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Alpine Moore

Zwischen steilen Berghängen und in abgelegenen Tälern der Alpen liegen zahlreiche kleine Moore. Viele davon sind nur wenige Hektar groß. Dabei sind sie ökologisch ausgesprochen wertvoll.

In ihren wassergesättigten Böden haben sich über Jahrtausende Torfschichten gebildet, die große Mengen Kohlenstoff speichern. Zudem bieten sie spezialisierten Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum.

Doch wie geht es diesen Mooren heute? Weil sie verstreut und schwer zugänglich sind, fehlen vielerorts aktuelle Informationen über ihren Zustand.

Ein internationales Forschungsteam mit Beteiligung der Universität Göttingen hat deshalb ein Verfahren entwickelt, um alpine Moore mithilfe von Satellitendaten zu erfassen.

Dafür kombinierten die Forschenden Satellitendaten aus den Jahren 2019 bis 2023 mit Informationen über das Gelände. Neben optischen Aufnahmen, die unter anderem Rückschlüsse auf die Vegetation ermöglichen, nutzten sie auch Radardaten, die Informationen über die Oberflächenstruktur und Feuchtigkeit liefern.

Ein Computermodell sollte anhand dieser Daten dann Moorflächen identifizieren. Anschließend verglichen die Forschenden die Ergebnisse für 590 Moore in Österreich, Deutschland und der Schweiz mit amtlichen Moorkarten.

Dabei zeigte sich, dass das Modell viele Moore deutlich kleiner erfasste als sie bislang kartiert waren. Hochauflösende Luftbilder lieferten mögliche Erklärungen.

An 86 Prozent der untersuchten Standorte waren Hinweise auf Störungen erkennbar, darunter Entwässerungsgräben, Straßen und Wege. Aich konnte an vielen Stellen eine Ausbreitung von Bäumen und Sträuchern erkennbar werden.

Besonders diese veränderte Vegetation ist aufschlussreich. Denn sinkt der Wasserstand eines Moores, können typische Moorpflanzen verdrängt werden.

Gleichzeitig gelangt Sauerstoff in den Torf, wodurch dessen Zersetzung beschleunigt wird und gespeicherter Kohlenstoff als CO₂ freigesetzt werden kann. Aus einer Kohlenstoffsenke kann das Moor so zu einer CO₂-Quelle werden.

Die kleineren, vom Modell ermittelten Moorflächen belegen allerdings nicht zwangsläufig einen tatsächlichen Flächenverlust. Auch Unterschiede zwischen den Kartierungsmethoden könnten eine Rolle spielen.

Dass die Abweichungen gerade dort besonders deutlich sind, wo sichtbare Beeinträchtigungen vorliegen, deutet jedoch darauf hin, dass sich der Zustand vieler Moore tatsächlich verändert hat und die bisherigen Karten diese Veränderungen nicht ausreichend abbilden bzw. einfach veraltet sind.

Das neue Verfahren könnte künftig helfen, diese abgelegenen Moore besser im Blick zu halten und Schutz- und Wiederherstellungsmaßnahmen besser zu planen und untereinander zu vernetzen.

Quelle:
Schönauer et al. (2026), communications earth & environment, “Peatlands mapped across the European Alps with a harmonised multi-sensor workflow show widespread degradation”

doi.org/10.1038/…

alpen biologie natur naturschutz moor
+3 Less wissenschaft wisskomm anysci
Das Foto zeigt eine alpine Moorlandschaft mit einer weitgehend offenen, von goldbraunen Sauergräsern geprägten Vegetation. Im Vordergrund liegt eine kleine, flache Wasserfläche, deren Rand von rötlich-brauner Moorvegetation umgeben ist. Vereinzelt wachsen niedrige Sträucher auf der Moorfläche, die aus der Distanz jedoch nicht genauer zu erkennen sind. Im Hintergrund geht die offene Vegetation in einen lichten Nadelbaumbestand über, in dem einzelne gelb verfärbte Lärchen zu erkennen sind. Am Horizont sind Alpengipfel zu sehen. Das Foto wurde von Simon Drollinger von der Uni Göttingen aufgenommen, der Mitautor der zitierten Studie ist.
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Mal was anderes:

Ich möchte gerne auf den diesjährigen Biologentag NRW am 14. November aufmerksam machen.

In diesem Jahr dreht sich alles um Viren.

Das Institut für Virologie am Universitätsklinikum Essen stellt dafür dankenswerterweise seine Räumlichkeiten zur Verfügung und beteiligt sich auch fachlich am Programm.

Unter dem Motto „Das geht viral! Herausforderung Viren“ erwarten uns fünf spannende Fachvorträge aus ganz unterschiedlichen Bereichen der Virologie.

Wie schaffen es manche Viren, sich lebenslang in unserem Körper zu halten? Welche Rolle spielen Virusinfektionen bei der Entstehung von Krebs? Und wie lassen sich Viren sogar gezielt für die Gentherapie nutzen? Auch Pflanzenviren sowie Influenza- und Coronaviren stehen auf dem Programm.

Die Vorträge sind so konzipiert, dass sie auch von nicht-Experten des Faches gut verstanden werden können.

Neben den Vorträgen gibt es Gelegenheit zum persönlichen Austausch. In der Mittagspause erwartet uns ein Buffet, außerdem besteht die Möglichkeit, an einer Führung durch das Institut für Virologie teilzunehmen. Gerade solche Einblicke in die Forschung vor Ort finde ich immer besonders interessant.

Der Biologentag wird vom VBIO-Landesverband NRW veranstaltet und richtet sich nicht nur an Biologinnen und Biologen, sondern an alle, die sich für biologische Forschung interessieren.

Meldet euch bei Interesse bitte bis zum 2. November an unter:
vbio.de/nrw

Die Teilnahme ist kostenpflichtig, für Studierende oder Referendare gibt es einen ermäßigten Beitrag. Neben diesem Beitrag entstehen keine weiteren Kosten. Es ist für alles gesorgt.

Vielleicht sehen wir uns ja dort. Ich würde mich freuen!

