Egal wie wütend ihr seid. Bitte nicht so wütend, dass ihr Teile des Fediverse mit vor den Bus werft.
Macht Bildbeschreibungen zu euren Statements in Medienform. (und teilt es nicht, wenn ihr sowas seht, bevor es angepasst wurde).
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Egal wie wütend ihr seid. Bitte nicht so wütend, dass ihr Teile des Fediverse mit vor den Bus werft.
Macht Bildbeschreibungen zu euren Statements in Medienform. (und teilt es nicht, wenn ihr sowas seht, bevor es angepasst wurde).
Vielen Dank, dass Du an T4 & die ableistischen Massenmorde in Grafeneck erinnerst.
Menschenwürde ist unteilbar & wird doch bereits wieder vielfach relativiert, angegriffen.
Habe die einstige Tötungsanstalt besucht & dort einen trialogischen Podcast aufgenommen. Denn „Nie wieder!“ ist längst…
#Ableismus #Massenmorde #T4 #Nazis #Grafeneck #Geschichte #Erinnerung #Podcast
Bahn. Ein Typ im Trikot eines rechtsextrem bekannten Clubs setzt sich ungefragt neben mich, seine Kumpels grinsen:
„Die Augen sind ja nur ein Teil vom Gehirn. Bist du dann geistig behindert? HAHAHA“
Meine Antwort:
„Korrekt, die Retina ist embryologisch eine Ausstülpung des Diencephalons. Ihr Syllogismus scheitert jedoch an einer Kategorienverwechslung. Ferner korreliert die Kohärenz Ihrer Argumentation augenscheinlich invers mit Ihrer Kohortenzugehörigkeit.“
Stille. Stirnrunzeln. Er stand auf und ging.
Ich sehe schlecht. Er denkt schlecht. Nur eins davon ist behindernd.
Juni 2025. Friedrich Merz (CDU) nennt die jährlichen Kostensteigerungen der Eingliederungshilfe „nicht länger akzeptabel“.
Eingliederungshilfe, das ist die Assistentin, die Tim morgens aus dem Bett hilft. Die Schulbegleitung, ohne die Lena nicht in die Klasse kann. Der Mensch, der mit Paul einkaufen geht.
Über 230.000 Menschen unterschreiben dagegen.
Ein Jahr später hält der Kanzler an seinem Sparkurs fest.
Er sagt „Kosten“. Gemeint sind Menschen.
2018 die rechtsextreme AfD-Fraktion im Bundestag fragt nach Schwerbehinderten in Deutschland. Sie will wissen, wie viele Behinderungen durch „Heiraten innerhalb der Familie“ entstehen und wie viele Betroffene einen Migrationshintergrund haben.
Menschen werden gezählt und nach Ursache und Herkunft sortiert.
18 Sozialverbände schalten eine Anzeige. Sie sagen, das erinnere an die dunkelsten Zeiten.
Eine Mutter liest die Nachricht und fragt sich, in welche Spalte ihr Sohn wohl gehört.
Auf der Dienstbesprechung geht ein Zettel rum: Termine, Listen, Kuchenplan. Kleine Schrift, hellgrau auf weiß.
Alle tragen sich ein. Ich kann es nicht lesen.
Ich frage, ob man es mir digital schicken kann. Die Antwort: „Ach, ist doch nur ein Zettel.“
Beim nächsten Fest heißt es: „Der bringt ja nie was mit.“
Ich hätte gerne. Ich wusste nur nicht, wann und was.
Ein Zettel ist kein Problem, außer für die, die ihn nicht sehen.
„Boah, ist das behindert.“
Du sagst es über dein Handy, das hängt. Über die Bahn, die Verspätung hat. Über ein Gesetz, das du nicht verstehst.
Du meinst es ja nicht so.
Am Nebentisch sitzt eine Mutter. Ihr Sohn ist behindert.
Für dich ist das Wort ein Synonym für „kaputt“, „dumm“ und „nervig“.
Für sie ist es ihr Kind.
Du hast es nicht so gemeint. Aber du hast es gesagt, und zwar laut.
Markus parkt auf dem Behindertenparkplatz, „nur kurz, zum Bäcker“. Niemand sagt etwas.
Svenja parkt dort mit Ausweis. Sie hat MS, und man sieht es ihr heute nicht an. Ein Mann schreit sie an: „Schämen Sie sich! Sie sehen doch gesund aus!“ Er fotografiert ihr Kennzeichen.
Svenja zittert beim Aussteigen. Diesmal liegt es nicht an der MS.
Markus hat sich seine Brötchen gekauft.
Nicht jede Behinderung sieht man. Jede Beleidigung spürt man.
1940: Paula ist 9 und hat Epilepsie. Ein grauer Bus holt sie aus der Anstalt ab. Ihre Eltern bekommen einen Brief: „Lungenentzündung. Leider verstorben.“
Über 70.000 Menschen wurden allein in der „Aktion T4“ vergast, insgesamt waren es Hunderttausende. Für die Nazis waren sie nur „lebensunwert“.
Die Nachbarskinder wurden erwachsen.
Wer glaubt, dieses Denken sei verschwunden, sollte Kommentarspalten lesen.
Eine Mutter schrieb mir privat. Ich hatte einst ihr Kind In der Kita (Nachbargruppe). Ihr Sohn ist sieben, Autist, und er liebt Buchstaben. Er wollte so gern in die Schule. Doch die Schulbegleitung wurde nicht bewilligt. Erst Antrag, dann Ablehnung, dann Widerspruch. Lange Monate vergingen. Jeden Morgen stand er mit seinem Ranzen an der Tür und fragte: „Heute?“ Und jeden Morgen musste sie Nein sagen. Irgendwann hat er aufgehört zu fragen. Den Ranzen räumte er tief in den Schrank. Das nennt ihr Bildungsgerechtigkeit? In seiner Förderschule hat er bis heute nur gelernt, dass er unerwünscht ist.
„Was wir uns künftig nicht mehr leisten können“: So überschreibt Ex-CDU-Ministerin Kristina Schröder eine Kolumne über Menschen mit Behinderung. Assistenz, Schulbegleitung, Reiseassistenz: für sie alles zu teuer.
Das ist ungeheuerlich. Teilhabe ist kein Luxus, sondern ein Menschenrecht. Wer sie zum Kostenposten macht, sagt Millionen Menschen: Euer Platz in der Gesellschaft ist mir scheißegal.
Frau Schröder spart an denen, die sich am wenigsten wehren können. Menschenrechte stehen nicht unter Haushaltsvorbehalt. Nie.