Post by Michael Gisiger
1947 hielt Dorothy L. Sayers einen Vortrag, der später unter dem Titel The Lost Tools of Learning bekannt wurde.
Ihre Diagnose bleibt aktuell: Bildung vermittle zwar zahlreiche Inhalte, vernachlässige aber die Kunst des Lernens selbst.
Sayers dachte dabei an grundlegende geistige Werkzeuge: Sprache präzise verstehen, Argumente prüfen, Schlüsse ziehen und Gedanken überzeugend formulieren.
Mit generativer KI bekommt dieses alte Problem eine neue Dimension.
Ein Sprachmodell liefert uns nicht nur Informationen. Es kann Texte strukturieren, Argumente formulieren, Schlussfolgerungen ziehen und Positionen entwickeln. Es übernimmt damit Tätigkeiten, die bislang zumindest sichtbar mit eigener geistiger Arbeit verbunden waren.
Deshalb greift die Frage «Dürfen Lernende KI benutzen?» meines Erachtens zu kurz.
Wichtiger ist:
Können sie beurteilen, was die KI produziert?
Wer Argumente prüfen, Quellen einordnen und Widersprüche erkennen kann, erhält mit KI ein leistungsfähiges Werkzeug.
Wer diese Fähigkeiten nie entwickelt hat, erhält dagegen möglicherweise vor allem die Illusion von Kompetenz.
AI Literacy beginnt deshalb für mich nicht beim Prompting. Sie beginnt bei Lesen, Schreiben, Argumentieren und Urteilen.
Oder mit Sayers gesprochen: bei den Werkzeugen des Lernens.
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Already counted in the numbers above.
Zustimmung! Kinder und Jugendliche müssen erst die essentiellen Dinge erlernen (Kreativität, Neugierde, Probleme erkennen und Lösungskompetenz, Reflexion sowie emotionale und soziale Intelligenz (Empathie etc.). Erst dann sollte man Sie mit den »Abkürzungen« der Technik umgehen lassen. Und Ja, Lernkompetenz gehört zwangsläufig dazu.
Oder anders gesagt: wenn die Eltern und die Gesellschaft es schaffen den jungen Generationen Lesekompetenz und Lesekultur mitzugeben, wäre schon viel gewonnen.
Und den oben genannte Essay werde ich mir später noch anschauen/anhören, danke dafür.
Oder ein anderes schönes Bild, dass ich zuletzt in dem Zusammenhang gehört habe: Alkohol ist nicht nur gefährlich, er kann auch ganz schön und lecker sein. Aber man »lernt« den Umgang mit Alkohol nicht dadurch, dass man möglichst früh mit dem Trinken beginnt.