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AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Sensorhülle für Organoide

Um die Folgen von Rückenmarksverletzungen besser zu verstehen, ist es wichtig zu untersuchen, wie Entzündungsprozesse die Aktivität der betroffenen Nervenzellen beeinflussen.

Nach einer Rückenmarksverletzung können entzündliche Reaktionen beispielsweise zusätzliche Schäden am Nervengewebe verursachen und die Erholung maßgeblich beeinträchtigen.

Solche Zusammenhänge lassen sich unter anderem mithilfe sogenannter Organoide untersuchen. Das sind winzige, dreidimensionale Gewebemodelle, die im Labor aus Stammzellen gezüchtet werden. Durch gezielte Steuerung ihrer Entwicklung können sie bestimmte Eigenschaften menschlicher Organe nachbilden.

So lassen sich beispielsweise kleine Modelle des Rückenmarks herstellen, die sowohl elektrisch aktive Nervenzellen als auch Gliazellen enthalten, die unter anderem an Entzündungsreaktionen beteiligt sind.

Um nun in diesen kleinen Modellen alle Vorgänge zu untersuchen, wäre es hilfreich, die elektrischen Signale der Nervenzellen und die Entzündungsbotenstoffe gleichzeitig messen zu können. Das ist allerdings bisher technisch schwierig, auch weil herkömmliche Elektroden an der unregelmäßigen Oberfläche nur schwer ausreichend Kontakt finden.

Ein Forschungsteam aus Südkorea hat dafür eine interessante technische Lösung entwickelt.

Sie entwickelten eine hauchdünne elektronische Hülle aus einem speziellen Kunststoff. Bei Raumtemperatur ist sie noch relativ fest. Erwärmt sie sich auf etwa 37 Grad Celsius, wird sie weich und legt sich selbstständig um das Organoid.

Der Clou: In die Hülle sind sowohl winzige Elektroden eingebaut, die die elektrischen Signale der Nervenzellen aufzeichnen als auch Sensoren, um bestimmte Entzündungsbotenstoffe nachzuweisen.

In einem ersten Test lösten die Forschenden mit dem Entzündungsbotenstoff TNF-α gezielt eine Entzündungsreaktion in gesunden Organoiden aus. Mit der neuen Sensorhülle konnten sie anschließend messen, dass die Nervenzellen mit steigender TNF-α-Konzentration immer häufiger elektrische Signale erzeugten. Gleichzeitig konnten die Sensoren nachweisen, dass der Entzündungsmarker IL-8 im Organoid anstieg.

Auch nach einer Rückenmarksverletzung können solche Prozesse die Signalübertragung im Nervengewebe stören und zu weiteren Funktionsverlusten beitragen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass auch eine erhöhte Aktivität der Nervenzellen ein Problem ist, da es zeigt, dass die „gesunde Balance“ aus dem Ruder läuft.

Ich finde diese technische Entwicklung wirklich erstaunlich. Für die Grundlagenforschung könnte das ein echter Fortschritt sein. Langfristig könnte diese Hülle beispielsweise auch helfen, die Wirkung verschiedener Medikamente in solchen Modellen zu vergleichen.

Quelle
Lee et al. (2026), Biosensors and Bioelectronics
doi.org/10.1016/…

biosensors bioelectronics elsevier organoid neuro
+6 Less medizin rückenmark grundlagenforschung wissenschaft wisscomm anysci
Das Bild zeigt eine schematische Darstellung der neu entwickelten flexiblen Sensorhülle, die sich wie ein weiches Tuch um ein kugelförmiges Organoid legt. Dabei handelt es sich um ein Gewebemodell, was für sogenannte in vitro Experimente in Kultur erzeugt und gehalten werden kann. Es enthält einen Verbund aus unterschiedlichen Zelltypen, die für ein bestimmtes Gewebe typisch sind. Hier sind es Nervenzellen und Glia für ein kleines Modell des Rückenmarks.
Rechts in der Abbildung ist dargestellt, welche Messverfahren die Sensorhülle ermöglicht. Das sind zum einen elektrophysiologische Messungen, bei denen Elektroden die elektrischen Signale der Nervenzellen erfassen. Zum anderen enthält die Hülle auch Antikörper gegen bestimmte Cytokine auf ihrer Oberfläche, die diese Entzündungsmarker nachweisen können. Die beiden Messverfahren ermöglichen es, gleichzeitig die elektrische und chemische Aktivität des Organoids zu erfassen. Die Abbildung stammt aus der Studie von Lee et al. (2026) die am Ende des Haupttextes verlinkt ist.
MIT Technology Review DE @techreview_de social.heise.de

