Post by Michael Gisiger

Wenn die Kennzahl zum Ziel wird

Kennzahlen sind nützlich. Sie reduzieren Komplexität, machen Entwicklungen sichtbar und helfen uns, Entscheidungen zu treffen.

Problematisch wird es, wenn wir beginnen, die Kennzahl selbst zu optimieren statt das, was sie eigentlich messen sollte.

Genau darauf weist Goodharts Gesetz hin: Sobald eine Messgrösse zum Ziel wird, verliert sie einen Teil ihres Werts als Messgrösse.

Das lässt sich leicht auf Bildungsorganisationen übertragen.

Eine hohe Abschlussquote sagt etwas über einen Lehrgang aus – aber nicht automatisch, wie viel gelernt wurde. Gute Evaluationsergebnisse sind erfreulich, können aber auch entstehen, weil ein Kurs angenehm statt anspruchsvoll war. Und eine steigende Zahl von KI-Nutzungen in einer Organisation beweist noch keine gewachsene AI Literacy.

Das Problem liegt dabei nicht in den Kennzahlen selbst. Es entsteht, wenn Messung und Ziel miteinander verwechselt werden.

Für Führung und Qualitätsmanagement sind deshalb für mich drei Fragen mindestens so wichtig wie die eigentliche Zahl:

  • Was soll diese Kennzahl tatsächlich abbilden?
  • Welches Verhalten erzeugt sie, sobald Menschen beginnen, darauf zu optimieren?
  • Was bleibt unsichtbar, wenn wir nur auf diese Zahl schauen?

Metriken sind gute Wegweiser. Aber schlechte Reiseziele.

Photos: CC BY 4.0 (reuse with credit)

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