Der Nerd und der Kraftprotz
Klischee gefällig? Der eine ist ideenreich, eher muskellos und clever, der andere stark, dominant und wenig erfinderisch. Was nach Schulhof oder Sitcom klingt, findet sich erstaunlich ähnlich auch im Tierreich wieder, zumindest bei Mäusen.
Forschende am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie untersuchten, wie gut Hausmäuse neue Probleme lösen und welche Rolle diese Fähigkeit bei der Partnerwahl spielt. Dabei zeigte sich zunächst ein interessanter Zusammenhang bei den Männchen.
In naturnahen Populationen von Hausmäusen waren besonders einfallsreiche Männchen im Durchschnitt leichter und dadurch körperlich weniger durchsetzungsstark, während kräftigere Tiere Vorteile in direkten Auseinandersetzungen hatten, aber seltener neue Lösungen fanden.
Spannend wird es bei der Partnerwahl. Denn die Weibchen bevorzugten keineswegs alle denselben Typ. Innovative Weibchen bevorzugten schwerere Männchen, während nicht innovative Weibchen häufiger innovative Partner wählten. Im kontrollierten Versuch entschieden sie sich damit tendenziell für Männchen mit jeweils anderen Eigenschaften als ihren eigenen.
Nun könnte man sich fragen, warum sich dennoch die ganze Bandbreite der Verhaltensweisen im Laufe der Evolution erhalten hat und nicht alles zu einem Einheitsbrei wurde.
Genau hier kommt die Partnerwahl ins Spiel. Wenn unterschiedliche Weibchen unterschiedliche Männchentypen bevorzugen, gibt es eben nicht den einen Typ, der grundsätzlich den größten Fortpflanzungserfolg hat. Je nachdem, wer auswählt, können unterschiedliche Eigenschaften von Vorteil sein.
Hinzu kommt der mögliche Kompromiss zwischen Innovationsfähigkeit und körperlicher Konkurrenzfähigkeit. Wenn eine Strategie Vorteile in einem Bereich bringt, dafür aber mit Nachteilen in einem anderen verbunden ist, muss sich ebenfalls nicht zwangsläufig eine einzige optimale Kombination durchsetzen.
Zusammen könnten solche gegenläufigen Selektionskräfte dazu beitragen, dass unterschiedliche Verhaltensweisen innerhalb einer Population langfristig erhalten bleiben.
Somit gibt es keinen idealen Typ, sondern einfach unterschiedliche Strategien. Ein Hoch auf die Vielfalt!
📖 Quelle:
Vezyrakis et al., 2026, Current Biology
cell.com/current-biology/…