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Steffen 🦉🇪🇺 @steffen friendica-deutschland.de

Für wen betreiben wir eigentlich noch unsere Webserver?

Manchmal frage ich mich, für wen wir eigentlich Webprojekte entwickeln, betreiben und pflegen.

Ursprünglich ist die Antwort ganz einfach: für Menschen.

Wir stellen Informationen bereit, entwickeln Anwendungen, ermöglichen Kommunikation und schaffen digitale Angebote, die anderen Menschen einen Nutzen bringen sollen.

Doch wenn ich mir heute unsere Serverprotokolle ansehe, entsteht zunehmend ein anderes Bild.

Nach unseren bisherigen Auswertungen sind mindestens 75 % der registrierten Zugriffe verdächtig oder angreiferisch. Und diese Schätzung dürfte eher zurückhaltend sein.

Natürlich ist nicht jeder automatisierte Zugriff ein Angriff. Suchmaschinen, Monitoring und die Kommunikation föderierter Netzwerke gehören ebenso zum Internet. Doch sie ändern nichts an der Entwicklung, die ich in unserer täglichen Arbeit beobachte.

Wir beschäftigen uns immer intensiver mit der Abwehr von Angriffen, der Erkennung verdächtiger Aktivitäten, der Absicherung von Anwendungen und der Überwachung unserer Infrastruktur.

Firewalls, Sperrlisten, Angriffserkennung, Sicherheitsupdates und Protokollanalysen beanspruchen zunehmend unsere Aufmerksamkeit.

All das ist notwendig. Ohne diese Maßnahmen könnten wir unsere Webprojekte kaum noch zuverlässig betreiben.

Aber genau darin liegt das Problem.

Wir investieren immer mehr Arbeit, um unsere Webprojekte vor Missbrauch zu schützen, statt ihre eigentlichen Funktionen für menschliche Besucher weiterzuentwickeln.

Eine ursprünglich unterstützende Tätigkeit beginnt, unsere eigentliche Arbeit zu verdrängen.

Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Kosten für Rechenleistung, Speicherplatz oder Datenverkehr. Es geht um unsere begrenzte Arbeitszeit, unsere Konzentration und unsere Möglichkeiten, neue Ideen umzusetzen.

Jede Stunde, die wir mit der Untersuchung automatisierter Angriffe verbringen müssen, steht uns für die Weiterentwicklung unserer Webprojekte nicht zur Verfügung.

Selbstverständlich gehört Sicherheit seit jeher zum Betrieb von IT-Systemen. Aber ich frage mich zunehmend, ob das Verhältnis zwischen der eigentlichen Aufgabe und dem notwendigen Schutz noch angemessen ist.

Denn wir betreiben unsere Server nicht, um Angriffe abzuwehren.

Wir wehren Angriffe ab, damit wir unsere Server für Menschen betreiben können.

Dieser Unterschied erscheint mir wesentlich.

Wie erleben andere Administratoren und Entwickler diese Entwicklung? Wie viel eurer täglichen Arbeit dient noch unmittelbar der Verbesserung eurer Angebote – und wie viel Zeit verbringt ihr inzwischen damit, deren Betrieb gegen Missbrauch abzusichern?

Ein Berufsweg, der 1990 neu beginnen musste

Wenn ich heute meinen beruflichen Werdegang aufschreibe, entsteht kein geradliniger Lebenslauf. Die Gründe dafür liegen auch in der Zeit der Wiedervereinigung.

Ich hatte in der DDR Maschinenbauer gelernt, mehrere Schweißerprüfungen abgelegt und anschließend eine Fachschule für Maschinenbau besucht. An der Umrüstung eines Montageroboters zum Schweißroboter hatte ich praktisch mitgearbeitet. Nach der Wiedervereinigung wurde meine Fachschulausbildung in Deutschland nicht anerkannt.

Von behördlicher Seite wurde mir damals eine Tätigkeit als Hilfsarbeiter auf dem Bau nahegelegt, beim Gießen von Estrichböden. Ich habe nichts gegen diese Arbeit. Für mich bedeutete der Vorschlag aber, dass meine Ausbildung und meine bisherigen Fähigkeiten beruflich kaum eine Rolle spielen sollten.

Deshalb begann ich im Juni 1990, freischaffend zu arbeiten. Der Weg führte mich über die Disposition einer Spedition zum IT-Service, zu Hardware-Reparaturen und zur Systemadministration. Ich betreute unter anderem Systeme bei der Lufthansa, baute Kassensysteme für Höft & Wessel auf und entwickelte später gemeinsam mit Doris Richter umfangreiche Webprojekte. Vieles, was ich dafür wissen musste, habe ich mir autodidaktisch und in der praktischen Arbeit angeeignet.

