Fast niemensch nutzt TikTok und X. Das Fediverse sowieso noch nicht, aber das hat wenigstens Potential.
Steffen Voß aus Kiel aka Kaffeeringe ist einer meiner ältesten noch aktiven Social-Media-Kontakte. Im richtigen Leben haben wir uns noch nicht getroffen, obwohl wir bereits seit frühen Twitter-Tagen, also seit fast 20 Jahren, miteinander verbunden sind. Heute via Mastodon und im Uberblogr-Webring. Er ist (Mit-)gründer des Barcamp Kiel und des Webmontags Kiel. Zum #FediLabDay hat er einen Beitrag veröffentlicht, der die Rolle des Fediverse im Social-Media-Umfeld betrachtet. Darin fand ich eine Statistik, die ich so nicht erwartet hatte und die meine Sicht auf Social-Media völlig verändert hat.
Es wird immer davon ausgegangen, dass Plattformen wie TikTok, Instagram und X das Geschehen in sozialen Medien bestimmen und auch stark an der politischen Meinungsmache beteiligt sind. Das kann nicht von der Hand gewiesen werden. Allerdings geht aus der ARD/ZDF-Medienstudie 2026 hervor, dass die Mehrheit der Menschen überhaupt keinen Account in den großen Netzen haben:
60 % der Deutschen nutzen Instagram nicht. 80 % nutzen TikTok nicht. 90 % nutzen LinkedIn nicht. 95 % nutzen X nicht.(Aufzählung Copy&Paste von kaffeeringe.de)
Das hat mich sehr überrascht, wird doch immer davon ausgegangen, dass dort die meisten Nutzer:innen erreicht werden können. Auch in meiner Piratenpartei gibt es laute Stimmen, die die Notwendigkeit eines X-Accounts vehement verteidigen anstatt konsequent das Fediverse zu bespielen. Gut, die Verbreitung von Mastodon liegt mit nur 2% ungefähr hoch wie die Quote der Veganer:innen in Deutschland.
Steffen, der auch Mitglied des Medienrats der Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein ist, regt daher an, von öffentlich-rechtlicher Seite die Nutzung des Fediverse zu erhöhen. So könnten zum Beispiel die Mediatheken des ÖRR über ActivityPub mit dem Fediverse vernetzt werden. Das würde auch dazu passen, dass sich das Land Schleswig-Holstein hin zu Freier Software und offenen Standard bewegt. Es ist Angebot und Nachfrage, dort wo die Inhalte angeboten werden, werden sie konsumiert. Und wir sollten uns von den Milliardärs-geführten Plattformen fernhalten, im Sinne der digitalen Souveränität. (Disclaimer: Ich schaue auch täglich bei Instagram und Facebook rein.)
Ganz gleich, wie sich das Fediverse noch entwickelt, mit Kampagnen bei TikTok und X erreicht man auch nicht alle.