Wie Schimpansen lernen
Junge Schimpansen müssen einiges lernen. Zum Beispiel, wie sich mit einem Stock Ameisen oder Termiten aus ihren Nestern angeln lassen oder wie eine harte Baobab-Frucht auf einem Stein aufgeschlagen wird.
Vieles davon schauen sie sich bei erfahrenen Tieren ab. Doch manchmal bekommen sie offenbar auch aktive Hilfestellung.
Forschende unter anderem von der Universität Barcelona, dem Jane Goodall Institute Spain und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben über mehrere Jahre wild lebende Westliche Schimpansen im Dindefelo-Naturreservat im Senegal mit Kamerafallen beobachtet.
Besonders interessierte sie, was passiert, wenn Werkzeuge zwischen den Tieren weitergegeben werden.
Die meisten beobachteten Werkzeugübergaben verliefen von erfahrenen zu unerfahreneren Tieren, häufig zwischen Müttern und ihrem Nachwuchs. Meist wurden die Werkzeuge dabei nicht demonstrativ überreicht, sondern ein erfahrenes Tier ließ es etwas beiläufig zurück oder erlaubte einem Jungtier, es zu nehmen.
Für den Geber bedeutete das durchaus einen Nachteil, während der Empfänger anschließend deutlich häufiger selbst mit dem Werkzeug arbeitete. Nach etablierten verhaltensbiologischen Kriterien können solche Übergaben deshalb als eine Form des Lehrens gedeutet werden.
Besonders schön zeigt das eine einzelne Beobachtung beim sogenannten ant dipping. Eine Mutter angelte mit einem Stock Ameisen aus einem Nest. Dann ging sie zu ihrem etwa dreieinhalbjährigen Jungtier, steckte den Stock in das Ameisennest und ließ ihn dort. Als das Junge sich entfernte, holte die Mutter es sogar zurück zum Werkzeug. Das Jungtier nahm den Stock, zog ihn aus dem Nest und fraß die Ameisen, während die Mutter zusah. Anschließend verwendete es den Stock selbstständig weiter.
Eine zweite Szene (daraus ist auch das Bild) zeigt, dass nicht nur Mütter solche Lerngelegenheiten schaffen. Ein Jungtier versuchte erfolglos, eine Baobab-Frucht auf einem Felsen aufzuschlagen. Ein älterer Jungschimpanse schlug und stampfte auf den Felsen, führte einmal die Hand des jüngeren Tieres zum Felsen und demonstrierte später selbst erfolgreich das Aufbrechen einer Frucht. Danach versuchte es das jüngere Tier erneut. Ob der ältere Schimpanse hier tatsächlich gezielt „unterrichtete“, lässt sich aus dieser einzelnen Beobachtung allerdings nicht sicher sagen.
In der Verhaltensbiologie werden drei Kriterien für Lehrverhalten definiert:
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Das “Lehrindividuum” ändert sein Verhalten in Gegenwart eines unerfahrenen Artgenossen gezielt
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Dieses veränderte Verhalten bringt dem Lehrenden selbst keinen unmittelbaren eigenen Nutzen bringen, sondern ist im Gegenteil sogar mit gewissen Kosten (z.B. Zeit, Wergzeugverlust, Energie) verbunden
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Das lernende Individuum gewinnt durch diese Interaktion eine neue Fähigkeit schneller und sicherer, als es ihm durch bloßes Ausprobieren im Alleingang möglich gewesen wäre
In einer Vielzahl von Beobachtungen sehen die Autoren der Studie alle drei Punkte als erfüllt an.
Solche sozialen Prozesse könnten entscheidend dazu beitragen, komplexe Techniken innerhalb einer Gemeinschaft zuverlässig an die nächste Generation weiterzugeben.
Quelle:
Sánchez-Megías et al., 2026, Frontiers in Psychology
frontiersin.org/journals/…
Hinweis : im Supplementary material sind interessante Videos, aus denen auch der Screenshot oben ist.