Von Angst und Eichen
Ăkologische ZusammenhĂ€nge sind immer wieder faszinierend. Eine neue Studie aus den USA zeigt, dass sogar die Angst eines Tieres vor seinen Fressfeinden beeinflussen kann, wo neue BĂ€ume wachsen.
Eichhörnchen sammeln bekanntlich NĂŒsse und Samen und legen VorrĂ€te fĂŒr Zeiten an, in denen die Futterquellen knapp sind. Ein Teil dieser VorrĂ€te bleibt jedoch im Boden zurĂŒck. Aus diesen vergrabenen Samen können dann neue Pflanzen entstehen. Doch wo die Tiere die Samen ablegen, ist nicht zufĂ€llig.
Zwei Forscher der University of Florida untersuchten dazu das Verhalten von Fuchshörnchen (Sciurus niger) in einer Kiefernsavanne im SĂŒdosten der USA. Sie verfolgten markierte Eicheln, erfassten die FressplĂ€tze und Vorratsverstecke der Hörnchen und schĂ€tzten mithilfe von Futterexperimenten ab, wie hoch die Tiere das Risiko durch Fressfeinde an diesen Orten einschĂ€tzten.
Dabei zeigte sich ein interessanter Unterschied. Die Hörnchen fraĂen Eicheln bevorzugt an geschĂŒtzten Stellen unter dem BlĂ€tterdach. Ihre VorrĂ€te vergruben sie dagegen eher nicht an diesen geschĂŒtzten Orten, sondern hĂ€ufiger weiter entfernt von den Eichen, an offeneren Stellen, an denen sie ein gröĂeres Risiko durch Fressfeinde wahrnahmen.
Das mag zunĂ€chst komisch anmuten, macht aber durchaus Sinn. Denn auch andere Eichhörnchen mĂŒssen sich dort einem höheren Risiko aussetzen, wenn sie nach fremden VorrĂ€ten suchen. FĂŒr das Tier, das die Eichel vergraben hat und den genauen Ort kennt, ist das Risiko aber viel niedriger, da es sich nur kurz und gezielt an diesem unsicheren Ort aufhĂ€lt.
Interessant sind die Folgen dieser Entscheidung fĂŒr die Eichen. TatsĂ€chlich ist es nĂ€mlich so, dass vergrabene Eicheln mit ganz erheblich höherer Wahrscheinlichkeit keimen als solche, die einfach auf dem Boden liegen.
So ist es nicht verwunderlich, dass sich die rÀumliche Verteilung junger Eichen mit den bevorzugten Vorratsverstecken decken. Insgesamt kann man somit durchaus feststellen, dass die Angst der Eichhörnchen vor ihren Fressfeinden indirekt beeinflusst, wo neue Eichen wachsen.
Etwas ĂŒberspitzt wĂŒrde ich sogar ableiten, dass das alleinige Vorhandensein entsprechender Beutegreifer einen Einfluss auf die Eichenpopulation hat, ohne dass diese beiden Arten ĂŒberhaupt direkt etwas miteinander zu tun haben.
So ist das eben in Ăkosystemen. Umso wichtiger, sie zu schĂŒtzen.
Quelle:
Potash & McCleery (2026), Ecology
âPredation risk alters prey caching behavior and resultant tree establishment patternsâ
doi.org/10.1002/âŠ