AgenticCoding

Tags

Follow from the Fediverse

Follow #agenticcoding from Mastodon or any other Fediverse app and its public posts arrive in your timeline. No vutuv account needed.

@agenticcoding@tags.vutuv.de

Your address is used once, to send you to your own server's follow dialog. It is never stored here.

Posts with this tag

3 posts

Filters
Björn Abheiden @bjoern bizzfed.de

KW 36: Ich habe noch immer einen Job, obwohl ich KI einsetze
Einige Wochen nach meinem Post “KW 29: Kurzer Erfahrungsbericht aus der Entwicklung” entwickle ich immer noch Software und wurde nicht vollstĂ€ndig von der KI ersetzt đŸ˜ïž

Wenn eine Nicht-Entwickler:in mit Hilfe eines LLM eine Aufgabe lösen kann, fĂŒr die sie zuvor eventuell Stunden gebraucht hĂ€tte, um etwas “von Hand” zu erledigen, ist das eines dieser Beispiele, mit denen sich der Einsatz von KI an vielen ArbeitsplĂ€tzen lohnen kann. In natĂŒrlicher Sprache zu beschreiben, was wir von der Maschine erwarten, fĂ€llt uns Menschen recht einfach. Darin sehe ich einen großen Vorteil fĂŒr viele “lĂ€stige” Aufgaben.

Unternehmenskritische Prozesse lassen sich selten in wenigen SĂ€tzen erklĂ€ren. Die Angabe von miteinander verknĂŒpften Aufgaben wird zudem hĂ€ufig regulatorisch begleitet. Und zudem sind auch Sicherheits- und Datenschutzanforderungen einzuhalten, die im gesamten Unternehmen gleich behandelt werden mĂŒssen.

An dieser Stelle kommen nach meiner Auffassung Expert:innen ins Spiel, die ihr Handwerk gelernt haben und den LLMs Vorgaben machen können, die fĂŒr die Umsetzung von Prozessen in Software zwingend eingehalten werden mĂŒssen.

Die Vorgaben haben wir in der Softwareentwicklung auch schon zuvor gemacht, wenn wir in Teams die Quellcodezeilen von Hand geschrieben haben. Architektur-Dokumentation, Requirements in Ticket-Systemen, Dokumente zum Risikomanagement, Coding Guidelines, Kataloge von vertrauenswĂŒrdiger Dritt-Software sind schon lange unsere Begleiter, wenn wir Software schreiben. Wir wollen in Teams gleichbleibende QualitĂ€t abliefern und machen uns daher viele Gedanken dazu, was wir dafĂŒr tun und wie wir es belegen können.

In vielen Unternehmen werden die Budgets fĂŒr die Software-Entwicklung in den letzten Jahren wieder stĂ€rker auf den PrĂŒfstand gestellt. Entwicklungsabteilungen werden verkleinert. Die Vergabe von Entwicklungsaufgaben an Dienstleister zurĂŒckgefahren. Dennoch soll nicht darauf verzichtet werden, dass die eigenen Prozesse in Software ĂŒberfĂŒhrt werden.

Ich verstehe daher die KI immer mehr als Team-Mitglied. Gerade wenn das Team immer kleiner wird, aber die Anzahl der Aufgaben auf einem hohen Niveau bleibt, braucht es stĂ€rkere UnterstĂŒtzung.

Die Expertise, die nun also in den Vordergrund gerĂŒckt wird, ist die Erstellung der Dokumentation, die die Grundlage fĂŒr die Softwareentwicklung bietet und der Umgang mit den KI-Werkzeugen, um Produkte zu entwickeln, die Nutzer:innen gerne einsetzen.

Die Expert:innen, die wir in Zukunft brauchen werden, mĂŒssen immer noch ein VerstĂ€ndnis fĂŒr die Technik haben. Die Ausbildung dieser FachkrĂ€fte muss uns immer noch einiges Wert sein. Reine Programmierer:innen, die nur noch die Codezeilen heruntertippen, wird es vermutlich immer weniger geben. Ausnahmen wird es indes immer geben.

Wie ich aktuell mit mehreren Coding-Agenten arbeite

Inzwischen merke ich immer deutlicher: Es gibt nicht den einen perfekten Agenten – und vermutlich auch nicht die eine perfekte Entwicklungsumgebung – fĂŒr alles.

Ich arbeite aktuell vor allem mit Claude und Codex und merke dabei, dass beide unterschiedliche StÀrken haben.

Claude gefĂ€llt mir hĂ€ufig bei Planung, Struktur und einer ersten Umsetzung innerhalb vorhandener Projektregeln. Codex empfinde ich oft als pragmatischer und direkter und setze ihn deshalb gerne als zweiten Blick oder fĂŒr Reviews ein.

Dabei ist das aber lÀngst kein fester Workflow mehr.

