KW 36: Ich habe noch immer einen Job, obwohl ich KI einsetze
Einige Wochen nach meinem Post âKW 29: Kurzer Erfahrungsbericht aus der Entwicklungâ entwickle ich immer noch Software und wurde nicht vollstĂ€ndig von der KI ersetzt đïž
Wenn eine Nicht-Entwickler:in mit Hilfe eines LLM eine Aufgabe lösen kann, fĂŒr die sie zuvor eventuell Stunden gebraucht hĂ€tte, um etwas âvon Handâ zu erledigen, ist das eines dieser Beispiele, mit denen sich der Einsatz von KI an vielen ArbeitsplĂ€tzen lohnen kann. In natĂŒrlicher Sprache zu beschreiben, was wir von der Maschine erwarten, fĂ€llt uns Menschen recht einfach. Darin sehe ich einen groĂen Vorteil fĂŒr viele âlĂ€stigeâ Aufgaben.
Unternehmenskritische Prozesse lassen sich selten in wenigen SĂ€tzen erklĂ€ren. Die Angabe von miteinander verknĂŒpften Aufgaben wird zudem hĂ€ufig regulatorisch begleitet. Und zudem sind auch Sicherheits- und Datenschutzanforderungen einzuhalten, die im gesamten Unternehmen gleich behandelt werden mĂŒssen.
An dieser Stelle kommen nach meiner Auffassung Expert:innen ins Spiel, die ihr Handwerk gelernt haben und den LLMs Vorgaben machen können, die fĂŒr die Umsetzung von Prozessen in Software zwingend eingehalten werden mĂŒssen.
Die Vorgaben haben wir in der Softwareentwicklung auch schon zuvor gemacht, wenn wir in Teams die Quellcodezeilen von Hand geschrieben haben. Architektur-Dokumentation, Requirements in Ticket-Systemen, Dokumente zum Risikomanagement, Coding Guidelines, Kataloge von vertrauenswĂŒrdiger Dritt-Software sind schon lange unsere Begleiter, wenn wir Software schreiben. Wir wollen in Teams gleichbleibende QualitĂ€t abliefern und machen uns daher viele Gedanken dazu, was wir dafĂŒr tun und wie wir es belegen können.
In vielen Unternehmen werden die Budgets fĂŒr die Software-Entwicklung in den letzten Jahren wieder stĂ€rker auf den PrĂŒfstand gestellt. Entwicklungsabteilungen werden verkleinert. Die Vergabe von Entwicklungsaufgaben an Dienstleister zurĂŒckgefahren. Dennoch soll nicht darauf verzichtet werden, dass die eigenen Prozesse in Software ĂŒberfĂŒhrt werden.
Ich verstehe daher die KI immer mehr als Team-Mitglied. Gerade wenn das Team immer kleiner wird, aber die Anzahl der Aufgaben auf einem hohen Niveau bleibt, braucht es stĂ€rkere UnterstĂŒtzung.
Die Expertise, die nun also in den Vordergrund gerĂŒckt wird, ist die Erstellung der Dokumentation, die die Grundlage fĂŒr die Softwareentwicklung bietet und der Umgang mit den KI-Werkzeugen, um Produkte zu entwickeln, die Nutzer:innen gerne einsetzen.
Die Expert:innen, die wir in Zukunft brauchen werden, mĂŒssen immer noch ein VerstĂ€ndnis fĂŒr die Technik haben. Die Ausbildung dieser FachkrĂ€fte muss uns immer noch einiges Wert sein. Reine Programmierer:innen, die nur noch die Codezeilen heruntertippen, wird es vermutlich immer weniger geben. Ausnahmen wird es indes immer geben.