Die Suche nach dem ewigen kognitiven Leben geht weiter und bringt viele kuriose Auswüchse hervor. Wir stellen ein paar vor und geben einen Einordnung zu ihrer Umsetzbarkeit. (+)

#Medizin #Neurowissenschaft #Gehirn

t3n.de/news/…

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Wie schnell jemand altert, zeigt sich nicht nur in DNA-Proben und Gehirnscans – sondern auch darin, wie er spricht. Tempo, Tonhöhe und Wortwahl lassen sich zu einer Alternsuhr zusammenführen, die sogar verschiedene Demenzformen unterscheidet. (+)

#Altern #Gesundheit #Medizin

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Nathalie Contrael @contraeln blog.tib.eu

Sensibles Filmerbe: Einblicke in historische Medizinwelten zum Welttag des audiovisuellen Erbes

Cover des Filmkatalogs für Medizin des IWF read this article in englishDer alljährlich von der UNESCO ausgerufene World Day for Audiovisual Heritage am 27. Oktober bietet diesmal Anlass, eine historische Medizinfilmsammlung vorzustellen, die zum Filmerbe der Göttinger IWFWissen und Medien gGmbH (vormals Institut für den Wissenschaftlichen Film – IWF) an der TIB gehört.

Mit ihren rund 1.200 Titeln zur Humanmedizin deckt sie über 100 Jahre Medizin- und Filmgeschichte ab. Erste Aufnahmen eines chirurgischen Eingriffs wurden bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstellt, die letzten Filme entstanden erst vor knapp 20 Jahren.

Inhaltlich verteilt sich die Sammlung über das gesamte Spektrum der Grundlagen wie Anatomie, Pathologie, Physiologie, Zytologie bis hin zu den klinischen Fächern wie Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie, Pädiatrie, Neurologie und Psychiatrie. Was die Medizinfilme so besonders macht: Sie geben authentische Einblicke in eine Welt, die sich normalerweise hinter verschlossenen Türen abspielt.

Klinische Krankheitssymptome werden in einer Vielzahl der Filme anhand echter Fallbeispiele demonstriert, Untersuchungen, Behandlungen und Operationen an realen Patient:innen gezeigt. Selbst in Notarztwagen, psychiatrische Kliniken und Obduktionssäle werden Einblicke gewährt. Für Medizinstudierende bieten solche Aufnahmen eine wertvolle Ergänzung ihrer praktischen Ausbildung. Zugleich eröffnen sie wichtige Perspektiven für die (medizin-)historische Forschung.

Verantwortungsvolle Bereitstellung des sensiblen FilmerbesMetadaten und Abstracts der IWF-Medizinfilme können bereits vielfach über das TIB AV-Portal recherchiert werden – vgl. die spezifische Suche mit einschlägigen Filtern. Die Filme selbst werden sukzessive digitalisiert und bereitgestellt, soweit dies rechtlich möglich ist.

Hierzu gehören vor allem Titel ohne Personenaufnahmen (zum Beispiel Lymphgefäßmotorik von 1961) sowie sehr alte Titel, bei denen die Rechte der abgebildeten Personen bereits erloschen sind (zum Beispiel Tracheostoma von 1925). Durchaus bekannt und viel gesehen ist auch Der Muskelmann Wilhelm Emter aus Lörrach von 1925:

 

Eine Vielzahl der Digitalisate darf jedoch aus persönlichkeits- und datenschutzrechtlichen Gründen nicht ohne Weiteres über das TIB AV-Portal zugänglich gemacht werden. Patient:innen gehören zur Gruppe der sensiblen Personen und genießen daher einen besonderen Schutz.

Die hohe Authentizität der Filme stellt die TIB vor Herausforderungen: Einerseits soll der Fachwelt eine zeitgemäße digitale Filmnutzung ermöglicht werden, andererseits müssen die Rechte der gefilmten Personen gewahrt bleiben.

Logo des REMEDY-Projekts an der TIBAn dieser Stelle setzt das Projekt REMEDY an, das 2025 gestartet ist. Es schafft die Voraussetzungen, um die Medizinfilme künftig rechtskonform und verantwortungsvoll über das TIB AV-Portal bereitzustellen. Hierfür wird ein rechtliches Risikoabschätzungskonzept erarbeitet, ein Paket an technischen Schutzmaßnahmen geschnürt sowie ein eigenes Tool zur irreversiblen Anonymisierung entwickelt.

Dabei leistet REMEDY Grundlagenarbeit: Die Ergebnisse sollen nachnutzbar sein, damit auch andere sensible Filmsammlungen davon profitieren können (zum Beispiel Ethnologiefilme oder Unterrichtsfilme mit Kindern).

Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert und läuft noch bis Mitte 2027. Es ist Teil der DFG-Pilotphase Digitalisierung und Bereitstellung (noch) rechtebewehrter Objekte, in der 13 Projekte vernetzt sind, die an ähnlichen Fragestellungen arbeiten.

Im TIB-Blog wird REMEDY weiter über Neuigkeiten berichten.

Frühere Beiträge im TIB-Blog zum Welttag des audiovisuellen Erbes:

Schattenprojektionen – anschauliche Physikgeschichte (2022)„Your Window to the World“ – Ethnologische Filmwelt(en) (2021)Welttag des audiovisuellen Erbes am 27. Oktober (2015)UNESCO-Welttag des audiovisuellen Erbes (2014)

AVMedien wissenschaftlicheFilme IWF Wissenschaftsgeschichte UNESCO
+5 Less Medizin Remedy LizenzCCBY30DE WDAVH AVPortal
Logo des REMEDY-Projektes an der TIB
Cover des Filmkatalogs für Medizin des IWF
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Die Suche nach dem ewigen kognitiven Leben geht weiter und bringt viele kuriose Auswüchse hervor. Wir stellen ein paar vor und geben einen Einordnung zu ihrer Umsetzbarkeit. (+)

#Medizin #Neurowissenschaft #Gehirn

t3n.de/news/…

tagesschau @tagesschau ard.social

Fachgesellschaften veröffentlichen Leitlinien für Suizidassistenz

Wie sollen Ärzte oder Pflegekräfte reagieren, wenn Menschen in existenzieller Not sagen, dass sie sterben wollen? Ein Gesetz, das dafür Regeln vorgibt, fehlt. Eine neue Leitlinie setzt auf eingehende Beratung. Von Daniela Remus.

➡️ tagesschau.de/inland/…

AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Proteinkarten für alle

Die Proteomik beschäftigt sich mit der Gesamtheit der Proteine, die beispielsweise in einer Zelle oder einem Gewebe vorkommen.

Dabei ist nicht nur interessant, welche Proteine vorhanden sind und in welchen Mengen, sondern auch, wo genau sie sich befinden. Unser Verständnis für das Zusammenspiel auf immer kleineren Ebenen wird dadurch immer besser.

Mit einem Verfahren namens Deep Visual Proteomics (DVP) lassen sich Tausende Proteine in ausgewählten Zellen eines Gewebes untersuchen. Dazu kombinieren die Forschenden mikroskopische Aufnahmen mit künstlicher Intelligenz und Massenspektrometrie.

So können sie nicht nur bestimmen, welche Proteine in welchen Mengen vorkommen, sondern die Ergebnisse auch den ursprünglichen Positionen der Zellen im Gewebe zuordnen.

Ein Forschungsteam vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin hat dieses Verfahren nun weiterentwickelt. Die neue Plattform openDVP ist frei zugänglich und soll die aufwendige Analyse erleichtern.

Eine wichtige Neuerung ist die gezielte Untersuchung von Zellnachbarschaften. Statt einzelne Zellen auszuschneiden und getrennt zu untersuchen, können die Forschenden nun auch zusammenhängende Gewebebereiche mit mehreren benachbarten Zellen gemeinsam analysieren. Die dafür entwickelte Strategie beschleunigt die Probenentnahme laut Studie um etwa das 100-fache.

Noch ist openDVP vor allem ein Forschungswerkzeug. Langfristig könnte die Methode jedoch helfen, Krankheitsprozesse auf molekularer Ebene besser zu verstehen.

Gerade bei Krebs ist es z.B. wichtig, nicht nur einzelne Tumorzellen zu untersuchen, sondern auch ihre Wechselwirkungen mit den umliegenden Zellen. Solche Erkenntnisse könnten beispielsweise erklären, weshalb bestimmte Tumoren auf eine Behandlung ansprechen und andere eben nicht. Mit diesem Wissen könnte man Therapien immer weiter verfeinern und individuell anpassen.