Je nach Aufgabe wechsle ich zwischen den Werkzeugen und lasse auch bewusst einen Agenten auf die Arbeit des anderen schauen.

Der eigentliche SchlĂŒssel ist gemeinsamer Kontext

Damit das funktioniert, muss das Repository selbst gut vorbereitet sein.

Guidelines, Skills, Projektregeln, Tests und eine verstĂ€ndliche Entwicklungsumgebung werden fĂŒr mich immer wichtiger.

Denn wenn jeder Agent erst wieder neu erraten muss, wie ein Projekt aufgebaut ist und welche Regeln gelten, verliert man einen großen Teil des ProduktivitĂ€tsgewinns.

Mein Ziel ist deshalb weniger, den „besten“ Agenten zu finden.

Ich möchte ein Projekt so vorbereiten, dass unterschiedliche Agenten sinnvoll daran arbeiten können und austauschbar bleiben.

Agentische Entwicklung findet fĂŒr mich nicht nur in Agent-First-IDEs statt

Ich nutze VS Code mit Devcontainern ebenfalls intensiv fĂŒr agentische Entwicklung.

Der Unterschied ist fĂŒr mich eher: Dort kann ich den Agenten wesentlich besser auf die Finger schauen.

Ich sehe Dateien, Diffs und die Struktur des Projekts direkt vor mir, kann Änderungen gezielt nachvollziehen und habe stĂ€rker das GefĂŒhl, jederzeit eingreifen zu können.

Agent-First-Umgebungen wie Claude Code oder Codex sind dagegen besonders angenehm, wenn ich eine Aufgabe stÀrker delegieren und den Agenten relativ selbststÀndig daran arbeiten lassen möchte.

FĂŒr mich lĂ€uft es deshalb nicht auf VS Code oder Agent hinaus.

Und auch nicht auf Claude oder Codex.

Sondern auf eine Kombination daraus – abhĂ€ngig davon, was ich gerade erreichen möchte und wie eng ich die Umsetzung begleiten will.

Vielleicht ist genau das die neue FĂ€higkeit:

Nicht nur Code zu schreiben, sondern fĂŒr jede Aufgabe den richtigen Agenten, den richtigen Kontext und die passende Arbeitsumgebung zusammenzubringen.

1
From other networks 2

Bei aller Begeisterung fĂŒr Agentic Coding bleibt fĂŒr mich eine Frage offen:

Was bedeutet das eigentlich fĂŒr die nĂ€chste Generation von Entwicklerinnen und Entwicklern?

Ich habe darauf keine einfache Antwort.

Denn bei mir selbst merke ich sehr deutlich: Der Grund, warum ich Agenten heute sinnvoll einsetzen kann, ist mein technischer Hintergrund.

Ich verstehe Konzepte, Architekturen und AbhÀngigkeiten und kann zumindest beurteilen, ob ein eingeschlagener Weg plausibel ist.

Aber was passiert ohne dieses Fundament?

Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie es wÀre, mit Agentic Coding aufzuwachsen, ohne vorher selbst Code geschrieben, gelesen, debuggt und Systeme von Grund auf verstanden zu haben.

Genau hier sehe ich eine echte Herausforderung.

Ich glaube nicht, dass die Zukunft darin liegt, jede Zeile Code weiterhin von Hand schreiben zu mĂŒssen.

Aber wir dĂŒrfen auch nicht den Fehler machen, VerstĂ€ndnis durch reine Bedienung zu ersetzen.

Wer Software nur noch ĂŒber Agenten erzeugt, ohne die Grundlagen zu verstehen, kann irgendwann kaum noch beurteilen, ob das Ergebnis wirklich gut, sicher oder ĂŒberhaupt sinnvoll ist.

Und daraus entsteht eine weitere AbhĂ€ngigkeit: von den Modellen, Werkzeugen und Plattformen, die diese Arbeit fĂŒr uns ĂŒbernehmen.

Deshalb bleiben offene Technologien und Wissen wichtig

Das betrifft nicht nur einzelne Entwickler, sondern langfristig unsere gesamte digitale Infrastruktur.

Gerade deshalb halte ich offene Standards, Open Source und Wissenstransfer fĂŒr wichtiger denn je.

Wir mĂŒssen die neuen Werkzeuge nicht ablehnen.

Wir mĂŒssen lernen, sie richtig einzusetzen – und gleichzeitig dafĂŒr sorgen, dass Menschen weiterhin verstehen, was sie damit erschaffen.

Vielleicht ist genau das eine der großen Aufgaben beim Agentic Coding:

Nicht zu verhindern, dass Maschinen uns Arbeit abnehmen.

Sondern sicherzustellen, dass wir trotzdem noch wissen, was sie da eigentlich fĂŒr uns tun.

2
From other networks 5