Wenn ein Irrtum fast 50 Jahre überlebt
Manche wissenschaftlichen Erkenntnisse entstehen aus der genauen Nachprüfung alter Annahmen. Diese stellen sich dann mitunter als falsch heraus. Genau das ist Forschenden der Universität Jena und des Leibniz-HKI nun bei einem bekannten Pilzgift gelungen.
Im Mittelpunkt steht Muscarin, ein Nervengift, das in verschiedenen Pilzarten vorkommt und schwere Vergiftungen auslösen kann. Seit 1977 galt ein Modell als etabliert, das beschreiben sollte, wie Pilze diesen Stoff herstellen. Doch als die Forschenden die damaligen Ergebnisse mit modernen Methoden überprüften, stießen sie auf Widersprüche.
Eigentlich wollten sie das bestehende Modell bestätigen und weiter ausbauen. Stattdessen zeigte sich, dass der angenommene Ausgangsstoff der Biosynthese gar nicht beteiligt ist.
Die Forschenden mussten ihre ursprüngliche Hypothese verwerfen und ein neues Modell entwickeln. Ihren Ergebnissen zufolge beginnt die Herstellung von Muscarin mit der Aminosäure L-Lysin und nicht mit Glutamin, wie fast fünf Jahrzehnte lang angenommen wurde.
Die Arbeit liefert damit nicht nur neue Einblicke in die Entstehung eines wichtigen Pilzgifts. Sie könnte langfristig auch helfen, weitere Zwischenprodukte des Stoffwechsels aufzuspüren und besser zu verstehen, welche Substanzen bei Pilzvergiftungen eine Rolle spielen.
Fast fünfzig Jahre lang galt ein Modell als richtig, bis moderne Analysemethoden Zweifel daran aufkommen ließen.
Wissenschaft ist kein Stillstand, sondern ein fortlaufender Prozess von Hypothesen, Überprüfung und Korrektur.
Alles, was wir wissen, entspricht dem Erkenntnisstand seiner Zeit.
Quelle:
Dörner et al. (2026), Angewandte Chemie International Edition
onlinelibrary.wiley.com/doi/…