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Bernd SchnĂŒcker @lernenverstehen colearn.social

#neuhier
#moin#servusPĂ€dagoge fĂŒr Erwachsenenbildung, hybrides und digitales Lernen. Mich beschĂ€ftigt, was Lernangebote wirklich wirksam macht.

đŸ—Żïž WorĂŒber ich mich hier austauschen möchte: Lernwirksamkeit, Lernmythen, Kursdidaktik, persönliches Wissensmanagement, 


Über Empfehlungen, wem ich hier folgen könnte oder sollte, freue ich mich. đŸ€—

Dr. Thomas Wiesner @thomas bizzfed.de

Ein Aha-Moment
Heute ein Praxisbeispiel aus einem Bereich, in dem AnwendungsfĂ€lle fĂŒr KI manchmal ĂŒbersehen werden. Ich habe mir eine wiederkehrende Arbeitsroutine aus dem Controlling zeigen lassen.

Jeden Monat werden Arbeitsstunden aus SAP exportiert und in Excel aufbereitet. Unwichtige Zeilen und Spalten mĂŒssen entfernt, neue Spalten ergĂ€nzt und Formeln eingefĂŒgt werden.

Parallel wird eine zweite Tabelle aus Confluence, einem internen Wiki und Dokumentationstool, exportiert. Sie enthĂ€lt die Zuordnung von Personen, Projekten und Stunden. Auch diese Daten mĂŒssen zunĂ€chst aufbereitet werden, bevor beide Tabellen miteinander verglichen werden können.

Bei Abweichungen werden anschließend die betroffenen Personen per E-Mail angeschrieben. Derselbe fehleranfĂ€llige Ablauf wiederholt sich jeden Monat fĂŒr unterschiedliche Projekte und benötigt mehrere Stunden.

FĂŒr mich begann die Optimierung mit der Frage: „Welche Schritte benötigen tatsĂ€chlich eine menschliche Beurteilung?“

Das Ergebnis: Nur die gefundenen Abweichungen mĂŒssen noch menschlich auf PlausibilitĂ€t geprĂŒft werden.

Gemeinsam haben wir in zwei Stunden einen Workflow aufgesetzt, der die Daten automatisiert zusammenfĂŒhrt und in einer einheitlichen Excel-Tabelle aufbereitet. Abweichungen werden markiert, ĂŒbersichtlich sortiert und passende E-Mails vorformuliert. Aus mehreren Stunden manueller Arbeit wurde damit ein kurzer Reviewprozess fĂŒr die Abweichungen und das damit verbundene, bewusste manuelle Versenden der E-Mail-EntwĂŒrfe.

Durch das gemeinsame Erarbeiten des Workflows kam es zu einem Aha-Moment: „Das ist ja großartig, ich hĂ€tte nicht gedacht, dass das funktioniert.“ Daraus entstanden direkt mehrere Effekte:

Changeprozess: KI ist kein abstraktes Tool oder eine Bedrohung fĂŒr meinen Arbeitsplatz, sondern ein Werkzeug, das bei einer konkreten Aufgabe unterstĂŒtzt.
BefĂ€higung: Die Person konnte anschließend selbststĂ€ndig weitere Workflows umsetzen.
Motivation: Plötzlich sprudelte es nur so vor Ideen fĂŒr die nĂ€chsten Automatisierungen.

BefĂ€higung entsteht nicht durch eine allgemeine Toolvorstellung, sondern durch das gemeinsame Lösen eines echten Problems. So macht Arbeiten Spaß.

Kennt ihr aus eurem Umfeld Àhnliche Aha-Momente mit KI-Tools?

Dr. Thomas Wiesner @thomas bizzfed.de

Die KI-Einsparung ist schon eingeplant – aber wer bezahlt die Lernkurve?
In aktuellen GesprĂ€chen ĂŒber neue Projekte beobachte ich die beunruhigende Entwicklung, dass bereits bei der Kostenkalkulation mögliche Effizienzsteigerungen durch KI eingepreist werden sollen.

DafĂŒr werden ExpertenschĂ€tzungen eingefordert, wie viel sich wĂ€hrend der Projektlaufzeit einsparen lĂ€sst. Das Einsparpotenzial wird teilweise schon vor dem Projektstart berĂŒcksichtigt, unabhĂ€ngig davon, ob die im Projekt eingesetzten Mitarbeiter*innen mit den neuen Werkzeugen bereits arbeiten können.

Besonders problematisch wird es, wenn Projekte deshalb direkt mit weniger Personal geplant werden. Wer das Werkzeug noch nicht sicher beherrscht, soll dann die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigen. Aus einem Effizienzversprechen kann so schnell Überlastung werden.

Was dagegen oft in der Kalkulation fehlt, sind Lizenzkosten und die schwer vorhersehbaren Kosten der Token-Nutzung. Noch wichtiger sind Schulungen, Prozessanpassungen, neue QualitĂ€tskontrollen, DatenschutzprĂŒfungen und die notwendige Zeit zum Ausprobieren.

Die ProduktivitÀts-J-Kurve beschreibt genau diesen zeitlichen Versatz: Neue Technologien benötigen zunÀchst ergÀnzende Investitionen. Der messbare Nutzen folgt hÀufig spÀter [1].

Dass es sich fĂŒr Unternehmen lohnt, KI frĂŒh und strukturiert zu erproben, steht fĂŒr mich außer Frage [2]. Gerade deshalb sollten Erwartungen nicht mit belastbaren Erfahrungswerten verwechselt werden.

Aus meiner Sicht braucht es einen klaren Ablauf: Erfahrungen in laufenden Projekten sammeln, BeschĂ€ftigte qualifizieren und die tatsĂ€chliche Entlastung messen. Erst daraus entsteht eine tragfĂ€hige Kalkulationsgrundlage fĂŒr neue Projekte.

Erst befÀhigen, dann messen und erst danach einkalkulieren.

FĂŒr kĂŒnftige GesprĂ€che möchte ich deshalb drei Fragen stellen: Wer bekommt Zeit zum Lernen? Woran messen wir die tatsĂ€chliche Entlastung? Und was passiert mit der Personalplanung, solange diese Antworten noch fehlen?

Quellen
[1] Brynjolfsson, Rock und Syverson: The Productivity J-Curve, American Economic Journal: Macroeconomics, 2021. (AEA)

[2] LMU MĂŒnchen: „Es lohnt sich fĂŒr Unternehmen, KI frĂŒh zu erproben“. Interview mit Florian Englmaier, 25. MĂ€rz 2026. (LMU MĂŒnchen)

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