Agentic Coding
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Diese Woche habe ich gelesen wie ein Entwickler geschrieben hat, das er vor 30 Jahren aufgehört hat Assembler Code zu lesen und einfach dem Compiler vertraut hat. Heute macht er das gleiche mit Source Code und Agents. Es liest sich den Source Code nicht mehr durch. Er arbeitet nur noch mit dem Agenten.
Ich finde den Vergleich sehr treffend.
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Caveman: Claude Code redet wie Höhlenmensch
Im ohnehin dichten Strom neuer Claude-Code-Skills sticht ein Repository ungewöhnlich weit heraus. Caveman von Julius Brussee sammelt seit Anfang April 2026 ĂŒber 90.000 GitHub-Sterne ein. Die PrĂ€misse ist so simpel wie kurios: Der Skill weist Claude Code an, in einer rudimentĂ€ren, an Höhlenmenschen erinnernden Kurzform des Englischen zu antworten. Ein Alltagsbeispiel zeigt das Prinzip. Vorher: âIt is going to rain later this afternoon, so you might want to take an umbrella with youâ. Nachher: âRain later. Take umbrellaâ. Das Motto aus dem README bringt die Idee auf den Punkt: âwhy use many token when few do trickâ.
Was der Skill tut
Caveman bĂŒndelt Slash-Commands, einen MCP-Wrapper (Middleware zwischen Claude und externen Werkzeugen) und ein Skript zur Verdichtung der Memory-Dateien. Aktiviert wird der Modus per /caveman oder Klartext-Anweisung âtalk like cavemanâ. Drei Stufen sind in der Praxis relevant: lite (leichte KĂŒrzung), full (Default) und ultra (radikal). Brussee verspricht 65 bis 75 Prozent Token-Ersparnis. Daneben kondensiert /caveman-commit Commit-Botschaften, /caveman-review schrumpft PR-Kommentare auf eine Zeile, und /caveman-compress verdichtet Markdown-Memorys laut README um 46 Prozent.
Die Installation lĂ€uft in 30 Sekunden per curl-Einzeiler (macOS, Linux, WSL) oder PowerShell-irm (Windows). Voraussetzung: Node.js ab Version 18, Lizenz MIT. Neben Claude Code unterstĂŒtzt der Skill rund 30 weitere Coding-Agenten, darunter Codex, Cursor und Copilot.
Was den Reiz ausmacht
Zwei GrĂŒnde sprechen fĂŒr Caveman. Erstens die Token-Ăkonomie. Wer Claude hĂ€ufig nutzt, kennt die anschwellenden Token-ZĂ€hler. Ein um zwei Drittel kĂŒrzerer Output schlĂ€gt sich unmittelbar in der Abrechnung nieder und fĂŒllt das Kontextfenster langsamer, weil er als Verlauf in jeden weiteren Turn einflieĂt. Die Statistik /caveman-stats weist das eingesparte Volumen sogar in US-Dollar aus.
Zweitens die Geschwindigkeit, gleich in zweifacher Hinsicht: Eine Zeile wie âOff-by-one in pagination loop. Uses < not <=â erfasst sich schneller als der ausformulierte Stand der Lehre, den erfahrene Entwickler lĂ€ngst kennen. Und weil LLMs Tokens sequenziell erzeugen, sinkt mit kĂŒrzerem Output auch die Antwortzeit. Bei langen ErklĂ€rungen spĂŒrbar, bei knappen Antworten weniger.
Wo der Charme bröckelt
So weit die Werbeprosa. In der RealitĂ€t stöĂt das Konzept rasch an Grenzen, die das Repository selbst nicht thematisiert.
Die wichtigste betrifft die Sprache. SĂ€mtliche Regeln im Skill-Prompt sind auf Englisch zugeschnitten. Der Skill weist Claude an, die Artikel a, an und the zu streichen, listet englische FĂŒllwörter wie âjustâ, âreallyâ, âbasicallyâ, âactuallyâ und âsimplyâ sowie englische Höflichkeitsfloskeln wie âsureâ, âcertainlyâ oder âhappy toâ. Die mitgelieferten Beispiele zeigen ausschlieĂlich englische Ausgaben. In der Praxis funktioniert der Modus deshalb nur auf Englisch gut.
