FĂŒr wen betreiben wir eigentlich noch unsere Webserver?
Manchmal frage ich mich, fĂŒr wen wir eigentlich Webprojekte entwickeln, betreiben und pflegen.
UrsprĂŒnglich ist die Antwort ganz einfach: fĂŒr Menschen.
Wir stellen Informationen bereit, entwickeln Anwendungen, ermöglichen Kommunikation und schaffen digitale Angebote, die anderen Menschen einen Nutzen bringen sollen.
Doch wenn ich mir heute unsere Serverprotokolle ansehe, entsteht zunehmend ein anderes Bild.
Nach unseren bisherigen Auswertungen sind mindestens 75 % der registrierten Zugriffe verdĂ€chtig oder angreiferisch. Und diese SchĂ€tzung dĂŒrfte eher zurĂŒckhaltend sein.
NatĂŒrlich ist nicht jeder automatisierte Zugriff ein Angriff. Suchmaschinen, Monitoring und die Kommunikation föderierter Netzwerke gehören ebenso zum Internet. Doch sie Ă€ndern nichts an der Entwicklung, die ich in unserer tĂ€glichen Arbeit beobachte.
Wir beschĂ€ftigen uns immer intensiver mit der Abwehr von Angriffen, der Erkennung verdĂ€chtiger AktivitĂ€ten, der Absicherung von Anwendungen und der Ăberwachung unserer Infrastruktur.
Firewalls, Sperrlisten, Angriffserkennung, Sicherheitsupdates und Protokollanalysen beanspruchen zunehmend unsere Aufmerksamkeit.
All das ist notwendig. Ohne diese MaĂnahmen könnten wir unsere Webprojekte kaum noch zuverlĂ€ssig betreiben.
Aber genau darin liegt das Problem.
Wir investieren immer mehr Arbeit, um unsere Webprojekte vor Missbrauch zu schĂŒtzen, statt ihre eigentlichen Funktionen fĂŒr menschliche Besucher weiterzuentwickeln.
Eine ursprĂŒnglich unterstĂŒtzende TĂ€tigkeit beginnt, unsere eigentliche Arbeit zu verdrĂ€ngen.
Dabei geht es nicht nur um zusĂ€tzliche Kosten fĂŒr Rechenleistung, Speicherplatz oder Datenverkehr. Es geht um unsere begrenzte Arbeitszeit, unsere Konzentration und unsere Möglichkeiten, neue Ideen umzusetzen.
Jede Stunde, die wir mit der Untersuchung automatisierter Angriffe verbringen mĂŒssen, steht uns fĂŒr die Weiterentwicklung unserer Webprojekte nicht zur VerfĂŒgung.
SelbstverstÀndlich gehört Sicherheit seit jeher zum Betrieb von IT-Systemen. Aber ich frage mich zunehmend, ob das VerhÀltnis zwischen der eigentlichen Aufgabe und dem notwendigen Schutz noch angemessen ist.
Denn wir betreiben unsere Server nicht, um Angriffe abzuwehren.
Wir wehren Angriffe ab, damit wir unsere Server fĂŒr Menschen betreiben können.
Dieser Unterschied erscheint mir wesentlich.
Wie erleben andere Administratoren und Entwickler diese Entwicklung? Wie viel eurer tĂ€glichen Arbeit dient noch unmittelbar der Verbesserung eurer Angebote â und wie viel Zeit verbringt ihr inzwischen damit, deren Betrieb gegen Missbrauch abzusichern?