biologentag veranstaltung savethedate NRW vbio
+8 Less virologie biologie Wissenschaft lehrer students wisskomm essen anysci
Das Bild zeigt das Ankündigungsplakat für den Biologentag NRW 2026 unter dem Motto „Das geht viral! Herausforderung Viren“. Vor einem türkisblauen Hintergrund sind mehrere dreidimensional dargestellte Viruspartikel zu sehen. Im Vordergrund befindet sich ein besonders großes, kugelförmiges Virus mit zahlreichen Fortsätzen. Darüber stehen die Veranstaltungsdaten. Der Biologentag findet am Samstag, 14. November 2026, ab 9 Uhr am Universitätsklinikum Essen statt. EIne verbindliche Anmeldung ist bis zum 2. November über www.vbio.de/nrw möglich. Unten rechts befinden sich die Logos des VBIO und des Instituts für Virologie Essen.
Dieses Bild zeigt die erste Seite des Veranstaltungsprogramms für den Biologentag NRW 2026. Auf dunkelblauem Hintergrund sind die Programmpunkte in zwei Spalten dargestellt. Das Programm am Vormittag ust das Folgende:
- 09:00 Uhr – Eintreffen und Registrierung der Teilnehmenden.
- 10:00 Uhr – Grußwort und Vorstellung des VBIO durch LRSD’ a. D. Marga Radermacher, Vorsitzende des VBIO-Landesverbandes NRW, Mitglied des Präsidiums und Vizepräsidentin des VBIO.
- 10:15 Uhr – Vorstellung des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Essen durch dessen Direktor Prof. Dr. Ulf Dittmer.
- 10:30 Uhr – Fachvortrag 1 „Chronische Virusinfektionen: Wie verstecken sich Viren lebenslang im Körper?“ von Prof. Dr. Ulf Dittmer, Universitätsklinikum Essen.
- 11:15 Uhr – Pause.
- 11:30 Uhr – Fachvortrag 2 „Grüne Patienten: Wie Viren Pflanzen krank machen“ von Dr. Annette Niehl, Julius Kühn-Institut, Braunschweig.
- 12:15 Uhr – Fachvortrag 3 „Viren und Krebs: Wie Infektionen Tumore begünstigen“ von Prof. Dr. Dr. Ralf Bartenschlager, Abteilung für Infektionskrankheiten, Universität Heidelberg.
Dieses Bild zeigt die zweite Seite des Veranstaltungsprogramms für den Biologentag NRW 2026. Das Programm am Nachmittag ist wie folgt vorgesehen:
- 13:00 Uhr – Mittagspause mit Buffet und Gelegenheit zu Führungen durch das Institut für Virologie.
- 14:45 Uhr – Fachvortrag 4 „Gentherapie und Viren: Das Unheilbare heilbar machen?“ von Prof. Dr. Anja Ehrhardt, Lehrstuhl für Virologie und Mikrobiologie, Universität Witten/Herdecke.
- 15:30 Uhr – Fachvortrag 5 „Influenza- und Coronaviren: Zwischen Erkältung, Zoonose und Pandemiepotenzial“ von Prof. Dr. Stephan Ludwig, Institut für Molekulare Virologie, Universität Münster.
- 16:15 Uhr – Pause.
- 16:30 Uhr – Mitgliederversammlung des VBIO. Gäste sind herzlich willkommen.
- 17:30 Uhr – Verabschiedung.
Links unten befindet sich ein rotes Feld mit den Teilnahmebedingungen. Zur Deckung der Unkosten werden folgende Beiträge erhoben: Mitglieder 20 Euro, Nichtmitglieder 30 Euro, Referendarinnen und Referendare 15 Euro sowie Studierende 10 Euro. Es entstehen keine weiteren Kosten an dem Tag.
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Wandernde Zellen

Unsere Körperzellen können ihre Form verändern und sich aktiv fortbewegen. So wandern beispielsweise bestimmte Immunzellen durch unser Gewebe, um Krankheitserreger aufzuspüren und zu bekämpfen.

Möglich macht das unter anderem ein dynamisches Gerüst aus Proteinen, das sogenannte Zytoskelett. Doch wann ist diese Fähigkeit im Laufe der Evolution entstanden?

Neue Erkenntnisse liefert eine Studie über die sogenannten Asgard-Archaeen. Diese einzelligen Mikroorganismen gehören zu den Archaeen, die neben Bakterien und Eukaryoten eine der drei großen Reiche des Lebens bilden.

Genetisch stehen Asgard-Archaeen den Eukaryoten, zu denen auch wir Menschen zählen, besonders nahe. Deshalb sind sie für die Erforschung der Entstehung komplexer Zellen von großer Bedeutung.

Bereits bekannt war, dass Asgard-Archaeen Gene für Proteine besitzen, die auch am Zytoskelett unserer Zellen beteiligt sind. Ein internationales Forschungsteam aus Österreich, Deutschland und Japan untersuchte nun zwei Vertreter dieser Gruppe mithilfe von Lebendzellmikroskopie, um ihre Beweglichkeit genauer zu erforschen.

Dabei beobachteten die Forschenden, wie die Archaeen lange, dünne Zellfortsätze ausbildeten, die sich innerhalb weniger Minuten verlängerten, verzweigten und wieder zurückzogen.

Mithilfe dieser Fortsätze konnten sie sich aktiv über Glasoberflächen bewegen. Teilweise hefteten sich die Fortsätze am Untergrund fest und zogen anschließend den Zellkörper nach.

Weitere Experimente zeigten, dass dabei ein Aktin-ähnliches Protein namens Lokiactin eine zentrale Rolle spielt. Wurde dessen Funktion durch bestimmte Wirkstoffe gestört, kamen die Zellen zum Stillstand.

Diese Entdeckung ist tatsächlich für das Verständnis der Evolution interessant.

Nach gängigen Modellen entstanden die ersten Eukaryoten aus einer engen Verbindung zwischen einem archaeellen Vorfahren und einem Bakterium, das innerhalb dessen lebte. Aus diesem „einverleibten“Bakterium entwickelten sich dann die Mitochondrien (Endosymbiontentheorie).

Die Fähigkeit, bewegliche Zellfortsätze auszubilden, könnte bereits bei diesem archaeellen Vorfahren vorhanden gewesen sein.

Wie diese Verbindung vor rund zwei Milliarden Jahren tatsächlich entstand, ist bis heute ungeklärt. Die neuen Beobachtungen legen jedoch nahe, dass schon die archaeellen Vorfahren unserer Zellen bewegliche Fortsätze besaßen, mit denen sie möglicherweise auch Kontakt zu anderen Mikroorganismen aufnehmen konnten.

Quelle:
Radler et al. (2026), Nature
“Dynamic protrusions mediate crawling motility in Asgard archaea”

doi.org/10.1038/…

Tip: Videos im supplementary material

archaeen evolution zelle biologie nature
+4 Less uniwien wissenschaft wisskomm anysci
Die Abbildung zeigt sechs aufeinanderfolgende mikroskopische schwarz-weiß Aufnahmen des Asgard-Archaeons Lokiarchaeum ossiferum im Abstand von jeweils drei Minuten. In der Mitte jeder Aufnahme ist der kleine, dunkle Zellkörper zu erkennen, von dem mehrere dünne, fadenförmige Fortsätze ausgehen. Im Verlauf der 15 Minuten verlängern sich diese Fortsätze, verändern ihre Ausrichtung und bilden teilweise Verzweigungen.
Die Aufnahmen entstanden mithilfe der Phasenkontrastmikroskopie, bei der lebende, ungefärbte Zellen sichtbar gemacht werden können. Die Zelle selbst befindet sich auf einer Glasoberfläche, an der sie sich mit ihren Fortsätzen anheftet und langsam daran entlang wandert.
Im Innern dieser Fortsätze befindet sich ein Gerüst aus Filamenten des Proteins Lokiactin, das mit dem Aktin unserer eigenen Zellen verwandt ist. Durch den dynamischen Umbau dieses Gerüsts können die Archaeen ihre Zellform verändern und sich über Oberflächen bewegen. Die Bildfolge veranschaulicht die Ausbildung und Veränderung der Fortsätze. Sie stammt aus der Arbeit, die Radler und Kollegen in Nature publiziert haben. Die Studie ist am Ende des Haupttetes verlinkt.
KING CONSULT | Kommunikation @kingconsult berlin.social

RE: social.uibk.ac.at/@uniinnsbruck/…

Es geht! 🚀 Souveräne, für #Wissenskommunikation und Dialog optimierte #SocialMedia-Kommunikation für Mitarbeitende und Studierende an #Universitäten und #Hochschulen ist möglich!

Die @uniinnsbruck@social.uibk.ac.at geht voran! #Vorbild

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SciComm Wissenschaft OpenScience Wissenschaftskommunikation Wisskomm
Universität Innsbruck @uniinnsbruck@social.uibk.ac.at Mastodon für alle Studierenden:
AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Ewiges Leben?

Im Laufe unseres Lebens altern nicht nur wir selbst, sondern auch unsere Zellen. Dabei verändern sich zahlreiche Prozesse im Zellinneren, und manche dieser Veränderungen lassen sich sogar an der DNA ablesen. Doch sind solche Alterungsprozesse unumkehrbar?

Dieser Frage ist ein Forschungsteam der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn nachgegangen.

