Die Bedeutung von Nähe
Manche Studien berühren mein Herz, weil sie etwas messbar machen, das wir vielleicht intuitiv längst spüren. Die Studie heute erzählt davon, dass liebevolle Nähe nicht nur emotional erlebt wird, sondern bis in körperliche Heilungsprozesse hineinreichen kann.
Ein internationales Forschungsteam unter Federführung der Universität und des Universitätsklinikums Heidelberg untersuchte, wie Oxytocin und Nähe in einer Partnerschaft gemeinsam die Wundheilung beeinflussen. Oxytocin ist ein Botenstoff, der bei sozialen Bindungen und Berührungen eine wichtige Rolle spielt. Daher wird er auch als „Kuschelhormon“ bezeichnet. Er wird bei liebevollern Berührungen jeglicher Art ausgeschüttet und beeinflusst, wie unser Körper soziale Erfahrungen verarbeitet.
An der Studie nahmen 80 Paare teil. Allen Personen wurden vier kleine standardisierte Saugblasenwunden am Unterarm zugefügt. Anschließend erhielten sie über mehrere Tage entweder Oxytocin oder ein Placebo als Nasenspray. Ein Teil der Paare führte zusätzlich wertschätzende Gespräche über die eigene Beziehung. Zugleich hielten die Teilnehmenden im Alltag fest, wie häufig sie liebevolle Berührungen austauschten.
Am Ende zeigte sich vor allem das Zusammenspiel von Oxytocin und gelebter Nähe. Bei den Personen, die Oxytocin erhalten hatten, heilten die Wunden umso schneller, je häufiger sie liebevolle Berührungen oder achtsame Zuwendung mit ihrem Partner erlebt hatten. Die Forschenden beschreiben den Botenstoff deshalb als sozialen Verstärker.
Für mich liegt darin eine schöne Erkenntnis. Nähe ist kein emotionaler Luxus, sondern gehört zu den Bedingungen, unter denen unser Körper Stress verarbeitet und gesund bleiben kann. Gerade in einem oft hektischen Alltag, in dem der Umgang schnell rau wird und wenig Zeit für bewusste Zuwendung bleibt, sollten wir solche kleinen Momente nicht unterschätzen. Sie tun nicht nur der Seele gut. Und das gilt natürlich nicht nur für Partnerschaften.
Schneider et al. (2025), JAMA Psychiatry
doi.org/10.1001/…