet und es entsteht gegebenenfalls nach dem alles-oder-nichts-Prinzip ein Ausgangssignal in Form einer elektrischen Welle (Aktionspotential). Die bunte Punkte auf den schwarzen Dendriten markieren Synspsen, also eben jene Stellen, an denen je ein Eingangssignal eintreffen kann. Hier wird schnell deutlich, wie enorm vernetzt Nervenzellen untereinander sind. Hierin liegt das Geheimnis ihrer Stärke.
hollma @hollma social.fricklers.org

Mir wird immer klarer, dass ich mit der Idee nichts anfangen kann, Dinge zu lernen, damit ich sie danach beruflich verwerten kann. Ich habe sehr gerne Informatik und Mathematik studiert, aber das heißt nicht, dass ich motiviert bin, das Wissen anzuwenden. Wenn ich etwas verstanden habe, dann bin ich damit fertig (sinngemäß Hannah Arendt). Der spannende Teil ist vorbei. Wenn sich Leute über „trockene Theorie“ beschweren, die sie nur in Kauf nehmen, weil sie für ihr berufliches Ziel notwendig ist, wundere ich mich. Das ist mir völlig fremd.

Und umso mehr wundere ich mich, wenn berufliche Weiterbildung darauf ausgerichtet ist, eben nichts zu verstehen, sondern nur die Abkürzung zur Anwendung des Stoffs zu vermitteln. Das finden die meisten Leute anscheinend sehr gut. Ich empfinde es als fürchterliche Zeitverschwendung. Wenn wir nicht in einer Weiterbildungsveranstaltung sind, um die Dinge zu verstehen, wozu sind wir dann überhaupt da?

Über welchen «Bildschirm» sprechen wir eigentlich?

Immer wieder zeigen Studien Vorteile von Papier gegenüber digitalem Lesen. Daraus wird dann schnell:

Papier ist besser als Bildschirm.

Mir ist diese Aussage zu undifferenziert.

Ein Tablet ist ein Multifunktionsgerät mit Apps, Benachrichtigungen und Animationen. Ein E-Reader mit E-Ink ist monochrom, ablenkungsarm und fast ausschliesslich zum Lesen gedacht.

Beides als «Bildschirmlesen» zusammenzufassen, verwischt möglicherweise genau jene Faktoren, die Unterschiede erklären könnten: Displaytechnologie, Navigation, Ablenkung, Haptik oder räumliche Orientierung.

Die interessantere Frage ist deshalb für mich nicht:

Papier oder digital?

Sondern:

Welche Eigenschaften eines Mediums unterstützen konzentriertes Denken – und welche erschweren es?

Mehr dazu: epicmind.ch/lesen-ueber-welche-bildschi…

erwachsenenbildung Lernen lesen medienkompetenz E-Reader
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AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Ein entscheidender Minivorrat

Damit unser Gehirn lernen und sich an neue Erfahrungen anpassen kann, müssen sich die Verbindungen zwischen Nervenzellen, die Synapsen, verändern können. Wissenschaftler sprechen von synaptischer Plastizität.

Dafür benötigen sie bestimmte Proteine und das innerhalb kürzester Zeit. Wie aber wird diese Ressource gewährleistet, wenn doch die Synapse meist sehr weit weg vom Zellkörper liegt, dem Ort, wo die Proteine hergestellt werden?

Eine bekannte Lösung besteht darin, nicht die fertigen Proteine, sondern ihre Bauanleitungen in Form von Boten-RNAs (mRNAs) in die Fortsätze der Nervenzellen zu transportieren. Dort können die Proteine bei Bedarf direkt vor Ort hergestellt werden.

Welche Rolle dieser Mechanismus in der äußersten Schicht der Großhirnrinde spielt, hat nun ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt untersucht.

Diese Hirnschicht enthält zahlreiche weit verzweigte Fortsätze von Nervenzellen und entsprechend viele Synapsen, aber nur sehr wenige Zellkörper (grün im Bild).

Mithilfe verschiedener molekularbiologischer Methoden konnten die Forschenden nachweisen, dass dort tatsächlich neue Proteine hergestellt werden. Allein an den erregenden Synapsen identifizierten sie mehr als 1.000 (!) unterschiedliche mRNAs. Deren Zusammensetzung unterschied sich deutlich von der in tieferen Schichten der Großhirnrinde, wo eben die Zellkörper liegen.