Die Forschenden nutzten sogenannte Transkriptionsfaktoren, also Proteine, die beeinflussen, welche Gene in einer Zelle abgelesen werden. Damit programmierten sie Vorläufer roter Blutkörperchen aus dem Blut von Spendern direkt in neurale Stammzellen um, aus denen später unter anderem Nervenzellen entstehen können.

Dabei beobachteten sie einen bemerkenswerten Effekt. Während der Umwandlung wurden auch die epigenetischen Uhren der Zellen zurückgestellt. Diese umfassen z.B. bestimmte chemische Markierungen an der DNA, die sich mit zunehmendem Alter verändern.

Aus den Blutzellen eines 80-jährigen Menschen entstanden so Stammzellen mit einem errechneten epigenetischen Alter von unter 20 Jahren. Auch verschiedene typische Merkmale der Zellalterung waren anschließend kaum noch nachweisbar.

Anders als bei anderen Umprogrammierungsverfahren erfolgte die Verjüngung hier schrittweise über mehrere Wochen. Nach etwa 50 Tagen waren die meisten untersuchten altersabhängigen epigenetischen Veränderungen verschwunden.

Dadurch lässt sich im nächsten Schritt der Prozess genauer untersuchen und möglicherweise herausfinden, welche Mechanismen ihn steuern.

Noch ist das Ganze reine Grundlagenforschung an Zellkulturen, doch langfristig könnten solche Erkenntnisse helfen, altersbedingte Erkrankungen besser zu verstehen und womöglich sogar irgendwann von der Ursache her zu behandeln.

Ich finde diese Forschung gleichermaßen faszinierend und unheimlich. Die Aussicht, eines Tages gesundheitsbedingte Einschränkungen des Alters immer weiter und weiter hinauszuzögern, ist natürlich verlockend. Aber wenn wir immer besser verstehen, wie sich biologische Alterungsprozesse beeinflussen lassen, stellen sich irgendwann auch grundsätzliche Fragen. Wollen wir eigentlich ewig leben? Und wer bestimmt darüber, wer ewig leben kann?

Quelle:
Berg et al. (2026), Aging Cell
„Protracted Fate Acquisition and Epigenetic De-Aging
During Induced Neural Stem Cell Conversion of Human
Blood Cells“

doi.org/10.1111/…

ageing alter unibonn cell stammzellen
+4 Less biologie wissenschaft wisskomm anysci
AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Kopfüber in die Fluten

Basstölpel sind beeindruckende Jäger. Auf der Suche nach Fischen stürzen sie sich aus der Luft kopfüber ins Meer und erreichen dabei Geschwindigkeiten von bis zu 110 km/h. Zum Vergleich: Ein Turmspringer erreicht beim Sprung von der Zehn-Meter-Plattform etwa 50 km/h (das sagt jedenfalls Google).

Beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche wirken enorme Kräfte auf Kopf und Hals. Wie überstehen die Vögel diese Belastung, ohne sich dabei schwer zu verletzen?

Ein Forschungsteam der University of Washington hat untersucht, welche Rolle die Halswirbelsäule dabei spielt. Dafür analysierten die Forschenden die Skelette von 15 Vögeln aus sieben Arten, darunter Basstölpel, Tölpel, Eisvögel und Kormorane. Mithilfe hochauflösender Computertomografie erstellten sie dreidimensionale Modelle der Halswirbel und verglichen deren Form und Aufbau.

Die untersuchten Arten nutzen unterschiedliche Jagdstrategien. Während Tölpel und Eisvögel ihre Beute durch einen kopfüber ausgeführten Sturzflug ins Wasser verfolgen, tauchen Kormorane von der Wasseroberfläche aus ab und schwimmen unter Wasser ihrer Beute hinterher. Dabei erreichen die Vögel ganz unterschiedliche Geschwindigkeiten und ihre Halswirbelsäulen sind entsprechend verschiedenen Belastungen ausgesetzt.

Die Analyse zeigte deutliche Unterschiede im Knochenbau zwischen den verschiedenen Tauchstrategien.

Vögel, die sich kopfüber ins Wasser stürzen, besitzen vergleichsweise kurze, breite und kräftige Halswirbel mit vergrößerten Gelenkflächen. Diese Bauweise kann helfen, die beim Aufprall entstehenden Kräfte auf eine größere Fläche zu verteilen und ein gefährliches Abknicken der Halswirbelsäule zu verhindern.

Besonders ausgeprägt ist diese Anpassung bei den schnell tauchenden Tölpeln. An den vorderen Halswirbeln entdeckten die Forschenden sogar zusätzliche Gelenkflächen, die bei den untersuchten Kormoranen und Eisvögeln komplett fehlen. Sie könnten die Beweglichkeit des Halses beim Aufprall gezielt begrenzen und dadurch für zusätzliche Stabilität sorgen.

Interessant ist dabei, dass die Halswirbelsäule nicht einfach möglichst starr sein darf. Ihre natürliche Krümmung ermöglicht es, einen Teil der Belastung wie eine Feder abzufangen. Ein bischen wie bei der S-Form unserer Wirbelsäule.

Gleichzeitig müssen die einzelnen Wirbel stabil genug sein, um den enormen Kräften standzuhalten. Entscheidend ist also das Zusammenspiel von Beweglichkeit und Stabilität.

Insgesamt zeigt sich hier ein tolles Beispiel für den engen Zusammenhang zwischen Anatomie und Lebensweise. Und falls mal die Frage aufkommt, wie man denn an Dinoknochen Rückschlüsse auf deren Lebensweise ziehen kann, konnte hier vielleicht eine Idee vermittelt werden, wie das grundsätzlich funktionieren kann.

Quelle:
Vandenberg et al. (2026), The Anatomical Record
“Morphological adaptations of cervical vertebrae in plunge-diving sulids”

doi.org/10.1002/…

biologie ornithologie vogel evolution anatomie
+4 Less funfact wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild zeigt einen Basstölpel im Sturzflug unmittelbar über der Meeresoberfläche. Der Kopf des Vogels ist fast senkrecht nach unten gerichtet. Seine Flügel sind eng an den Körper angelegt und nach hinten angewinkelt. Auf diese Weise kann der Vogel Geschwindigkeiten von über 100 Kilometer in der Stunde erreichen. Nach dem Eintauchen können Basstölpel mehrere Meter tief unter die Wasseroberfläche gelangen. Häufig nutzen sie den Schwung ihres Sturzflugs, um unter einen Fischschwarm zu gelangen. Anschließend können sie mit ihren Flügeln unter Wasser weiter schwimmen und Fische erbeuten, bevor sie wieder auftauchen. Das Foto stammt von Olivier Dugornay und ist unter CC BY 4.0 über Wikimedia Commons veröffentlicht. Ich fand es ganz passend zu der Studie. In der Publikation, die ich am Ende de Haupttextes verlinkt habe, finden sich interessante Bilder der verschiedenen Halswirbel, die ich leider aus rechtlichen Gründen hier nicht so verwenden darf. Schaut sie euch bei Interesse gerne mal an.
AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Ein entscheidender Minivorrat

Damit unser Gehirn lernen und sich an neue Erfahrungen anpassen kann, müssen sich die Verbindungen zwischen Nervenzellen, die Synapsen, verändern können. Wissenschaftler sprechen von synaptischer Plastizität.

Dafür benötigen sie bestimmte Proteine und das innerhalb kürzester Zeit. Wie aber wird diese Ressource gewährleistet, wenn doch die Synapse meist sehr weit weg vom Zellkörper liegt, dem Ort, wo die Proteine hergestellt werden?