Heute betreue ich Linux-Server und entwickle individuelle Webprojekte. Gemeinsam mit Doris habe ich außerdem die TrendTechnik® aufgebaut, einen Fachbereich zur methodischen Analyse von Kursverläufen. Seine Grundlagen haben wir durch planmäßig angelegte, dokumentierte und wiederholt überprüfte Untersuchungen erarbeitet. Dabei orientierten wir uns an wissenschaftlichen Arbeitsweisen.

Ich schreibe das, weil ein Lebenslauf mit vielen Wechseln Fragen aufwerfen kann. Hinter meinen Stationen stehen Erfahrungen, eigenständiges Lernen und die Entscheidung, nach einem schwierigen beruflichen Neustart selbst einen Weg zu finden. Wer mit mir über ein IT-Projekt oder eine Zusammenarbeit spricht, soll auch diesen Teil meines Werdegangs kennen.

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Steffen 🦉🇪🇺 @steffen friendica-deutschland.de

Unsere Erfahrungen bestätigen: Seit rund zehn Jahren betreiben wir selbst eigen-administrierte Server bei Hetzner. Wir starten immer vom Rescue-System über Debian, ISPConfig und die Systemabsicherung bis zu den Webprojekten und Spezialkonfigurationen wie zum Beispiel BigBlueButton.

In dieser gesamten Zeit benötigten wir lediglich zwei Support-Tickets: einmal wegen einer defekten Festplatte und einmal wegen eines defekten CPU-Lüfters. Beide Fälle wurden schnell und problemlos erledigt. Unsere Hetzner-Server laufen äußerst stabil und zuverlässig.

#Hetzner #HetznerSummit2026 #Server #Rechenzentrum #Systemadministration #Debian
RE: friendica-deutschland.de/objects/…

Steffen 🦉🇪🇺 @steffen friendica-deutschland.de

Keiner weiß alles – und genau darin liegt eine Chance

In einem früheren Projekt arbeitete ich als Freischaffender gemeinsam mit angestellten Administratoren. Wir waren sechs Administratoren und betreuten eine Umgebung mit rund 2.000 Anwendern.

Jeder von uns besaß besondere Fähigkeiten. Aufgaben wurden entsprechend verteilt, bei schwierigen Problemen unterstützten wir uns gegenseitig. Niemand betrachtete nur „seine“ Tickets – entscheidend war das gemeinsame Ziel. Auf diese Weise konnten wir die Zahl der Störungen deutlich reduzieren und als Gruppe ein wesentlich höheres Arbeitspensum bewältigen.

Seit mehreren Jahren versuche ich, diese Erfahrung auf eine Zusammenarbeit zwischen freischaffenden Administratoren und Erstellern von Webprojekten zu übertragen. Bislang ohne dauerhaften Erfolg. Dennoch bin ich weiterhin davon überzeugt: Eine passende Kooperation könnte größere Aufgaben ermöglichen, fachliches Wissen erweitern und allen Beteiligten zugutekommen – ohne dass jemand seine Selbstständigkeit aufgeben müsste.

Was eine solche Zusammenarbeit aus meiner Sicht auszeichnet und warum sie trotzdem so schwierig aufzubauen ist, beschreibe ich in unserem neuen Beitrag:

Keiner weiß alles – gemeinsam können wir mehr leisten

Den vollständigen Artikel lesen.

Steffen 🦉🇪🇺 @steffen friendica-deutschland.de

In unserer täglichen Arbeit versuchen wir, Websysteme so aufzubauen, dass wir möglichst viel selbst kontrollieren können.

Das bedeutet für uns: so wenig unnötige Drittanbieter-Abhängigkeiten wie möglich, getrennte Systeme, eigene Lösungen dort, wo es sinnvoll ist, und Fehlerfrüherkennung statt erst dann zu reagieren, wenn ein Dienst bereits ausgefallen ist.

Gerade die vielen Störungen der letzten Zeit zeigen immer wieder, wie schnell ein eigentlich funktionierendes Webprojekt durch einen externen Dienst mitgerissen werden kann.

Im neuen Admin-Blog-Beitrag habe ich unsere Haltung dazu zusammengefasst:
„Unabhängige Websysteme: Warum wir möglichst wenig aus der Hand geben“

Wir behaupten dabei nicht, dass sich jeder Fehler verhindern lässt. Entscheidend ist für uns vielmehr, Systeme zu verstehen, Abhängigkeiten bewusst zu wählen und im Störungsfall selbst handeln zu können.

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