Das sind mal wieder so Ergebnisse, die mich beinahe ehrfürchtig werden lassen. Wie „durchdacht“ kleinste Anpassungen auf molekularer Ebene sind, damit das Große Ganze, also am Ende wir, bestmöglich funktioniert.

Erst die schnelle Anpassung der Synapsen ermöglicht, dass wir lernen oder Erinnerungen bilden. Ohne diesen mRNA-Vorrat an den Synapsen wäre das mutmaßlich nicht in dieser Qualität möglich. Und wir reden hier über Moleküle im Nanometerbereich. Wahnsinn!

Quelle
Spanò et al. (2026), Cell Reports „ Localized mRNAs and protein synthesis in cortical
layer 1 “

doi.org/10.1016/…

neuroscience gehirn biologie plasticity lernen
+3 Less wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild zeigt eine fluoreszenzmikroskopische Aufnahme eines Ausschnitts der Großhirnrinde. Die Großhirnrinde besteht aus insgesamt sechs Schichten, die sich unter anderem durch die Anzahl, Anordnung und Art ihrer Nervenzellen unterscheiden. Im Bild ist der Übergang von der zweiten zur äußersten, ersten Kortexschicht zu erkennen.
Im unteren Bildbereich liegen zahlreiche dicht gedrängte Nervenzellkörper, die grün angefärbt sind. Weiter oben nimmt ihre Zahl deutlich ab. Die äußerste Schicht enthält nur wenige Nervenzellkörper, dafür aber zahlreiche Fortsätze von Nervenzellen aus tiefer gelegenen Schichten.
Besonders auffällig sind die magentafarbenen Astrozyten. Diese sternförmigen Gliazellen bilden mit ihren zahlreichen feinen Fortsätzen ein weit verzweigtes Netzwerk. Sie übernehmen wichtige Aufgaben bei der Versorgung und Unterstützung der Nervenzellen und beeinflussen auch die Signalübertragung an den Synapsen. Die Zellkerne verschiedener Zelltypen sind cyan gefärbt und erscheinen als kleine, teils ovale Strukturen.
Die unterschiedlichen Farben entstehen durch spezielle Fluoreszenzmarkierungen, mit denen bestimmte Zellbestandteile sichtbar gemacht werden. Das Bild wurde von Teresa Spanò aufgenommen und vom MPI für Hirnforschung in Frankfurt am Main zur Verfügung gestellt.

Wenn KI nicht nur Arbeit, sondern Denken abnimmt

Cognitive Offloading ist nichts Neues. Wir lagern gedankliche Aufgaben seit Langem an Hilfsmittel aus – von der Einkaufsliste bis zur Navigation.

Generative KI verändert aber die Qualität dieser Auslagerung. Wir delegieren nicht mehr nur Erinnern oder Nachschlagen, sondern zunehmend auch Strukturieren, Zusammenfassen und Argumentieren.

Genau darin liegt die Ambivalenz: KI kann kognitive Ressourcen freisetzen. Sie kann aber auch eine Auseinandersetzung ersetzen, die für Lernen und eigenes Denken notwendig wäre. Besonders tückisch sind dabei Ergebnisse, die sprachlich und formal überzeugend wirken, obwohl der zugrunde liegende Denkprozess kaum stattgefunden hat.

Die entscheidende Frage ist deshalb für mich nicht: KI nutzen oder nicht?

Sondern: Welche Denkarbeit wollen wir weiterhin selbst leisten?

KI sollte unser Denken ergänzen – nicht unbemerkt an seine Stelle treten.

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Lernen braucht auch Pausen

Nach einer intensiven Lerneinheit gleich zum nächsten Inhalt wechseln? Nicht unbedingt.

Forschung zu offline waking rest zeigt, dass kurze reizärmere Ruhephasen nach dem Lernen die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten unterstützen können. Entscheidend ist gerade, nicht sofort neue Reize nachzuliefern.

Also vielleicht nach dem Lernen für zehn Minuten: kein Smartphone, kein Podcast, kein neuer Text. Einfach Pause.