Eine bekannte Lösung besteht darin, nicht die fertigen Proteine, sondern ihre Bauanleitungen in Form von Boten-RNAs (mRNAs) in die Fortsätze der Nervenzellen zu transportieren. Dort können die Proteine bei Bedarf direkt vor Ort hergestellt werden.

Welche Rolle dieser Mechanismus in der äußersten Schicht der Großhirnrinde spielt, hat nun ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt untersucht.

Diese Hirnschicht enthält zahlreiche weit verzweigte Fortsätze von Nervenzellen und entsprechend viele Synapsen, aber nur sehr wenige Zellkörper (grün im Bild).

Mithilfe verschiedener molekularbiologischer Methoden konnten die Forschenden nachweisen, dass dort tatsächlich neue Proteine hergestellt werden. Allein an den erregenden Synapsen identifizierten sie mehr als 1.000 (!) unterschiedliche mRNAs. Deren Zusammensetzung unterschied sich deutlich von der in tieferen Schichten der Großhirnrinde, wo eben die Zellkörper liegen.

Das sind mal wieder so Ergebnisse, die mich beinahe ehrfürchtig werden lassen. Wie „durchdacht“ kleinste Anpassungen auf molekularer Ebene sind, damit das Große Ganze, also am Ende wir, bestmöglich funktioniert.

Erst die schnelle Anpassung der Synapsen ermöglicht, dass wir lernen oder Erinnerungen bilden. Ohne diesen mRNA-Vorrat an den Synapsen wäre das mutmaßlich nicht in dieser Qualität möglich. Und wir reden hier über Moleküle im Nanometerbereich. Wahnsinn!

Quelle
Spanò et al. (2026), Cell Reports „ Localized mRNAs and protein synthesis in cortical
layer 1 “

doi.org/10.1016/…

neuroscience gehirn biologie plasticity lernen
+3 Less wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild zeigt eine fluoreszenzmikroskopische Aufnahme eines Ausschnitts der Großhirnrinde. Die Großhirnrinde besteht aus insgesamt sechs Schichten, die sich unter anderem durch die Anzahl, Anordnung und Art ihrer Nervenzellen unterscheiden. Im Bild ist der Übergang von der zweiten zur äußersten, ersten Kortexschicht zu erkennen.
Im unteren Bildbereich liegen zahlreiche dicht gedrängte Nervenzellkörper, die grün angefärbt sind. Weiter oben nimmt ihre Zahl deutlich ab. Die äußerste Schicht enthält nur wenige Nervenzellkörper, dafür aber zahlreiche Fortsätze von Nervenzellen aus tiefer gelegenen Schichten.
Besonders auffällig sind die magentafarbenen Astrozyten. Diese sternförmigen Gliazellen bilden mit ihren zahlreichen feinen Fortsätzen ein weit verzweigtes Netzwerk. Sie übernehmen wichtige Aufgaben bei der Versorgung und Unterstützung der Nervenzellen und beeinflussen auch die Signalübertragung an den Synapsen. Die Zellkerne verschiedener Zelltypen sind cyan gefärbt und erscheinen als kleine, teils ovale Strukturen.
Die unterschiedlichen Farben entstehen durch spezielle Fluoreszenzmarkierungen, mit denen bestimmte Zellbestandteile sichtbar gemacht werden. Das Bild wurde von Teresa Spanò aufgenommen und vom MPI für Hirnforschung in Frankfurt am Main zur Verfügung gestellt.
AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Bestäuber für Saatgut

Der Rückgang bestäubender Insekten ist ein enormes Problem für die Landwirtschaft. Denn zahlreiche Kulturpflanzen sind für ihre Fortpflanzung auf Bienen, Hummeln und andere Bestäuber angewiesen.

Das betrifft nicht nur die aktuelle Ernte, sondern auch die Produktion von Saatgut für die folgenden Anbaujahre. Bei Karotten beispielsweise entwickelt sich die essbare Wurzel unabhängig von der Bestäubung, für die Gewinnung neuer Samen werden jedoch Bestäuber benötigt.

Wie groß diese Abhängigkeit ist, hat ein Forschungsteam der Universität Hohenheim genauer untersucht. Dafür werteten sie 116 Studien zu insgesamt 74 landwirtschaftlich wichtigen Kulturpflanzen aus.

Bei 54 Kulturen ließ sich die Abhängigkeit der Saatgutproduktion von tierischen Bestäubern bewerten. Für 17 war sie besonders hoch, für weitere 22 hoch. Dazu gehören neben zahlreichen Gemüsearten auch wichtige Futterpflanzen.

Welche wirtschaftliche Bedeutung das hat, zeigt eine weitere Untersuchung der Forschungsgruppe.

In einer Modellrechnung für Deutschland wurde der jährliche wirtschaftliche Wert der Bestäubungsleistungen auf rund 2,3 Milliarden Euro geschätzt. Wurde die Saatgutproduktion aber mit einbezogen, stieg dieser Wert auf 3,1 Milliarden Euro.

Damit lag er rund ein Drittel höher als bei Berechnungen, die diesen wichtigen Bereich der Landwirtschaft nicht berücksichtigen.

Ein Rückgang der Bestäuber könnte damit weitreichendere Folgen für die Landwirtschaft haben, als sich allein an den Ernteerträgen ablesen lässt.

Ich finde, die Ergebnisse zeigen einmal mehr, wie eng unsere Lebensmittelproduktion mit funktionierenden Ökosystemen verbunden ist. Der Rückgang der Bestäuber betrifft eben nicht nur einzelne Tier- und Pflanzenarten, sondern möglicherweise auch die langfristige Stabilität unserer Landwirtschaft.

Manchmal wird der Wert der Natur erst dann sichtbar, wenn sie fehlt. Aber muss denn immer erst das Kind in den Brunnen fallen?

Quellen
Krumbe et al. (2025), Agriculture, Ecosystems & Environment

doi.org/10.1016/…

Feuerbacher et al. (2024), Environmental and Resource Economics

doi.org/10.1007/…

biene insekten biodiversität landwirtschaft biologie
+4 Less wirtschaft wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild zeigt eine Biene auf leuchtend gelben Blüten. Sie sitzt seitlich auf einer geöffneten Blüte und hat ihren Kopf im Blütenkelch versunken. Ihr braun-schwarzer Körper und die durchsichtigen, fein geäderten Flügel sind deutlich zu erkennen. Im Hintergrund befinden sich weitere gelbe Blüten und unscharfe grüne Pflanzenteile. Das Bild wirde von Corinna Schmid aufgenommen und von der Universität Hohenheim für die Berichterstattung zu den im Haupttext verlinkten Studien zur Verfügung gestellt.
Aktionsb. neue soziale Medien @neuSoM bewegung.social

RE: social.vivaldi.net/@everton137/…

Den Übergang von X zu Mastodon so organisieren, dass möglichst viele Follower mitgenommen werden?

Wie das zu machen ist, hat die Universitätsbibliothek Groningen @Bibliothecaris@social.edu.nl vor zwei Jahren überzeugend demonstriert:
Sie sind auf Mastodon gestartet und haben verkündet, nur noch ein Jahr auf X zu bleiben. Und nach einem Jahr sind sie raus aus X und haben praktisch alle Interessierten von der alten auf die neue Plattform bewegt, nachzulesen in dem Artikel von @babetteknauer@mastodon.social hier
👉 rug.nl/library/…

✌️ Der Wandel ist machbar. ✌️

Mastodon Fediverse UnisInsFediverse X eXit
+6 Less Groningen Hochschule WissKomm Reichweite sozialeMedien Niederlande
everton137 @everton137@social.vivaldi.net Any thoughts?
AnySci - Wissenschaft für Jedermann @anysci mastodon.de

Grundlagenforschung

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den besonders schwer behandelbaren Krebsarten. Das liegt unter anderem daran, dass die Tumorzellen von einem dichten, narbenartigen Gewebe umgeben sind, das sie vor der körpereigenen Immunabwehr abschirmen kann.

