Pharmamarketing
Ein gemeinsames Mittagessen, die Einladung zu einer Fortbildung oder ein bezahlter Vortrag. Pharmaunternehmen nutzen unterschiedliche Wege, um mit Ärztinnen und Ärzten in Kontakt zu treten und über ihre Medikamente zu informieren. Doch welchen Einfluss haben solche Kontakte darauf, welche Medikamente Ärztinnen und Ärzte am Ende tatsächlich verschreiben?
Ein internationales Forschungsteam ist dieser Frage in einem neuen Cochrane Review nachgegangen.
Dafür werteten die Forschenden 93 Studien aus, die den Zusammenhang zwischen verschiedenen Marketingmaßnahmen der Pharmaindustrie und dem Verschreibungsverhalten untersucht hatten. Im Mittelpunkt standen die Anzahl der Verordnungen, die entstehenden Arzneimittelkosten und die Frage, ob die verschriebenen Medikamente den medizinischen Leitlinien entsprachen.
Die etwas ernüchternden Ergebnisse zeigen einen deutlichen Zusammenhang. Ärztinnen und Ärzte, die Geschenke oder Zahlungen von Pharmaunternehmen erhielten, verordneten größere Mengen an Medikamenten. Zugleich waren ihre Verordnungen häufiger medizinisch weniger angemessen (z.B. Abweichung von Leitlinie). Ob dies tatsächlich zu einer schlechteren Behandlung führte, lässt sich aus den Daten allerdings nicht ableiten.
Auch die Arzneimittelkosten waren bei Ärztinnen und Ärzten, die Zuwendungen erhielten, tendenziell höher. Das kann daran liegen, dass sie größere Mengen verschrieben oder häufiger zu teureren Präparaten griffen. Dieser Zusammenhang war wissenschaftlich etwas weniger gut abgesichert als die übrigen Befunde. In Statistik-Sprech würde man sagen: moderat.
In 49 der 62 Studien, die Geschenke und Zahlungen untersuchten, zeigte sich zudem eine sogenannte Dosis-Wirkungs-Beziehung. Je häufiger oder umfangreicher die Zuwendungen ausfielen, desto stärker war der Zusammenhang mit dem Verschreibungsverhalten.
Bis hierhin könnte man somit zusammenfassen: Die Marketingstrategien der Pharmakonzerne scheinen hervorragend zu funktionieren. Ob die Patientinnen und Patienten davon ebenfalls profitieren, bleibt, um es wohlwollend zu formulieren, offen.
Interessant ist daher eine zweite Forschungsebene, in der untersucht wurde, ob Regeln zum Umgang mit Interessenkonflikten einen Unterschied machen. Tatsächlich deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Einrichtungen, die solche Kontakte einschränken oder irgendwie stärker regulieren, eine eher leitliniengerechte Verschreibung praktizieren.
Allerdings gibt es einige Einschränkungen.
Fast alle ausgewerteten Untersuchungen waren Beobachtungsstudien, die keinen eindeutigen ursächlichen Zusammenhang beweisen können. Zudem stammten 82 der 93 Studien aus den USA. Die anderen 11 stammen aus Europa, eine davon aus Deutschland.
Auch die tatsächlichen gesundheitlichen Folgen für Patientinnen und Patienten wurden in den Studien nicht untersucht. Eine Abweichung von der Leitlinie muss nicht zwangsläufig schlechter sein, wirft aber Fragen auf.
Der Review fasst zusammen, dass die Ergebnisse die Bedeutung unabhängiger Arzneimittelinformationen und klarer Regeln für den Umgang mit wirtschaftlichen Interessenkonflikten unterstreichen.
Tja, aber wie soll das denn möglich sein, insbesondere bei einzelnen Ärztinnen und Ärzten außerhalb größerer Einrichtungen? Strenge Selbstkontrolle? Ich habe Zweifel.
Quellen:
Mintzes et al. (2026), Cochrane Database of Systematic Reviews
Pressemeldung Cochrane Deutschland vom 9.10.26