Posts by Prof. Ulrich Kelber
Ich glaube persönlich nicht, dass der Ansatz der rot-grün-roten Verhandler zur Vergesellschaftung von Teilen des privaten Wohnungsbestands in Berlin zielführend ist. Es wird eine lange gerichtliche Auseinandersetzung geben, mit einer hohen Chance, zu verlieren. Zu willkürlich erscheinen die Grenzen, ab wann vergesellschaftet werden soll, die angedachten Wohnungen liegen keineswegs an der Spitze des Mietenspiegels und für den Fall einer gerichtlichen Anordnung der Entschädigung nach Marktwert wäre es - bei Beibehaltung der Miethöhen - wegen des zu finanzierenden Kaufpreises ein Minusgeschäft. Zuletzt gibt es Schwierigkeiten zu belegen, dass man alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat, da gibt es noch viele Vorschläge, die die Politik in Berlin nie umgesetzt hat.
Die Berichterstattung vieler Medien und auch die Positionierung vieler Politiker:innen, darunter nicht nur CDU/CSU, sondern auch SPD und Grüne, ist allerdings verkürzt. Gelänge eine Vergesellschaftung unter Marktwert, müssten keine Steuergelder aufgebracht werden, weil eine staatliche Gesellschaft die Wohnungen übernähme und sowohl Entschädigung als Instandhaltung aus den unveränderten Mieteinnahmen bestreiten könnte. Die Steuermittel könnten also ungeschmälert für die Förderung von Neubau eingesetzt werden.
Das stupide wiederholte Narrativ, dass der Staat der schlechtere Bauherr und Vermieter sei, ist so falsch wie leicht widerlegbar. Da muss man gar nicht nach Wien schauen, in vielen deutschen Kommunen existieren gut geführte städtische Wohnungsbaugesellschaften. Und wer in den in den 1990er und 2000er Jahren privatisierten Wohnungen von Städten, Bundesländern und Unternehmen lebt, wünscht sich in der Regel die früheren Verhältnisse zurück.
Besonders unehrlich ist natürlich die Erzählung von CDU/CSU, man wolle Enteignungen verhindern. Abseits der Tatsache, dass es nie um entschädigungsfreie Enteignungen geht, enteignet keine Partei täglich mehr als CDU/CSU: Für Straßenbau, Kraftwerke, Industrieanlagen. Aber eine Vergesellschaftung für das Grundrecht Wohnen wollen die Konservativen grundsätzlich verhindern, das ist die Wahrheit.
Nein, es darf kein Gesetz geben, dass den Art. 15 Grundgesetz aushöhlt, selbst wenn man im aktuellen Fall die Berliner Vergesellschaftungspläne nicht teilt. Die Möglichkeit zur Vergesellschaftung ist der Rettungsanker eines sozialen Rechtsstaats, wenn der Markt die Grundbedürfnisse der Menschen nicht mehr erfüllen kann und Macht-/Finanzverhältnisse anders nicht mehr auszugleichen sind. Er wurde aus gutem Grund in das Grundgesetz eingeführt und muss gerade angesichts der Verwerfungen einer Übergangsperiode, in der wir gerade als Gesellschaft stecken, vollumfänglich erhalten bleiben.
Deswegen habe ich - auf einer meiner langen Zugfahrten - einen Antrag für den SPD-Bundesparteitag geschrieben, der einstimmig durch die Mitgliederversammlung der SPD Beuel beschlossen und nun dort eingebracht wird
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Die Beueler SPD bringt einen Antrag zu den Themen Informationsfreiheit und Datenschutz auf dem SPD-Bundesparteitag am 15. und 16. Januar ein. Er wurde einstimmig gestern auf der Mitgliederversammlung beschlossen. Aktuell bemühen wir uns um Unterstützung aus weiteren SPD-Gliederungen.
Wir bauen darauf auf, dass die SPD-Bundestagsfraktion in ihrem tollen Papier zur Stärkung des Rechtsstaats den Plänen von CDU und CSU zur massiven Schwächung des Rechtsanspruchs auf staatliche Informationen nicht nur eine Absage erteilt hat, sondern im Gegenteil dieses Grundrecht ausbauen will. Stichwort Transparenzgesetz
Das wollen wir zur Beschlusslage der Gesamtpartei machen. Und wenn wir gerade dabei sind, soll der Parteitag auch deutlich machen, dass auch das Recht auf Datenschutz nicht verhandelbar ist.
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Die Mitgliederversammlung der Beueler SPD hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, die sicheren Radverkehrsanlagen auf der Oxfordstraße (und der Adenauerallee) unverzüglich wiederherzustellen. Die Stadtverwaltung soll auf Revision zu dem entsprechenden Urteil des Verwaltungsgerichts Köln verzichten.
Die Wegnahme der sicheren Fahrradspuren war nicht nur eine falsche Reaktion auf die Verkehrssituation nach der Sperrung der Nordbrücke, sie hat auch die Sicherheit der Radfahrenden massiv gefährdet.
Auf der wichtigen Ost-West-Achse hat sich der Radverkehr verdreifacht und hilft so, die Verkehrssituation zu entschärfen. Der Radverkehr braucht mehr Platz, nicht weniger. Für den Autoverkehr haben die Maßnahmen keinen wesentlichen Vorteil gebracht, da die Schlüsselstellen einspurig bleiben.