Dieses sogenannte Stützgewebe kann bis zu 90 Prozent des Tumors ausmachen. Eine wichtige Rolle spielen dabei bestimmte Bindegewebszellen, die krebsassoziierten Fibroblasten. Sie produzieren nicht nur große Mengen an Kollagen, sondern setzen auch Botenstoffe frei, die die Aktivität von Immunzellen unterdrücken.

Ein Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) hat nun untersucht, wie sich diese Fibroblasten gezielt beeinflussen lassen. Im Mittelpunkt stand das Oberflächenprotein CD44, das an der Weiterleitung von Signalen beteiligt ist, die die Zellen aktivieren.

Mithilfe gentechnischer Verfahren schalteten die Forschenden das Gen für CD44 in menschlichen Fibroblasten aus Bauchspeicheldrüsentumoren aus.

Daraufhin veränderten die Zellen ihre Form und wurden deutlich weniger aktiv. Sie produzierten weniger Kollagen und schütteten geringere Mengen bestimmter Botenstoffe aus, die Entzündungsprozesse fördern und die Immunabwehr hemmen.

In weiteren Laborversuchen konnten T-Zellen, die normalerweise durch diese Botenstoffe gebremst werden, Krebszellen wirksamer abtöten.

Auch im Mausmodell zeigte sich ein deutlicher Effekt. Wurde CD44 in bestimmten Zellen des Tumorstützgewebes ausgeschaltet, waren die Tumoren nach zwei Wochen etwa 50 Prozent kleiner als bei den Kontrolltieren. Gleichzeitig fanden sich weniger regulatorische T-Zellen im Tumorgewebe, die normalerweise die Immunabwehr bremsen.

Mir ist wichtig zu betonen, dass diese Ergebnisse bislang ausschließlich aus präklinischer Forschung stammen. Dabei geht es zunächst darum, biologische Mechanismen besser zu verstehen und ihr Potenzial für mögliche spätere Anwendungen beim Menschen auszuloten.

Bis daraus tatsächlich neue Therapien entstehen, ist es noch ein weiter weiter Weg. Aber weltweit arbeiten viele Forschende daran, die Behandlungsmöglichkeiten bei Krebserkrankungen zu verbessern. One day…

Quelle:
Treffert et al. (2026), Cell Death & Disease, „Loss of CD44 re-educates pancreatic cancer-associated fibroblasts modulating their fibrotic and immunosuppressive functions“

doi.org/10.1038/…

bauchspeicheldrusenkrebs pinktober krebsforschung cancer grundlagenforschung
+5 Less biologie KIT wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild zeigt zwei fluoreszenzmikroskopischen Aufnahmen von menschliche Bindegewebszellen, die ursprünglich aus dem Gewebe eines Bauchspeicheldrüsentumors stammen und für die Untersuchung im Labor kultiviert wurden. Dabei werden bestimmte Zellbestandteile mit fluoreszierenden Farbstoffen sichtbar gemacht.  Solche Zellen werden als krebsassoziierte Fibroblasten bezeichnet. Sie können das Tumorwachstum unterstützen, indem sie unter anderem Bindegewebe aufbauen und Botenstoffe freisetzen, die die Immunabwehr beeinflussen.
Links sind die Zellen großflächig ausgebreitet und besitzen lange, dünne Fortsätze. Diese längliche Form ist typisch für aktivierte Fibroblasten. Aktiviert bedeutet hier, dass die Zellen auf bestimmte Signale aus ihrer Umgebung reagieren und verstärkt Aufgaben übernehmen, die im Tumorgewebe dessen Wachstum begünstigen können. Dazu gehört beispielsweise die Produktion von Kollagen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Protein CD44, das sich auf der Zelloberfläche befindet. Es ist unter anderem an der Aufnahme und Weiterleitung von Signalen beteiligt, die das Verhalten der Zellen beeinflussen. In der linken Aufnahme ist CD44 grün angefärbt.
In der rechten Aufnahme sind Zellen, bei denen die Forschenden das Gen für CD44 mithilfe eines gentechnischen Verfahrens ausgeschaltet haben. Die Zellen verlieren dadurch die Fähigkeit, auf einige Außensignale zu reagieren und zeigen in der Folge eher rundliche Formen. Sie sind insgesamt weniger ausgebreitet. Die blaue Markierung zeigt die Zellkerne.
Die veränderte Zellform ist ein sichtbares Anzeichen dafür, dass die Zellen ihren Aktivierungszustand verändert haben und womöglich einen Teil ihrer tumorfördernden Eigenschaften verlieren.
Das Bild stammt aus der Arbeit von Treffert et al, die am Ende des Haupttextes verlinkt ist. Es wurde vom Karlsruher Instituts für Technologie für die Berichterstattung zu dieser Forschung zur Verfügung gestellt.
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Lachse im Rheinsystem?

Früher war der Atlantische Lachs im Rhein weit verbreitet. Doch Gewässerverschmutzung, Überfischung und der Bau von Wanderhindernissen ließen die Bestände immer weiter schrumpfen. In den 1950er-Jahren galt die Art im Rheinsystem schließlich als ausgestorben.

Seit den 1980er-Jahren wird deshalb versucht, den Lachs wieder anzusiedeln. Jährlich werden inzwischen mehr als eine Million Jungfische aus Aufzuchtstationen in geeignete Nebenflüsse eingesetzt.

Langfristig sollen wieder Populationen entstehen, die sich ohne menschliche Unterstützung erhalten können. Dafür müssen die Tiere ihren Lebenszyklus erfolgreich durchlaufen. Sie wachsen zunächst im Süßwasser heran, wandern ins Meer und kehren nach einigen Jahren zum Laichen in ihre Heimatgewässer zurück.

Aber wie weit ist die Wiederansiedlung nach mehreren Jahrzehnten nun tatsächlich gekommen? Das untersuchte das Forschungsprojekt GeMoLaR unter Leitung der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau.

Die Forschenden analysierten mehr als 15.000 genetische Proben, um die Herkunft der Lachse nachzuvollziehen und herauszufinden, wie viele Jungfische tatsächlich aus natürlicher Fortpflanzung stammen.

Die Ergebnisse fallen ernüchternd aus. Zwar kehren durchaus erwachsene Lachse ins Rheinsystem zurück, doch die Bestände sind weiterhin stark von den Besatzprogrammen abhängig.

In der Agger wurden beispielsweise nur etwa fünf Prozent der untersuchten Junglachse als mögliche Naturbrut eingestuft. Im Kinzigsystem ließen sich sogar sämtliche 742 untersuchten Junglachse auf Besatzmaßnahmen zurückführen.

Hinzu kommt, dass die Zahl der zurückkehrenden Lachse seit 2018 trotz weitgehend unveränderter Besatzaktivitäten deutlich gesunken ist.

Nach Jahrzehnten intensiver Bemühungen gibt es im Rheinsystem somit noch immer keine etablierten, selbsttragenden Lachspopulationen.

Die Forschenden betonen deshalb, dass das Aussetzen von Jungfischen allein nicht ausreicht. Entscheidend sind auch durchgängige Flüsse, geeignete Laichgebiete und Lebensräume für Jungfische. Niedrigwasser und steigende Wassertemperaturen erschweren die Situation zusätzlich.

Das Forschungsprojekt selbst liefert dennoch einen wichtigen Beitrag. Mit genetischen Methoden lässt sich nun wesentlich genauer überprüfen, welche Besatzmaßnahmen erfolgreich sind und wo schon natürliche Fortpflanzung stattfindet. Dies soll helfen, die Programme künftig gezielter zu gestalten.