Quelle
Nimo et al., Nature Methods, 2026
„OpenDVP: an experimental and computational framework for community-empowered deep visual proteomics”

doi.org/10.1038/…

proteomics nature methods helmholtz medizin
+6 Less molekular krebsforschung biologie wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild zeigt eine farbenprächtige Multiplex-Immunfluoreszenzaufnahme, die vom Max Delbrück Center für die Presseberichte zu dieser Studie zur Verfügung gestellt wurde. Die Darstellung ist durchaus kunstvoll, allerdings auch etwas unklar. Eine wirklich informative Bildbeschreibung dazu gibt es nämlich leider nicht.
Vermutlich handelt es sich um die mikroskopische Aufnahme eines Gewebeschnitts, möglicherweise aus einem Tumor. Auf der linken Seite sind zahlreiche rot, grün, gelb, violett und blau leuchtende Strukturen zu erkennen. Die Farben entstehen durch fluoreszierende Markierungen, mit denen bestimmte Proteine im Gewebe sichtbar gemacht werden. Welche Proteine hier genau markiert wurden, ist leider nicht angegeben.
Nach rechts geht die Aufnahme allmählich in eine computergestützte Darstellung über. Dort sind die einzelnen Zellen durch schwarze Umrisse voneinander abgegrenzt und unterschiedlich eingefärbt. Das veranschaulicht die sogenannte Zellsegmentierung, bei der eine Software die Zellen im Mikroskopiebild erkennt und voneinander unterscheidet.
Was die vielen Farben im Einzelnen bedeuten, bleibt offen. Es ist kleines biologisches Ratespiel, aber hübsch anzusehen ist es trotzdem. Und es veranschaulicht die vorgestellte Methodik auch ohne erschwerende Details.
Gesellschaft für Informatik eV @informatik mas.to

Ob Depression, ADHS oder Herzinfarkt: Wenn in medizinischen Datensätzen nicht alle Personengruppen gleichermaßen vertreten sind, kann das schwerwiegende Folgen haben – gerade mit Blick auf digitale Gesundheitstechnologien. Wer aufgrund von Geschlecht, Alter und sozialer Lage in Daten fehlt, wird im KI-Zeitalter schlechter diagnostiziert und behandelt.

Mit der Ausstellung „Blind Spots“ macht die GI im Wissenschaftsjahr 2026 des @bmftr_bund@social.bund.de auf dieses Problem aufmerksam.

Neben einer Tour durch Schulen, Bibliotheken und Kulturzentren ist die Ausstellung auch online verfügbar: blindspots.gi.de

Daten ADHS GenderHealthGap Medizin Depression
+2 Less data KI
Das Video zeigt eine Tour durch die Ausstellung: Eine Karte im Kreditkartenformat wird an einer Station aktiviert und kann dann genutzt werden, um unterschiedliche Exponate zu betrachten. Die Exponate sind Bildschirme, eingefasst in alte Bilderrahmen. Die darauf abgebildeten Gemälde fangen an sich zu bewegen, sobald die Karte an den Aktivierungspunkt der Station gehalten wird.
Tino Eberl @tinoeberl mastodon.online

📰 Forschung kann Leben retten oder verlängern – durch Warnungen vor #Risiken und Fortschritte in #Klimaanpassung, #Energiewende und #Medizin. Gut informiert kommt man besser durchs Leben.

Durch Eure Hilfe als #Steady-Förderer können jetzt die Amazon-Affiliate-Links schrittweise gelöscht werden. Das macht echt Spaß, dauert aber. 😄

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AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Pharmamarketing

Ein gemeinsames Mittagessen, die Einladung zu einer Fortbildung oder ein bezahlter Vortrag. Pharmaunternehmen nutzen unterschiedliche Wege, um mit Ärztinnen und Ärzten in Kontakt zu treten und über ihre Medikamente zu informieren. Doch welchen Einfluss haben solche Kontakte darauf, welche Medikamente Ärztinnen und Ärzte am Ende tatsächlich verschreiben?

Ein internationales Forschungsteam ist dieser Frage in einem neuen Cochrane Review nachgegangen.

Dafür werteten die Forschenden 93 Studien aus, die den Zusammenhang zwischen verschiedenen Marketingmaßnahmen der Pharmaindustrie und dem Verschreibungsverhalten untersucht hatten. Im Mittelpunkt standen die Anzahl der Verordnungen, die entstehenden Arzneimittelkosten und die Frage, ob die verschriebenen Medikamente den medizinischen Leitlinien entsprachen.

Die etwas ernüchternden Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang. Ärztinnen und Ärzte, die Geschenke oder Zahlungen von Pharmaunternehmen erhielten, verordneten größere Mengen an Medikamenten. Zugleich waren ihre Verordnungen häufiger medizinisch weniger angemessen (z.B. Abweichung von Leitlinie). Ob dies tatsächlich zu einer schlechteren Behandlung führte, lässt sich aus den Daten allerdings nicht ableiten.

Auch die Arzneimittelkosten waren bei Ärztinnen und Ärzten, die Zuwendungen erhielten, tendenziell höher. Das kann daran liegen, dass sie größere Mengen verschrieben oder häufiger zu teureren Präparaten griffen. Dieser Zusammenhang war wissenschaftlich etwas weniger gut abgesichert als die übrigen Befunde. In Statistik-Sprech würde man sagen: moderat.