Mehr im Antrag selbst
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Auf der Herbstkonferenz des Bundesverbands der Datenschutzbeauftragten habe ich einen Vortrag gehalten: “Vom Paulus zum Saulus. Wie der Datenschutz in Deutschland und der EU unter die Räder gerät. Und was wir dagegen machen können”
Der “digitale Omnibus” der EU.Kommission, die Beschlüsse der schwarz-roten Bundesregierung, das Anbiedern der hessischen Landesregierung an BigTech, selbst wenn diese Gesetze verletzen und das Vorhaben der grün-schwarzen Landesregierung in Baden-Württemberg, beim Landesdatenschutzbeauftragten trotz steigender Fallzahlen 40%(!) der Stellen zu streichen: Überall finden vehemente Angriffe auf unser wichtiges Grundrecht statt.
Was wir dagegen machen sollten? Widersprechen, es geht um unsere Demokratie. Einen Markt für europäische Produkte mit eingebautem Datenschutz schaffen, durch Anwenden der Gesetze und kluge Vergabe/Beauftragung. Und mit eigenen Vorschlägen eine Modernisierung des Datenschutzrechts angehen, dass den Schutz verbessert, statt ihn zu schleifen.
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Besser noch, Alternativen zu MS 365 im Team produktiv nutzen. Spart Geld und Würde. Digitale Souveränität macht zudem Spaß
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Sehr spannend und was ist das wichtigste Kriterium aus Deiner Sicht für digitale Souveränität?
Das man bei jeder Verhandlung mit einem Softwarelieferanten oder Dienstleister einfach aufstehen und die Verhandlung beenden kann.
Im Ernst: Austauschbarkeit der Leistung
Was mir die letzten Tage wieder mal vermehrt aufgefallen ist: Die allermeisten Applikationen im Fediverse sind richtig schlecht zu bedienen und haben auch noch Bugs an zentralen Stellen. Da wird innerhalb der Community immer so nonchalant drüber hinweggegangen. Als wenn bei Open-Source einfach alles ok ist. Nein, ist es nicht! Auch Open-Source darf einfach zu bedienen sein und es ist auch nicht schlecht, wenn es überhaupt funktioniert.
Wenn ich mir auf X, Facebook, Instagram oder sonst wo einen Account einrichte, dann funktioniert das einfach. Dann ist das alles halbwegs einfach zu bedienen und logisch. Ja, das ist closed source und ja die Daten liegen dann auf irgendwelchen bösen Servern in den USA. Aber es FUNKTIONIERT! Einfach so! Ohne, dass man einem Admin eine E-Mail schreibt mit der Frage, warum man beim Einloggen auf eine 503 Fehlermeldung kommt.
Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster: Das Fediverse ist deshalb so klein, weil die Community sich zu schade dafür ist, auf so was Wert zu legen. Mir passieren solche Fehler bei vutuv.de auch. Aber ich bin a) glücklich über jede Meldung dazu und b) gehe ich aktiv auf die Jagd danach und benutze meine Software jeden Tag selbst (eat you own dogfood).
Es gibt ja zig “komm ich zeige Dir den Weg ins Glück” Formate, in denen man normalen Menschen das Paradies des Fediverse nahebringen will. Das wäre aber völlig unnötig, wenn das alles einfach zu bedienen und auch noch immer funktionieren würde.
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Was mir aufgefallen ist: vutuv ist schnell und intuitiv bedienbar. Das UI ist aufgeräumt, genau mein Geschmack 🎖️
Im Rahmen des Informatik Festivals der Gesellschaft für Informatik letzte Woche in Dresden habe ich einen Vortrag beim Symposium zur digitalen Souveränität gehalten.
Mein Vortrag mit dem Titel “Deutschland scheitert … nicht am Datenschutz und auch nicht in der Informationsfreiheit” sollte aufzeigen, dass konsequenter /Users/ulrichkelber/Desktop/20260922 GI Dresden Vortrag Ulrich Kelber Deutschland scheitert nicht am Datenschutz.pdfDatenschutz und Informationsfreiheit zu mehr sich durchsetzenden europäischen Lösungen führen würde.
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Nicht nur auf Bundesebene, auch in den Ländern steht unter dem Vorwand des Bürokratieabbaus die Informationsfreiheit unter Druck.
Der Thüringer Landtag hat eine schriftliche Anhörung zum Thüringer “Entlastungsgesetz” und einem Änderungsantrag von CDU, SPD und BSW durchgeführt. Das Entlastungsgesetz sieht eine Entkernung des fortschrittlichen Thüringer Transparenzgesetzes vor, der Änderungsantrag nimmt diese Verschlechterungen nur zum Teil zurück.
Als Anlage meine schriftliche Stellungnahme. Bei dem Thema darf es nicht leise werden, wenn den Bürgerinnen und Bürgern nicht ein wichtiges Recht genommen werden soll.
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Auf der Herbstkonferenz des BvD am 14.10. werde ich an der Paneldiskussion “Modernisierungsbedarf im Datenschutz” teilnehmen und vorher auch einen Pitch geben.
Mein Titel “Vom Paulus zum Saulus. Wie der Datenschutz in Deutschland unter die Räder gerät”
Reminder an mich: Vortrag und begleitenden Artikel fertigstellen :-)