Für mich wirft das eine ganz grundsätzliche Frage auf, mit einem ziemlich bitteren Beigeschmack. Wie sinnvoll ist eigentlich dieses jahrzehntelange Aussetzen von Jungfischen, wenn die ökologischen Voraussetzungen für eine dauerhaft selbsttragende Population offenbar noch nicht ausreichend gegeben sind?

Wie viel Energie, Ressourcen und Arbeit da bereits investiert worden sind, ohne das eigentliche Ziel zu erreichen! Und ist es nicht auch ein fragwürdiger Eingriff in die Natur, jährlich eine Million Jungfische auszusetzen, obwohl ihre langfristigen Überlebens- und Fortpflanzungschancen offenbar begrenzt sind? Ich wundere mich und fühle mich ratlos.

Quelle: GeMoLaR (2026), Abschlussbericht und Leitfaden zur Wiederansiedlung des Atlantischen Lachses im Rheingebiet, RPTU Kaiserslautern-Landau.

ble.de/Atlantischer-Lachs

Lachs Rhein Artenschutz Naturschutz Biodiversität
+5 Less Biologie BLE Wissenschaft Wisskomm anysci
Das Bild zeigt, wie junge Lachse mit einem Kescher aus einem Behälter gehoben werden. Solche Jungfische werden seit Jahrzehnten in Nebenflüssen des Rheins ausgesetzt, um den Atlantischen Lachs dort wieder anzusiedeln. Aktuelle Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Entwicklung einer sich dauerhaft selbsttragenden Populationen schleppend läuft. Die Bestände sind weiterhin auf regelmäßige Aussetzungen angewiesen. Das Foto wurde von J. Gährken aufgenommen und vom LANUV NRW zur Verfügung gestellt.
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Nicht einfach nur schön

Die auffälligen Farben und Muster vieler Schmetterlinge erfüllen ganz unterschiedliche Funktionen. Sie können beispielsweise der Tarnung, der Partnerwahl oder der Warnung vor Fressfeinden dienen.

Ein Forschungsteam der University of Exeter hat nun untersucht, ob die Muster es möglicherweise auch erschweren, dass Fressfeinde die Flugbewegungen richtig einschätzen.

Die Idee dahinter ist, dass sich die Flügel beim Fliegen ständig auf und ab bewegen, während der Körper gleichzeitig vorwärts fliegt. Kontrastreiche Streifen und andere Muster erzeugen dabei zusätzliche Bewegungsreize, die sich teilweise mit der tatsächlichen Flugrichtung überlagern können und so Räuber irritieren.

Um diesen möglichen Effekt zu untersuchen, filmten die Forschenden zunächst startende Schmetterlinge mit Hochgeschwindigkeitskameras (werft bei Interesse gerne einen Blick in das Supplementary Material der Studie).

Anschließend analysierten sie die Aufnahmen mit einem Computermodell, das die Bewegungsverarbeitung im visuellen System von Vögeln nachbildet und verschiedene Bewegungsrichtungen darstellte.

Zusätzlich simulierten sie die Flugbewegungen von 757 unterschiedlichen Flügelvarianten aus 397 europäischen Schmetterlingsarten.

Besonders kontrastreiche Muster und bestimmte Streifenanordnungen erzeugten starke widersprüchliche Bewegungssignale.

Ob solche visuellen Täuschungen tatsächlich Angriffe beeinflussen können, überprüfte das Team mit 100 menschlichen Versuchspersonen. Diese sollten auf einem Bildschirm fliegende, digital animierte Schmetterlinge mit dem Finger treffen.

Tatsächlich verschoben sich die Angriffspunkte abhängig vom jeweiligen Flügelmuster. Bei Mustern mit besonders starken Täuschungseffekten landeten die „Angriffe“ häufiger hinter dem Schmetterling.

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass auffällige Flügelmuster nicht nur im Ruhezustand eine Funktion erfüllen, sondern gerade im Zusammenspiel mit der Bewegung ihre Bedeutung zeigen.

Ob und wie stark dieser Vorteil auch bei tatsächlichen Angriffen durch Vögel zum Tragen kommt, muss allerdings noch untersucht werden.

Ich vermute mal, das Team rekrutiert gerade 100 freiwillige Meisen.

Quelle :
Hancock et al. (2026), Nature, „Butterfly wing patterns in flight create powerful illusory motion cues“

doi.org/10.1038/…

schmetterlinge biologie nature butterfly wissenschaft
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Alarm in der Wurzel

Wurzeln sind im Boden gut verborgen, aber keineswegs vor Angriffen geschützt. Insektenlarven oder Nematoden können sie verletzen und sich anschließend weiter durch das Wurzelsystem bewegen.

Für die Pflanze ist es deshalb sinnvoll, nicht nur am Ort der Verletzung zu reagieren, sondern auch benachbarte, noch unbeschädigte Wurzeln auf die mögliche Gefahr vorzubereiten. Wie die Information über eine Verletzung innerhalb des Wurzelsystems weitergegeben wird, war bislang allerdings nicht so gut verstanden.

Ein Forschungsteam der Uni Würzburg hat diesen Signalweg nun an der Ackerschmalwand Arabidopsis thaliana untersucht. Dafür verletzten die Forschenden einzelne Zellen oder größere Bereiche einer Seitenwurzel und zeichneten unter anderem elektrische Veränderungen und Kalziumsignale auf.

Dabei zeigte sich ein erstaunlich schneller Übertragungsweg. Durch die Verletzung fällt der Druck in den Zellen ab. Dieser Druckverlust breitet sich durch das verbundene Wurzelsystem aus und erreicht benachbarte Seitenwurzeln mit rund 75 Millimetern pro Sekunde.

Dort reagieren sogenannte mechanosensitive Ionenkanäle (z.B. MCA1) auf die Druckänderung. Die mechanische Reizung führt also zu einer Öffnung dieser Kanäle und einem entsprechenden Einstrom von Kalzium (Ca2+). Diese positive Ladung führt zu einer Aktivierung von Prozessen in der Zelle, die letzlich unter anderem zu einer Aktivierung von Genen für Abwehrreaktionen führen.

Auf diese Weise kann eine Verletzung auch in noch unbeschädigten Nachbarwurzeln Reaktionen auslösen und sie damit quasi vorsorglich auf eine drohende Gefahr vorbereiten.

Quelle:
Baudon et al. (2026), Science Advances, „MCA1 mechanosensitive channels enable fast communication of wound signals between lateral roots“

science.org/doi/…

arabidopsis biologie uniwürzburg science wissenschaft
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Das Bild zeigt eine schematische Darstellung einer Pflanze mit einem verzweigten Wurzelsystem. Eine Seitenwurzel wird mechanisch verletzt. Eine vergrößerte Darstellung zeigt, dass dadurch der Druck in den verletzten Zellen abfällt. Dieser Druckverlust breitet sich als mechanisches Signal durch das Wurzelsystem bis zu einer benachbarten Seitenwurzel aus. Dort reagieren mechanosensitive MCA1-Ionenkanäle auf die Druckänderung und lösen unter anderem Kalziumsignale aus. Glutamat-Rezeptoren, kurz GLR, sind an der Verstärkung der Reaktion beteiligt. Die Signalkette trägt schließlich dazu bei, Abwehrreaktionen in der noch unverletzten Wurzel zu aktivieren. Die Abbildung wurde von Angel Baudon von der Universität Würzburg erstellt und für die Berichterstattung über diese Forschung zur Verfügung gestellt.
Wissenschaft im Dialog @wissenschaftimdialog wisskomm.social

Wie umgehen mit Angriffen auf die Wissenschaftsfreiheit?
Am 12. Oktober diskutieren Benedikt Fecher und @JustusHenke@sciences.social beim „Wissenschaftsbarometer im Gespräch“ über Resilienz, Wissenschaftsfreiheit und Kommunikation und über Handlungsmöglichkeiten für kommunizierende Forschende und Wissenschaftskommunikator*innen.