In 49 der 62 Studien, die Geschenke und Zahlungen untersuchten, zeigte sich zudem eine sogenannte Dosis-Wirkungs-Beziehung. Je häufiger oder umfangreicher die Zuwendungen ausfielen, desto stärker war der Zusammenhang mit dem Verschreibungsverhalten.

Bis hierhin könnte man somit zusammenfassen: Die Marketingstrategien der Pharmakonzerne scheinen hervorragend zu funktionieren. Ob die Patientinnen und Patienten davon ebenfalls profitieren, bleibt, um es wohlwollend zu formulieren, offen.

Interessant ist daher eine zweite Forschungsebene, in der untersucht wurde, ob Regeln zum Umgang mit Interessenkonflikten einen Unterschied machen. Tatsächlich deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Einrichtungen, die solche Kontakte einschränken oder irgendwie stärker regulieren, eine eher leitliniengerechte Verschreibung praktizieren.

Allerdings gibt es einige Einschränkungen.

Fast alle ausgewerteten Untersuchungen waren Beobachtungsstudien, die keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang beweisen können. Zudem stammten 82 der 93 Studien aus den USA. Die anderen 11 stammen aus Europa, eine davon aus Deutschland.

Auch die tatsächlichen gesundheitlichen Folgen für Patientinnen und Patienten wurden in den Studien nicht untersucht. Eine Abweichung von der Leitlinie muss nicht zwangsläufig schlechter sein, wirft aber Fragen auf.

Der Review fasst zusammen, dass die Ergebnisse die Bedeutung unabhängiger Arzneimittelinformationen und klarer Regeln für den Umgang mit wirtschaftlichen Interessenkonflikten unterstreichen.

Tja, aber wie soll das denn möglich sein, insbesondere bei einzelnen Ärztinnen und Ärzten außerhalb größerer Einrichtungen? Strenge Selbstkontrolle? Ich habe Zweifel.

Quellen:

Mintzes et al. (2026), Cochrane Database of Systematic Reviews

doi.org/10.1002/…

Pressemeldung Cochrane Deutschland vom 9.10.26

cochrane.de/news/…

Das Bild zeigt eine bunter Mischung ausgeschütteter Tabletten in verschiedenen Formen und Farben. Es begleitet meinen Bericht zu dieser Studie als Symbolbild, da in dem verfügbaren Pressematerial keine Abbildung enthalten war, die ich hier hätte nutzen können. Ich habe das lizenzfreie Bild von freestocks heruntergeladen.
tagesschau @tagesschau ard.social

Wie die Lausitz den Ärztemangel in den Griff bekommen will

In Deutschland fehlen Tausende Hausärzte, besonders auf dem Land. Brandenburg will mit einer neuen staatlichen Medizinerausbildung gegensteuern, in einer Region, die besonders vom Strukturwandel betroffen ist. Von J. Piwon.

➡️ tagesschau.de/inland/…

Medizin Gesundheit Ärztemangel Ostdeutschland
3sat @3sat zdf.social

Schon 1874 entdeckte der Wiener Chirurg Theodor Billroth die keimtötende Wirkung des Pilzes Penicillium. Heute ist #Penicillin nach wie vor eine der stärksten medizinischen Waffen überhaupt. Abewr wie lange noch? #Dokutipp: 3sat.de/gesellschaft/…

Ausschnitte aus der Doku: Pillenproduktion, ein Operationssaal. Seit 100 Jahren ist Penicillin das wichtigste Antibiotikum der modernen Medizin. Zu Wort Daniela Angetter-Pfeiffer, Medizinhistorikerin, mit einer kurzen historischen Einordnung. Danach ein Frachtschiff auf dem Meer und Bilder von der Medikamentenproduktion. Einblendung der Frage: Doch verliert Europa die Kontrolle über das medizinische Wundermittel? Das Video endet mit der Einblendung des Doku-Titels: Verlorene Heilkraft.
tagesschau @tagesschau ard.social

Nobelpreisträger Hegemann in den tagesthemen: “Ich bin natürlich überwältigt”

Der Algenforscher Peter Hegemann hat Grund zum Feiern: Gemeinsam mit zwei weiteren Forschern erhält er den Medizin-Nobelpreis. In den tagesthemen berichtet er vom Nutzen der Optogenetik - und fordert mehr Mut von der Politik.

➡️ tagesschau.de/wissen/…

Nobelpreis Medizin Optogenetik tagesthemen

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