Manchmal gehört zum Lernen auch, eine Weile nichts Neues zu tun.

Bernhard Biedermann @Bied digitalhub.social

#KI eine Bilanz über Einsatz von #LLMs.

Mehrere (> 100) ungewollte und nicht beauftragte “Ausbrüche” um Fragen zu beantworten haben deutlich gemacht, generell ist KI aktuell nicht im offenen Internet sicher benutzbar. 🥶

Die Grundlagen der Sicherheit wie #DNS wurden und werden nicht hinreichend beachtet. Herr Andy Jenkinson (WHITETHORN SHIELD), hat dies sehr gut dokumentiert. Auch nach Warnungen haben die Konzerne, soweit mir bekannt, bislang keine Verbesserung der Sicherheit angestrebt.

Warum man mit LLMs Biowaffen Entwicklung verbieten bzw. abschirmen muss ist mit Logik nicht erklärbar. Man muss ja schon ein echter Zyniker sein wenn man ein #LLM auf Bio-Forschung trainiert. Ist vielleicht die Auslöschung der Menschheit ein sehr menschliches Programm, dass das Militär von den Bürgern bezahlt haben möchte? 🤢

Die Energiebilanz des KI-Training ist grottenschlecht, soweit man es aus der Presse entnehmen kann. Der Bau von neuen #KI-Rechenzentren soll mit Steuermitteln (10 Milliarden EUR) gefördert werden. Damit sollen die Verluste von der Allgemeinheit finanziert werden und die Gewinne privatisiert bleiben, oder?

#KI in der #Schule - mehrere Studien aus den USA zeigen die Fähigkeiten der Kinder nehmen stark ab wenn mittels #KI Aufgaben bewältigt werden. “#Lernen” wird deklassiert und konsumieren gefördert. Einige der Daten hat Herr Richard Self (via LinkedIn) gut aufbereitet.

Der sehr gute Artikel der taz beschreibt ausführlich warum die Fake-News der Bros nur der Ablenkung dienen. Die einfache Frage nach dem Hashtag#ROI wird seit Beginn des Hype nicht beantwortet. Stattdessen werden wir mit Hashtag#AGI, Krebsforschung, Rettung des Klimas, etc. zugeschüttet. 😭

Aus meiner Sicht ist der KI-Hype ein Pyramiden-System um die Naiven abzuzocken. Zentralisieren und der Ausbau der Überwachung ist der Nebeneffekt.

Natürlich geht es den Autokraten darum die anlasslose #Überwachung zu etablieren. Das ist ein Ziel, das leider auch in der #EU großen Anklang findet. #Zensursula lässt grüßen. Seit 2009 wird immer wieder versucht die Bürger nahtlos zu überwachen. Dies ist aber in einer #Demokratie grundsätzlich illegal. Anders wäre es wenn es eine Diktatur ist, da wäre es die Grundlage.

#KI hat seit langem einen recht hohen Nutzwert, zum Beispiel in Bereich der Medizin. Einfach gesagt, immer wenn es einen sehr eingeschränkten Bereich und eine große Datenmenge gibt, kann man mit #KI deutlich Zeit bei der Lösungssuche einsparen. Voraussetzung ist, die Daten sind lokal vorhanden und Dritte haben keinen Zugriff (um die Datenbasis zu vergiften oder um zu stehlen). 👍

Es gibt zahlreiche Experten die bei Bedarf weitere Details zu #KI und die “Digitale Souveränität” einbringen können, einfach fragen, dann weiß man mehr.

taz.de/Ja-KI-wird-uns-alle-toeten-Aber-…

AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Wie Schimpansen lernen

Junge Schimpansen müssen einiges lernen. Zum Beispiel, wie sich mit einem Stock Ameisen oder Termiten aus ihren Nestern angeln lassen oder wie eine harte Baobab-Frucht auf einem Stein aufgeschlagen wird.

Vieles davon schauen sie sich bei erfahrenen Tieren ab. Doch manchmal bekommen sie offenbar auch aktive Hilfestellung.

Forschende unter anderem von der Universität Barcelona, dem Jane Goodall Institute Spain und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben über mehrere Jahre wild lebende Westliche Schimpansen im Dindefelo-Naturreservat im Senegal mit Kamerafallen beobachtet.