Jetzt anmelden: eveeno.com/104417702

@carl_zeiss_stiftung@stiftungen.social @KlausTschiraStiftung@stiftungen.social @fraunhofergesellschaft@wisskomm.social

Wisskomm Wissenschaftsfreiheit Wissenschaft Forschung
Kommenden Montag: Wissenschaftsbarometer im Gespräch. Resilienz, Wissenschaftsfreiheit und Kommunikation. 12. Oktober 2026, 12 bis 13 Uhr. Portraits von Benedikt Fecher und Justus Henke. Jetzt anmelden und mitdiskutieren. Hintergrund: Wissenschaftsbarometer Broschüren
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Ist Zivilcourage biochemisch erklärbar?

Vor einiger Zeit hatte ich hier eine Studie vorgestellt, die untersuchte, welche Ameisen verletzte Nestgenossinnen versorgen. Dabei zeigte sich, dass vor allem Arbeiterinnen in einer bestimmten Lebensphase diese Aufgabe übernehmen und ihre sozialen Kontakte dabei eine wichtige Rolle spielen.

Eine andere Studie geht nun einen Schritt weiter auf die Ebene des einzelnen Tieres und fragt: Wenn mehrere Arbeiterinnen eine Nestgenossin in Not wahrnehmen können, warum versuchen einige von ihnen zu helfen und andere nicht?

Dafür untersuchte ein Forschungsteam der Universitäten Mainz und Tel Aviv die Wüstenameise Cataglyphis nigra.

Im Experiment wurde eine Arbeiterin am Boden einer mit Sand bedeckten Arena festgebunden (ja, wirklich). Einige Nestgenossinnen versuchten daraufhin, die fixierte Ameise durch Ziehen und Graben zu befreien. Andere näherten sich zwar, griffen aber nicht ein.

Anschließend verglichen die Forschenden Körperbau und Energiereserven beider Gruppen und untersuchten, welche Gene in verschiedenen Bereichen des Gehirns und in den Antennen bei den verschiedenen Ameisen aktiv waren.

Körpergröße, Gehirngröße oder Fettreserven konnten die Unterschiede im Verhalten nicht erklären. Dafür unterschied sich aber die Genaktivität, besonders deutlich in den sogenannten Pilzkörpern. Diese Bereiche des Insektengehirns sind unter anderem daran beteiligt, Sinnesinformationen zu verarbeiten und miteinander zu verknüpfen.

Bei den helfenden Ameisen waren dort 15 Gene stärker aktiv, darunter Gene, die mit Geruchsverarbeitung, Hormonsteuerung und Immunfunktionen zusammenhängen.

Gerade Letzteres ist interessant, denn Immungene können bei Insekten neben der Abwehr von Krankheitserregern auch Prozesse im Nervensystem und damit Verhalten beeinflussen. Welche Rolle sie beim Rettungsverhalten aber genau spielen, ist allerdings noch offen.

Zusammen zeigen die beiden Studien, wie viele Ebenen hinter dem Helfen in einem Ameisenstaat stecken.

Soziale Kontakte und Arbeitsteilung beeinflussen, welche Tiere überhaupt in entsprechende Situationen geraten. Gleichzeitig können sich einzelne Arbeiterinnen darin unterscheiden, ob oder wie sie eine Notsituation überhaupt wahrnehmen.

Ob sich damit ein Konzept wie “Zivilcourage”, zumindest bei Ameisen, tatsächlich biochemisch erklären lässt, ist noch eine ziemlich große Frage, die ich zu Beginn zugegebenermaßen ziemlich überspitz habe.

Dennoch finde ich es unheimlich spannend, wie selbst bei einem Insekt komplexe und eben auch individuelle Verhaltensweisen entstehen.

Ich bin gespannt, was ich noch dazu finde.

Und ich bin froh, dass es heute mit dem Upload geklappt hat. Danke auch für eure Rückmeldungen!

Quelle:
Jaimes-Nino et al. (2026), Journal of Experimental Biology, „Transcriptional predictors of rescue behaviour in ants“

doi.org/10.1242/…

ameise JGU unimainz zivilcourage biologie
+3 Less wissenschaft wisskomm anysci
Das Bild zeigt zwei schwarze Wüstenameisen auf hellem Sand. Sie befinden sich in einem Versuchsaufbau, bei dem eine Ameise am Boden fixiert ist, während die andere versucht, sie zu befreien. Solches Ziehen, Beißen am Faden oder Graben werteten die Forschenden als Rettungsverhalten. Nicht alle Ameisen, die diese Szenerie wahrnehmen konnten, reagierten auf diese Weise. Als Nicht-Helferinnen galten Tiere, die sich der fixierten Ameise bis auf wenige Zentimeter näherten, während der 15-minütigen Beobachtungszeit aber kein Rettungsverhalten zeigten. In diesem Versuchsaufbau lebten jeweils 40 markierte Arbeiterinnen derselben Kolonie zusammen und hatten Zugang zu der Arena mit der fixierten Nestgenossin.  Auf diese Weise konnten die Forschenden gezielt Ameisen vergleichen, die eben unterschiedlich reagierten. DAs Foto wurde von Susanne Foitzik aufgenommen und von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zur Verfügung gestellt. Es findet sich außerdem in der Originalpublikation, die ich am Ende des Haupttextes verlinkt habe.
Wortgeschichte digital (WGd) @wgd wisskomm.social

Achtung, jetzt kriselt’s! Das Verb #kriseln ist bereits seit Ende des 19. Jh. im Gebrauch. In unserem Erstbeleg geht es zwar um politische Zustände, aber das Verb kann sich auch auf andere Sachverhalte beziehen. Mehr dazu in unserer #Wortgeschichte: zdl.org/wb/…

WissKomm Linguistik Lexikografie Wörterbuch Semantik
Schriftzug mit dem Stichwort "kriseln" auf blauem Hintergrund, Logo des Wörterbuchprojekts Wortgeschichte digital im ZDL
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Überlebenskünstlerin mit Hochleistungsstoffwechsel

Wer hätte gedacht, dass es Algen in der Wüste gibt? Tatsächlich, in den Sandkrusten der Negev lebt eine winzige Grünalge unter ziemlich extremen Bedingungen.

Chlorella ohadii muss starke Sonneneinstrahlung, Austrocknung und große Temperaturschwankungen verkraften. Gleichzeitig gehört sie zu den am schnellsten wachsenden bekannten photosynthetischen Eukaryoten.

Unter günstigen Bedingungen kann sich ihre Zellzahl innerhalb von etwa 1,5 bis 2,5 Stunden verdoppeln. Das liegt eher in der Größenordnung schnell wachsender Hefen.

Genau diese ungewöhnliche Kombination aus Widerstandsfähigkeit und schnellem Wachstum macht die Alge inzwischen zu einem interessanten Modellorganismus in der Pflanzenforschung.

Eine aktuelle Übersichtsarbeit der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) fasst zusammen, wie C. ohadii mit den extremen Bedingungen ihres Lebensraums zurechtkommt.

Eine wichtige Rolle spielt ihr ungewöhnlich robuster Photosyntheseapparat. Selbst sehr starkes Licht, das anderen Pflanzen normalerweise Probleme bereitet, schädigt das Photosystem II, einen zentralen Proteinkomplex der Photosynthese, kaum.