Die zweite Grenze ist die Nuance. Komprimierung ist immer Verlust. Aus âThis pattern is acceptable because the component owns its state, but in a shared-state context it would cause re-rendersâ wird in full schnell âstate local, fine. shared, badâ. Die Aussage stimmt im Kern, die fĂŒr eine Architekturentscheidung relevante Bedingung verschwindet jedoch. Erfahrene Entwickler kompensieren das mit Nachfragen, die allerdings jede Token-Ersparnis ad absurdum fĂŒhren, weil jede KlĂ€rung selbst wieder Tokens kostet. Einsteiger nehmen die verkĂŒrzte Heuristik unter UmstĂ€nden als Regel. Genau hier liegt die Crux: Der Modus spart Token in jenen Antworten, in denen die Nuancen am ehesten zĂ€hlen.
Zwei Erkenntnisse aus der KI-Forschung erweitern diese Skepsis. Sprachmodelle sind auf vollstĂ€ndige Prosa trainiert; regulĂ€re Antworten liegen nĂ€her an dieser Trainingsverteilung und fallen schon deshalb substanzieller aus. Eine ACL-2024-Studie (Jin et al.) zeigt zudem: VerkĂŒrzte Reasoning-Schritte mindern die Leistung selbst bei erhaltener Information. Caveman beschneidet damit jenen âDenkraumâ, den das Modell sonst ĂŒber seine Ausgabe-Tokens entfaltet.
Hype-Kurve und stille Indizien
Die Sterne-Kurve stĂŒtzt eine vorsichtige Lesart. Nach dem viralen Initialschub flacht das tĂ€gliche Wachstum sichtbar ab. Auch die offenen Issues hĂ€ufen sich schneller, als Commits sie abarbeiten. Eindeutig zu lesen ist das nicht: Es kann ein Warnsignal sein, ebenso gut aber Folge einer Zeit, in der KI-Assistenten Issues und Pull Requests in einem Tempo einreichen, das ein einzelner Maintainer kaum noch sortieren kann.
Das wichtigste Indiz: WĂ€re das Konzept ein echtes ProduktivitĂ€tswerkzeug, hĂ€tte Anthropic selbst lĂ€ngst eine vergleichbare Funktion in Claude Code eingebaut oder das Projekt ĂŒbernommen. Bislang ist davon nichts zu sehen. Auch in Teams, die den Skill in Coding-Sessions testen, bleibt nach informellen Berichten nur ein Bruchteil dauerhaft beim Caveman-Modus.
Was sich mitnehmen lÀsst
Den Kern der Idee gibt es auch ohne Plugin. Eine kurze Anweisung in der projektweiten CLAUDE.md oder der globalen ~/.claude/CLAUDE.md reicht:
- Fasse dich kurz. Verzichte auf Höflichkeitsfloskeln, einleitende
BestÀtigungen und Wiederholungen der Frage.
- Antworte direkt mit dem technischen Kern, gerne in Stichpunkten.
- Code-Blöcke, Fehlermeldungen und Bezeichner bleiben unverĂ€ndert.Das funktioniert sprachneutral und lĂ€sst vollstĂ€ndige SĂ€tze zu, wo Nuancen tragen. Hooks und MCP-Wrapper bleiben auĂen vor, der Lerngewinn nicht.
Fazit
Caveman ist ein gelungener Hack und ein Beleg dafĂŒr, wie schnell ein Meme heute GitHub-Trends dominiert. Als gelegentliches Experiment fĂŒr Routinesitzungen lĂ€sst sich der Modus rechtfertigen. Als Default-Setting fĂŒr seriöses Pair-Programming taugt er nicht. Wer Token sparen will, fĂ€hrt mit dieser CLAUDE.md-Regel besser. Antworten zu kĂŒrzen bleibt eine gute Idee. Der Höhlenmensch-Sprech muss es dafĂŒr nicht sein.
Pro und Contra
| + | â |
|---|---|
| 65 bis 75 % weniger Output-Token, sichtbar in Rechnung und Kontextfenster | Regeln und Beispiele rein englisch, deutscher Einsatz kaum praktikabel |
| Schnellere Antworten bei langen ErklÀrungen | Nuancenverlust gerade bei Architekturfragen |
| VerkĂŒrztes Reasoning kann laut ACL-2024-Studie die Modellleistung mindern |