Besonders interessierte sie, was passiert, wenn Werkzeuge zwischen den Tieren weitergegeben werden.

Die meisten beobachteten Werkzeugübergaben verliefen von erfahrenen zu unerfahreneren Tieren, häufig zwischen Müttern und ihrem Nachwuchs. Meist wurden die Werkzeuge dabei nicht demonstrativ überreicht, sondern ein erfahrenes Tier ließ es etwas beiläufig zurück oder erlaubte einem Jungtier, es zu nehmen.

Für den Geber bedeutete das durchaus einen Nachteil, während der Empfänger anschließend deutlich häufiger selbst mit dem Werkzeug arbeitete. Nach etablierten verhaltensbiologischen Kriterien können solche Übergaben deshalb als eine Form des Lehrens gedeutet werden.

Besonders schön zeigt das eine einzelne Beobachtung beim sogenannten ant dipping. Eine Mutter angelte mit einem Stock Ameisen aus einem Nest. Dann ging sie zu ihrem etwa dreieinhalbjährigen Jungtier, steckte den Stock in das Ameisennest und ließ ihn dort. Als das Junge sich entfernte, holte die Mutter es sogar zurück zum Werkzeug. Das Jungtier nahm den Stock, zog ihn aus dem Nest und fraß die Ameisen, während die Mutter zusah. Anschließend verwendete es den Stock selbstständig weiter.

Eine zweite Szene (daraus ist auch das Bild) zeigt, dass nicht nur Mütter solche Lerngelegenheiten schaffen. Ein Jungtier versuchte erfolglos, eine Baobab-Frucht auf einem Felsen aufzuschlagen. Ein älterer Jungschimpanse schlug und stampfte auf den Felsen, führte einmal die Hand des jüngeren Tieres zum Felsen und demonstrierte später selbst erfolgreich das Aufbrechen einer Frucht. Danach versuchte es das jüngere Tier erneut. Ob der ältere Schimpanse hier tatsächlich gezielt „unterrichtete“, lässt sich aus dieser einzelnen Beobachtung allerdings nicht sicher sagen.

In der Verhaltensbiologie werden drei Kriterien für Lehrverhalten definiert:

  1. Das “Lehrindividuum” ändert sein Verhalten in Gegenwart eines unerfahrenen Artgenossen gezielt

  2. Dieses veränderte Verhalten bringt dem Lehrenden selbst keinen unmittelbaren eigenen Nutzen bringen, sondern ist im Gegenteil sogar mit gewissen Kosten (z.B. Zeit, Wergzeugverlust, Energie) verbunden

  3. Das lernende Individuum gewinnt durch diese Interaktion eine neue Fähigkeit schneller und sicherer, als es ihm durch bloßes Ausprobieren im Alleingang möglich gewesen wäre

In einer Vielzahl von Beobachtungen sehen die Autoren der Studie alle drei Punkte als erfüllt an.

Solche sozialen Prozesse könnten entscheidend dazu beitragen, komplexe Techniken innerhalb einer Gemeinschaft zuverlässig an die nächste Generation weiterzugeben.

Quelle:
Sánchez-Megías et al., 2026, Frontiers in Psychology

frontiersin.org/journals/…

Hinweis : im Supplementary material sind interessante Videos, aus denen auch der Screenshot oben ist.

schimpanse janegoodallinstitute lernen psychologie biologie
+4 Less antropologie wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild ist ein Screenshot aus einem Video, was Sánchez-Megías und Kollegen ihrer Publikation beigefügt haben. Das Bild zeigt zwei junge Schimpansen, die am Eingang einer Höhle sitzen. Das etwas ältere Tier (links) zeigt dem jüngeren, wie es die harte Baobab-Frucht richtig auf den Felsen aufschlägt, um an das nahrhafte Innere der Frucht zu gelangen. Das Video wurde mit Hilfe von Kamerafallen im Senegal aufgenommen. Beobachtungen wie diese verdeutlichen, dass junge Schimpansen nicht einfach vorgelebtes nachahmen, sondern von anderen Tiere der Gruppe aktiv belehrt werden.

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