Eine kleine Lichtsammelantenne und besondere Wege des Elektronentransports helfen zusätzlich dabei, überschüssige Energie zu vermeiden oder abzuleiten. So kann die Alge auch bei hoher Lichtintensität effizient Photosynthese betreiben.

Das ist besonders wichtig, weil ihr in der Wüste oft nur kurze feuchte Phasen für aktives Wachstum bleiben. Sobald genügend Wasser und Licht zusammentreffen, fährt C. ohadii ihren Stoffwechsel schnell hoch und wächst mit enormer Geschwindigkeit. Ihre außergewöhnliche Wachstumsrate könnte damit gerade eine Anpassung an die kurzen günstigen Zeitfenster ihres Lebensraums sein.

Interessant sind diese Eigenschaften insbesondere für Nutzpflanzen. Forschende untersuchen bereits, ob sich einzelne Proteine (bzw. die entsprechenden Gene) oder Stoffwechselwege der Wüstenalge nutzen lassen, um Nutzpflanzen weiter zu optimieren.

In der Praxis erweist sich diese Idee allerdings als sehr komplex, denn die Widerstandsfähigkeit von C. ohadii beruht auf einem Zusammenspiel zahlreicher struktureller und metabolischer Anpassungen an diesen extremen Lebensraum.

Ob und welche einzelnen Bausteine sich erfolgreich auf Nutzpflanzen übertragen lassen, ist noch völlig offen.
Dennoch ist die kleine Alge ein spannendes Modell dafür, welche Spielräume die die Biochemie in Pflanzenzellen tatsächlich haben kann.

Quelle
Geffen et al. (2026), New Phytologist, „Extending the limits of algal growth and stress resilience – the desert alga Chlorella ohadii as an emerging model“

nph.onlinelibrary.wiley.com/doi/…

negev RPTU biologie botanik extrem
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Das Foto zeigt eine Nahaufnahme einer sogenannten biologische Sandkruste in der Negev-Wüste in Israel. Die Oberfläche besteht aus hellbraunem, verfestigtem Sand mit unregelmäßigen dunklen Flecken. Die dunkle Färbung geht laut Bildlegende vor allem auf fadenförmige Cyanobakterien zurück. Solche biologischen Sandkrusten werden von Gemeinschaften verschiedener Mikroorganismen besiedelt. Aus ihnen wurde auch die einzellige Grünalge Chlorella ohadii isoliert. Sie ist auf dem Foto selbst nicht zu erkennen, lebt aber in diesem extremen Lebensraum. Forschende untersuchen an ihr, wie Photosynthese unter solchen Bedingungen funktionieren kann. Das Foto stammt von Haim Treves von der RPTU ind begleitet niht nur die Berichterstattung zu dieser Studie, sondern ist auch in der Publikation selbst zu finden. Die Studie ist wie immer am Ende des Haupttextes verlinkt.
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Von der Hummel zur Drohne

Eine Blüte bewegt sich im Wind hin und her. Für eine Hummel bedeutet das, dass sie im Anflug nicht nur abbremsen und den richtigen Abstand schätzen muss. Sie muss gleichzeitig der Bewegung der Blüte folgen, ihren eigenen Körper stabilisieren und das Ziel im Blick behalten.

Wie ihr Nervensystem diese verschiedenen Informationen in passende Flugbewegungen übersetzt, hat ein Forschungsteam der Wageningen University in den Niederlanden nun mit einer, wie ich finde, spannenden Kombination aus Verhaltensexperimenten, Hochgeschwindigkeitsaufnahmen und mathematischen Modellen untersucht.

Dafür trainierten sie Hummeln darauf, auf einer künstlichen Blüte zu landen, die sich gleichmäßig zweimal pro Sekunde seitlich hin und her bewegte. Drei Hochgeschwindigkeitskameras zeichneten die Manöver auf.

Anschließend wurden Kopf, Körper und die Flügel automatisch in den Bildern verfolgt und daraus die 3D Flugbewegungen rekonstruiert. Insgesamt analysierte das Team 48 Landungen.

Die Hummeln folgten der Bewegung der Blüte erstaunlich genau und kippten ihren Körper dabei immer wieder seitlich, ähnlich wie ein Hubschrauber, der durch Neigung seine Schubrichtung verändert.

Die Forschenden entwickelten anschließend aus den gesammelten Daten mathematische Modelle dafür, wie die Hummeln ihren Flug steuern.

Diese deuten darauf hin, dass sie sich vor allem daran orientieren, wie schnell sich die Blüte durch ihr Blickfeld bewegt. Zusammen mit Informationen über die eigene Drehbewegung reicht das offenbar aus, um der Blüte zu folgen und sie beim Landeanflug im Blick zu behalten. Wo genau sich die Blüte im Blickfeld befindet, scheint hingegen kaum eine Rolle zu spielen.

Genau dieser letzte Punkt macht die Arbeit auch für die Robotik interessant. Kleine Flugroboter müssen bewegliche Ziele ebenfalls schnell erfassen und ihre eigenen Bewegungen laufend korrigieren, haben aber nur begrenzte Rechenleistung und Sensorik. Die Hummeln zeigen, dass dafür möglicherweise erstaunlich einfache Rückkopplungsregeln ausreichen.

Noch bildet das Experiment allerdings eine stark vereinfachte Situation ab. Die künstliche Blüte bewegte sich regelmäßig in nur einer Richtung. Wie gut dasselbe Prinzip bei den unregelmäßigen Bewegungen einer echten Blüte im Wind funktioniert, muss sich erst noch zeigen.

Die Autoren schlagen sogar selbst vor, das entwickelte Modell künftig direkt mit Flugrobotern und unter komplexeren Bedingungen zu testen.

Die Hummeln lieferten also die Grundlage, nun könnte es ohne sie weitergehen.

Quelle:

Wang et al. (2026), Journal of the Royal Society Interface

doi.org/10.1098/…

hummel insekten bumblebee biologie bionik
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Die Abbildung zeigt eine Hummel beim Anflug auf die künstliche Blüte, die sich seitlich hin und her bewegt. Die Aufnahme ist von oben zu sehen, die Hummel befindet sich links unten und die Blüte rechts oben. Farbige Pfeile und gestrichelte Linien markieren verschiedene Größen, mit denen die Forschenden die Bewegungen von Hummel und Blüte mathematisch beschrieben haben. Die blauen Pfeile stehen für die Geschwindigkeit der Hummel, die grünen für ihre Beschleunigung. An der Blüte zeigen entsprechende Pfeile deren seitliche Geschwindigkeit und Beschleunigung. Die roten Pfeile geben die seitlichen Positionen von Hummel und Blüte innerhalb des Versuchsaufbaus sowie ihren Abstand zueinander an. Aus diesen ganzen Messgrößen konnten die Forschenden rekonstruieren, wie genau die Hummel der hin und her schwingenden Blüte folgt, und anschließend Modelle ihrer Flugsteuerung entwickeln. Die Abbildung stammt aus der Publikation von Wang und Kollegen Journal of the Royal Society Interface (Abbildung 2d). Der Link zur Studie befindet sich am Ende des Haupttextes.
Dr. Michael Blume @BlumeEvolution digitalcourage.social

Aufgeben gilt nicht.

Habe daher wieder ein Profil auf Academia.edu angelegt und werde dort immer mal wieder klassische & neue Paper zur freien Verfügung einstellen.

Der Zugang kostet zwar leider, aber das hat meine (inzwischen abgeschaltete) Homepage ja leider auch getan.

Habe Mastodon als Dialog-Profil angegeben und freue mich, einige an Wissenschaft & Wissenschaftskommunikation Interessierte auch dort zu treffen.

#Wissenschaft #WissKomm #Academia #AcademiaEdu

kit.academia.edu/MBlume

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